Zum Hauptinhalt springen

Kostenlos registrieren

  • Direkt zu Deinen Lieblingsartikeln!

  • Benachrichtigungen für Top-News und Lieblingsfahrer verwalten

  • Artikel kommentieren

24h Le Mans 2026: Peugeot ohne Antworten, aber nicht ohne Hoffnung

Das Qualifying zu den 24 Stunden von Le Mans 2026 war für Peugeot eine große Enttäuschung: Warum die Franzosen für den 24h-Klassiker dennoch Hoffnung haben

24h Le Mans 2026: Peugeot ohne Antworten, aber nicht ohne Hoffnung

Malthe Jakobsen (Peugeot) rätselt über die Performance in Le Mans

Foto: Tobias Kindermann

Das letzte Training vor den 24h von Le Mans 2026 ist absolviert, und die Zeitentabellen erzählen dieselbe Geschichte wie schon das Qualifying zuvor: Für den Peugeot 9X8 bleibt die Lage ernst, doch die Werksfahrer Malthe Jakobsen (#94) und Nick Cassidy (#93) geben sich kämpferisch und suchen nach jeder noch so kleinen Chance, die ihnen das Rennen bieten könnte.

Was im Qualifying am Mittwoch passiert ist, lässt das Peugeot-Lager noch immer rätseln. Der Rückstand auf die Konkurrenz war größer als erwartet - und eine klare Ursache hat sich auch in den Nachbesprechungen nicht herauskristallisiert. "Wenn es so einfach wäre, hätten wir es gelöst", sagt Jakobsen nüchtern.

"Du hattest zwei Runs im Qualifying - du hättest es beim ersten sehen, eine Anpassung vornehmen und beim zweiten Versuch reagieren können." Dass das nicht gelang, macht die Situation umso schwerer zu greifen. Nick Cassidy, der im Schwesterauto #93 startet, gibt sich weniger überrascht: "Ehrlich gesagt habe ich es erwartet."

Der Neuseeländer hatte in den ersten freien Trainings bewusst weniger Umläufe gesammelt, der Fokus lag auf der Vorbereitung für das Qualifying und auf Teamkollege Paul di Resta, der viele Runden übernahm. Im dritten freien Training kam Cassidy dann zu mehr Fahrzeit und zog ein positives Fazit: "Das war eine wirklich gute Session für mich. Ich habe mich gut gefühlt."

Paul di Resta, Stoffel Vandoorne, Nick Cassidy

Peugeot erlebte im Le-Mans-Qualifying eine große Enttäuschung

Foto: Rainier Ehrhardt

Im dritten freien Training versuchte das Team mit einem neuen Runplan neue Erkenntnisse zu gewinnen. Das Ergebnis: Die Zeitentabelle zeigt ein ähnliches Bild wie zuvor. Qualifying-Simulationen standen dabei bewusst nicht auf dem Programm. "Der Fokus liegt jetzt ausschließlich auf dem Rennen", erklärt Jakobsen.

Reifenstrategie als zentrales Werkzeug bei Peugeot

Weil die reine Pace keine Trümpfe liefert, rückt die Strategie in den Mittelpunkt. Das Team hat in den vergangenen Tagen systematisch alle drei Reifenmischungen getestet: Soft am Sonntag im Prolog, Medium im Qualifying-Training, Hard im dritten freien Training.

"Ich glaube, wir haben jetzt ein gutes Bild davon, was jeder Reifen leisten kann", so Jakobsen. "Jetzt müssen wir die Daten analysieren und ein starkes Paket zusammenstellen." Für das Rennen zeichnet sich ab: Ein Doppelstint sollte problemlos machbar sein, ein Dreifachstint ist zu bestimmten Zeitpunkten notwendig, um die Reifenzuteilung nicht zu sprengen.

Ein Vierfachstint? "Das ist aus unserer Sicht im Moment sehr optimistisch", gibt Jakobsen zu, schließt es aber nicht kategorisch aus - abhängig von Temperaturen und Streckenbedingungen in der Nacht. Die Wahl zwischen den Mischungen hängt stark von Luft- und Streckentemperatur ab. Wird es am Samstag so warm wie erwartet, könnte der Hartreifen an Bedeutung gewinnen.

