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Aufeinandertreffen der Epochen: Jacky Ickx testet den Genesis-LMDh

Jacky Ickx setzte sich für eine symbolische Testfahrt auf dem Circuit Paul Ricard ans Steuer des Genesis GMR-001 - Was er über die moderne Komplexität sagt

Aufeinandertreffen der Epochen: Jacky Ickx testet den Genesis-LMDh

Jacky Ickx setzte sich ans Steuer des Genesis GMR-001

Foto: Genesis Genesis

Haben Sie sich jemals gefragt, was die Fahrer von früher über die heutigen Rennwagen denken? Stellen Sie sich vor, Jackie Stewart oder Bruce McLaren würden die aerodynamische Effizienz und die Komplexität moderner Formel-1-Boliden entdecken.

Oder stellen Sie sich vor, wie Olivier Gendebien oder Henri Pescarolo in das Cockpit eines modernen Hypercar-Prototyps steigen - aus einer Ära kommend, in der Langstreckenrennen ebenso sehr von mechanischem Feingefühl wie von menschlichem Durchhaltevermögen geprägt waren.

Normalerweise existiert eine solche Zeitreise nur in der Vorstellung von Motorsport-Fans. Aber Genesis Magma Racing entschied sich dazu, sie Wirklichkeit werden zu lassen.

Nachdem das südkoreanische Team in diesem Jahr in die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) eingestiegen ist, übergab es seinen GMR-001 an einen Fahrer aus einer anderen Ära: Jacky Ickx.

Als sechsfacher Sieger der 24 Stunden von Le Mans, zweifacher Vizeweltmeister in der Formel 1 und Sieger der Rallye Paris-Dakar verkörpert Ickx eine Generation, die ohne Servolenkung, ohne Simulatoren und mit weitaus geringeren Fehlertoleranzen fuhr.

Für ein paar Runden fühlte sich der Belgier um Jahrzehnte in die Zukunft katapultiert - ein seltenes Treffen zwischen zwei Visionen des Motorsports: Instinkt und Technologie.

Jacky Ickx ist seit den ersten Phasen des Projekts als sportlicher Berater für Genesis tätig. Als universell respektierte Persönlichkeit im Motorsport macht der Belgier kein Geheimnis aus seinem Wunsch, nicht nur seine außergewöhnliche Erfahrung, sondern auch, in seinen eigenen Worten, "seine Denkweise und seine Fehler" weiterzugeben, damit die nächste Generation davon profitieren kann.

Er beschreibt seine Einbindung wie "ein Elternteil, das seinem Kind beim Wachsen zusieht": Unterstützung bieten, Werte teilen und das Projekt dann seine eigene Identität entwickeln lassen.

Ein GMR-001 passend für "Monsieur Le Mans"

Der Treffpunkt war der Circuit Paul Ricard in Le Castellet. Die Sonne brannte auf den Asphalt, während der Mistral durch die Pinien im Süden Frankreichs fegte. Dort erblickte Jacky Ickx zum ersten Mal das Auto, das er fahren sollte. Und Genesis machte keine halben Sachen.

Für diesen Anlass wurde die traditionelle grau-orangefarbene Lackierung des GMR-001 durch ein einmaliges Design ersetzt, das als Hommage an den belgischen Fahrer entworfen wurde.

Auf ihn wartete ein blau-weißes Hypercar, übersät mit subtilen Anspielungen auf seine Erfolge bei Langstreckenrennen und vor allem auf seine sechs Siege bei den 24 Stunden von Le Mans. Ein weiteres Detail hatte ebenfalls seinen Weg auf die Karosserie gefunden: ein Hinweis auf die erste Punkteplatzierung von Genesis in der WEC nur wenige Tage zuvor, dank des achten Platzes des Autos mit der Startnummer 17 bei den 6 Stunden von Spa-Francorchamps.

Ein Teil des Führungsteams war angereist, um diese symbolischen Runden mitzuerleben. Nach ein paar Installationsrunden durch Andre Lotterer übernahm Ickx das Steuer.

