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Ferrari-WEC-Chef bezieht Stellung: "Mit Geheim-BoP fehlt Teil der Story"

Antonello Coletta prescht vor und kritisiert als Erster die Geheimhaltung der BoP in der WEC 2026 - Ein Teil der Story werde dadurch unter den Teppich gekehrt

Ferrari-WEC-Chef bezieht Stellung: "Mit Geheim-BoP fehlt Teil der Story"

Antonello Coletta geht das Wagnis ein, sich gegen die BoP-Verheimlichung zu positionieren

Foto: Davide Cavazza

Ferrari warnt davor, dass die Entscheidung, die Daten der Balance of Performance in der Langstrecken-Weltmeisterschaft 2026 geheim zu halten, ein wesentliches Element der "Rennerzählung" zerstören wird.

Auf die kontroverse Entscheidung von FIA und ACO angesprochen, die BoP-Daten der Öffentlichkeit vorzuenthalten, sagt Antonello Coletta, Leiter der Abteilungen Endurance und Corse Clienti, am Rande der 6 Stunden von Imola:

"Wie Sie wissen, ist es uns nicht gestattet, das Thema BoP zu behandeln, aber ich ziehe es vor, die Dinge ehrlich anzusprechen: Es gibt eine Regel, und Regeln müssen respektiert werden. Klar ist, dass wir alle immer mehr über die Hintergründe des Wettbewerbs wissen möchten. Leider ist das ein Aspekt, der in der Erzählung [des Rennens] fehlen wird."

Anfang dieser Woche wurde bekannt, dass die WEC ab 2026 keine BoP-Tabellen mehr veröffentlicht. Sämtliche Informationen bleiben fortan privat zwischen den Teams und der Rennserie. Zuvor hatte die Meisterschaft vor jedem Lauf detaillierte Tabellen publiziert, die das exakte Gewicht und die Leistungswerte jedes Hypercars auswiesen.

Die BoP ist naturgemäß ein streitbares Thema - besonders, da die Serie Autos aus zwei verschiedenen Reglements (LMDh und LMH) angleichen muss. Den Teams, Herstellern und Fahrern war es laut sportlichem Reglement ohnehin schon untersagt, die BoP öffentlich zu kommentieren.

Ferraris Aussichten: "Ergebnisse kommen nicht von ungefähr"

Als amtierender Weltmeister steht Ferrari auf heimischem Boden unter hohem Druck. Beim überarbeiteten 499P gilt es noch viel zu lernen, auch bezüglich der neuen Michelin-Reifen. Diese Faktoren veranlassen Coletta, zur Ruhe zu mahnen, wenngleich er von der Stärke des Teams aus Maranello überzeugt bleibt.

"Es erfüllt uns mit großem Stolz, die vierte Saison als amtierende Champions und nach der besten Spielzeit in der Geschichte von Ferrari zu beginnen. Früher hatten wir nicht all diese Titel, die wir heute besitzen; es ist ein Privileg, und wir wissen, dass Ferrari zum Siegen verpflichtet ist."

"Es liegt an uns, alles Mögliche zu tun, damit dies geschieht. Ergebnisse kommen nicht von ungefähr, sondern durch eine methodisch aufgebaute Struktur und die Arbeit jedes Einzelnen. Wir haben hart gearbeitet; Ende 2024 hatten wir verstanden, wie wir die Reifen optimal nutzen, und 2025 sind wir glänzend gestartet."

"Heute weiß ich nicht, ob wir die Favoriten sind. Wir fangen wieder bei Null an, weil alle Fahrzeuge neu homologiert wurden. Wir kennen das Leistungsniveau des Feldes noch nicht und müssen den Respekt vor der Konkurrenz wahren. Wir fangen wieder mit gesenktem Kopf an und haben die Pflicht, gut abzuliefern."

"Die Abzeichen des Weltmeisters zu tragen, ist ein enormer Stolz für uns alle. Wenn wir uns ansehen, was die anderen Hersteller sagen, drehen sich die meisten darum, Ferrari schlagen zu wollen. Ich denke, das ist die beste Antwort auf das, was wir leisten."

Ferrari traut Prolog-Überlegenheit nicht

Beim Prolog-Test dominierte Ferrari zwar das Geschehen, doch diese Zeiten sind mit Vorsicht zu genießen, da viele andere Autos ihre wahre Performance sicher noch zurückgehalten haben.

"Die Sessions fanden unter wechselhaften Bedingungen statt und jeder hat seine eigenen Tests absolviert. Es freut uns, vorne dabei zu sein, aber wenn man sich die Sektorzeiten ansieht, ist es offensichtlich, dass einige Teams ihre wahre Pace gut versteckt haben."

"Wir wissen, dass das Ergebnis am Sonntagabend zählt, daher werden Kommentare über die Rundenzeiten erst später abgegeben. Ich bin sicher, dass es nicht einfach sein wird, in den Top 3 zu bleiben. Einige Konkurrenten werden sowohl im Qualifying als auch im Rennen extrem schnell sein, aber es gehört zum Spiel, sich mehr oder weniger gut zu tarnen."

Die Einstufungen des Ferrari 499P und anderer Hypercars bleibt 2026 geheim

Die Einstufungen des Ferrari 499P und anderer Hypercars bleibt 2026 geheim

Foto: FIA WEC/DPPI

"Wir müssen die neuen Reifen verstehen, um sie auf Temperatur zu bringen und sie so lange wie möglich optimal über jeden Stint zu verwalten. Ein paar Tests mehr hätten uns gutgetan, aber das bedeutet nicht, dass wir uns beschweren. Wir müssen entschlossen und schnell darin sein, sie an das Auto anzupassen."

Abschließend betont Coletta dass die Verantwortung als Titelverteidiger noch größer ist: "Wir müssen versuchen, dort zu bleiben, wo wir angekommen sind. Es ist verdammt hart zu gewinnen, und es ist noch härter, das zu wiederholen."

"Wir müssen jeden Tag mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben und konzentriert arbeiten, denn man lernt nie aus. Das gilt für mich und auch für alle meine Kollegen. Es ist jedoch besser, das Problem zu haben, weiterhin gewinnen zu müssen, als das Problem, es nicht zu schaffen. Wir starten vor unserem Publikum mit einem Druck, den wir steuern müssen, statt uns ihm zu beugen."

"Wir kennen die Verantwortung, eine der bedeutendsten Marken der Welt zu repräsentieren, und vor so vielen Menschen, die uns die Daumen drücken, müssen wir mit dem richtigen Fuß aufstehen und dürfen sie nicht enttäuschen."

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