Jakobsen erklärt das Verschleißverhalten: In den ersten Runden eines Stints gibt es einen kurzen Leistungspeak, danach fällt die Performance leicht ab - bevor der sinkende Kraftstoffstand das Auto gegen Ende des Stints wieder schneller macht. Der kritische Punkt kommt, wenn die Reifen physisch an ihre Grenzen stoßen: "Wenn du anfängst, die Vorderreifen beim Einlenken zu blockieren, ist das wie ein Schneeballeffekt - es wird immer schlimmer."

Höhere Temperaturen helfen Peugeot - aber nur bedingt

Ob die prognostizierten höheren Temperaturen am Rennwochenende dem Peugeot in die Karten spielen? "Mein Bauchgefühl sagt nein", dämpft Peugeot-Pilot Jakobsen die Hoffnungen. Kühlere Bedingungen erzeugten mehr Abtrieb und kämen dem 9X8 insgesamt entgegen.

Auf der anderen Seite könnte ein wärmerer, gummierter Asphalt allen Fahrzeugen zugutekommen, denn schließlich ist Le Mans keine reguläre Rennstrecke, auf der rund um die Uhr Autos fahren. Jede Runde, die ein Fahrzeug dreht, verbessert den Grip.

Was bleibt Peugeot also? Jakobsen fasst es zusammen: Fehler vermeiden, sauber fahren, auf die Unwägbarkeiten eines 24-Stunden-Rennens setzen. Wechselhaftes Wetter, Verkehr mit Bronze- und Silberfahrern auf unterschiedlichstem Niveau, Zuverlässigkeitsprobleme bei der Konkurrenz - all das kann Positionen kosten und schenken.

"Wenn wir aus dem Ärger herausbleiben und andere Fehler machen oder Ausfälle haben, könnte am Ende ein anständiges Ergebnis stehen." Cassidy denkt in dieselbe Richtung, ordnet die Möglichkeiten ein. Kurzfueling oder verlängerte Stints als strategische Waffe? In den ersten beiden WEC-Saisonläufen in Imola und Spa wurden die Rennen tatsächlich über Strategie entschieden, doch Le Mans funktioniert anders.

"Pace gewinnt dieses Rennen letztlich", sagt Cassidy. "Wir sind vom Tempo her zu weit weg, um mit unkonventioneller Strategie wirklich etwas zu reißen." Dennoch: "Alles liegt auf dem Tisch, ob das verlängerte oder verkürzte Stints sind. Aber unter normalen Umständen sind wir nicht im Kampf."

Zur Zuverlässigkeit gibt sich Cassidy hingegen zuversichtlich: "Die Jungs haben in diesem Programm wirklich hart daran gearbeitet. Es sieht gut aus." Ein sauberes, fehlerfreies Rennen, das ist die Messlatte, an der sich beide Peugeot messen lassen wollen.

"Natürlich ist es immer unglaublich, Teil dieses Events zu sein", sagt Jakobsen. "Ich bin noch jung, das Team hat noch viel zu lernen - und wir nutzen jede Gelegenheit, den Moment zu genießen, auch wenn wir alle wissen, dass wir eigentlich weiter vorne kämpfen wollen."

Als Däne freut er sich über die zahlreichen dänischen Fans an der Strecke und die Motorsportgeschichte seines Landes, die mit Le Mans verbunden ist. Beide Peugeot 9X8 starten von ganz hinten. 24 Stunden liegen vor ihnen. Jakobsen wirkt nicht niedergeschlagen als er sagt: "Man weiß nie, was passiert."

Vorheriger Artikel Kevin Magnussen schwärmt: WEC "eine der besten Meisterschaften der Welt"
Nächster Artikel BMW-Pole, LMH im Aufwind: Le Mans 2026 verspricht ein offenes Rennen

Aktuelle News