Am Tag zuvor war der Belgier bereits für letzte Anpassungen in das Cockpit geklettert. Ein erstes Eintauchen, das ihm ein frühes Gefühl dafür gab, wie sehr diese Autos einer anderen Welt angehören: ein mit Bedienelementen übersätes Lenkrad, ein Armaturenbrett voller Informationen und überall Anschlüsse.

Angesichts all dessen hatte Ickx nur einen Kommentar, den er mit seinem typischen Humor abgab: "Ich weiß, wo die Schaltwippen sind, das ist alles, was ich brauche. Sagt mir nichts anderes."

Mit aufgesetztem Helm und angeschnallt fuhr Ickx drei Runden am Steuer des GMR-001. Nur drei Runden, aber genug, um unter den aufmerksamen Augen der Ingenieure und Mechaniker von Genesis zwei Epochen zusammenzubringen.

"Es gibt nur eine Antwort, die ich geben kann: Es ist wie Tag und Nacht", anwortet Ickx, als er gefragt wurde, wie sich das Hypercar im Vergleich zu den Prototypen anfühlt, die er während seiner Karriere gefahren ist.

"Es gibt keine Gemeinsamkeiten. Der Rennsport von heute hat nichts mehr damit zu tun. Es ist immer noch Wettbewerb, aber die Fahrzeuge, die wir heute sehen, haben nichts mit der Welt zu tun, aus der ich komme."

"Alles hat mich beeindruckt. Denn wenn man ein Lenkrad vor sich hat mit 18 Knöpfen auf der Vorderseite und wahrscheinlich weiteren vier auf der Rückseite, wenn man überall, wo man hinsieht, Anschlüsse hat, Schalter, um das Verhalten des Autos zu ändern, die Stabilisatoren anzupassen und so weiter und so weiter... Wenn Sie mir zugehört hätten, hätten Sie mich zu den Ingenieuren sagen hören: 'Bitte, vereinfacht mir das Leben.'"

Sogar die grundlegendsten Fahrgewohnheiten mussten neu erlernt werden: "Ich bin ein Rechtsbremser. Ich habe nie etwas anderes gekannt. Hier habe ich festgestellt, dass ich mit dem linken Fuß bremse. Es klingt bedeutungslos, aber es ist überhaupt nicht dasselbe Gefühl. Also musste ich alles neu überdenken und geistig klar bleiben, damit ich nicht durcheinanderkomme. Und dann ist es sehr eng - man wird fast klaustrophobisch, weil der Platz so begrenzt ist."

Aber jenseits der Technologie war es auch die Art und Weise, wie andere ihn ansahen, die Ickx amüsierte. Mit 81 Jahren wusste der Belgier, dass er nicht einfach nur ein modernes Hypercar entdeckte: Für ein paar Runden verkörperte er vor einem Team, das in die Zukunft blickte, auch eine andere Ära.

Er begann sich vorzustellen, was den Ingenieuren und Mechanikern von Genesis durch den Kopf gegangen sein mag, als sie ihr Hypercar einem Mann übergaben, der bereits in Le Mans gefahren war, als die meisten von ihnen nicht einmal geboren waren.

"Ich habe mich ganz gut geschlagen", lächelt er. "Gestern war die Vorspeise. Heute war das Hauptgericht. Die Frage war: Wie werde ich da drin zurechtkommen? Und die Mannschaft hat sich wahrscheinlich dasselbe gefragt: 'Wie wird diese Antiquität, wenn sie sich hinter das Steuer unseres Hypercars setzt, es wieder zurückbringen?'"

"Sie sagten mir, es sei magisch, mich hier zu haben, aber ehrlich gesagt... du bist 81 Jahre alt, wie wirst du dieses Ding wirklich fahren? Nun... ja."

"Im Vergleich zu den Autos, die ich gefahren bin - und ich bin viele Autos gefahren -, kamen mir zwei Fragen in den Sinn, als ich dieses Hypercar fahren wollte", erklärt Jacky Ickx. "Die erste war diese: Ich dachte, es sei eine einmalige Gelegenheit zu verstehen, wie sich ein moderner Rennwagen verhält und wie schwierig er wirklich ist."

"Verglichen mit dem, was ich kannte, ist es viel, viel komplizierter. Das Lenkrad mit seinen 18 Knöpfen und 18 Einstellungen, das Verwalten des Funks, das Aktivieren von Bedienelementen während der Fahrt... und das alles mit Skihandschuhen - nun ja, es sind keine Skihandschuhe, aber fast."

"Man muss wissen, wie man alles gleichzeitig macht, in einer Disziplin, die immer noch Langstreckenrennen genannt wird, die aber in Wirklichkeit zu einem dauerhaften Sprint geworden ist. Es ist Vollgas von A bis Z."

"Es bleibt kein Raum mehr für Improvisation. Alles muss geplant und präzise sein. Und das Niveau ist unglaublich hoch - nicht nur zwischen den Herstellern, sondern auch zwischen den Fahrern. Viele kommen aus einer Generation, die mit Computern aufgewachsen ist. Für mich ist es komplizierter."

"Die zweite Sache ist eine Frage, die ich mir vor 15 Tagen gestellt habe. Ich habe mich wieder in einen Formel-1-Wagen gesetzt, den ich vor 58 Jahren gefahren bin. Es war beim historischen Grand Prix mit einem Ferrari, der von einem V12-Motor angetrieben wird, den wir 'Spaghetti' nennen, weil die Auspuffrohre weiß lackiert sind und eine wahre Skulptur bilden."

"Ich bin in Monaco mit diesem Auto gefahren - demselben, mit dem ich damals den Großen Preis von Frankreich gewonnen habe. Und schon da gab es eine Frage: Werde ich in der Lage sein, einzusteigen? Und ich konnte es. Aber dann gibt es noch eine weitere Schwierigkeit: Werde ich in der Lage sein, wieder auszusteigen? Das ist die wahre Herausforderung."

Andre Lotterer stand Jacky Ickx beratend zur Seite

Andre Lotterer stand Jacky Ickx beratend zur Seite

Foto: Genesis

"Beim Hypercar war es dasselbe. Okay, ich habe mit dem linken Fuß gebremst, nicht mit dem gleichen Gefühl, aber ich habe es geschafft, in das Auto ein- und auszusteigen. Im Ernst, das ist nicht einfach. Weil ich nicht mehr die gleiche Flexibilität habe wie damals. Es ist viel schwieriger."

Ickx' wichtigste Erkenntnis: Erfahrung über alles

Aber als Ickx auf den Tag zurückblickt, ist es nicht die Technologie oder das Fahren, das seine Überlegungen dominiert - es ist die Erfahrung.

Als der Belgier seinen Helm abnimmt, applaudiert die Garage. Er nimmt sich einen Moment Zeit, um dem Team zu danken und die geleistete Arbeit anzuerkennen, wobei er ein paar aufmunternde Worte für den weiteren Weg parat hat.

Seine Augen funkeln immer noch, nachdem er das Hypercar aus der modernen Ära gefahren ist - 60 Jahre, nachdem er 1966 seinen allerersten Einsatz bei den 24 Stunden von Le Mans hatte:

"All diese Momente von gestern und heute - das alles ist ein Sonnenstrahl. Die ganze Truppe hat Spaß gehabt. Die Prinzipien des Zusammenhalts, des Zusammengehörens, des gemeinsamen Teilens der Leidenschaft - nichts hat sich an der heutigen Philosophie des Motorsports geändert. Meiner Meinung nach existiert sie schon seit dem Anfang."

"Aber damals, am Anfang, war es auch eine Frage des Überlebens. Heute macht der Individualismus die Dinge leider etwas komplizierter. Was ich an der Mannschaft hier liebe, ist der Zusammenhalt. Wir sind zusammen, wir machen das, was wir lieben, zusammen. Und wir haben verstanden, dass das funktioniert."

"Man darf nicht den Fehler machen zu glauben, dass man in dieser Welt Dinge alleine erreicht", betonte er und kehrte zu einer Idee zurück, die ihm offensichtlich am Herzen liegt: Niemand ist als Solist erfolgreich.

"Selbst diejenigen, die sagen: 'Ich wollte es, ich habe es erreicht' - das stimmt nicht. Es ist ein Teasm. Es sind Begegnungen, Menschen, die auf einen zukommen, die einen aufbauen. Und das ist für mich Magie. Das ist das Einzige, was echt ist."

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