Frust bei Peugeot nach verpasster Hyperpole in Le Mans
Peugeot ist nach dem vorzeitigen Aus bei den 24 Stunden von Le Mans 2026 völlig frustriert - Emmauel Esnault macht aus der Enttäuschung kein Geheimnis
Der Frust stand Emmanuel Esnault ins Gesicht geschrieben
Foto: Tobias Kindermann
Ist das Rennen für Peugeot schon gelaufen, bevor es überhaupt begonnen hat? Ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt, ausgerechnet beim Heimspiel an der Sarthe läuft es für den französischen Werksstall nach einem eigentlich vielversprechenden Saisonauftakt in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) nicht.
Startplatz 16 und 18 - das ist das ernüchternde Ergebnis des Qualifyings beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Damit ist man nicht in der Hyperpole dabei. Noch vor wenigen Wochen kämpfte Peugeot in Imola und Spa um die Poleposition. Jetzt, wo es darauf ankommt, fehlt die Pace.
Emmanuel Esnault, der in diesem Jahr erstmals als Teamchef die Geschicke des Peugeot-Werksteams in der Langstrecken-Weltmeisterschaft verantwortet, macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung.
"In Imola und Spa haben wir noch um die Pole gekämpft - und jetzt das. Beim Heimrennen. Das ist unglaublich frustrierend", sagt Esnault. Dasselbe Paket, dieselben Ingenieure, dasselbe Auto - und dennoch fehlt die Pace über die gesamte Runde.
Auf die Frage, ob es einen bestimmten Streckenabschnitt gebe, in dem der Peugeot besonders viel Zeit verliere, winkt Esnault ab. Der Rückstand verteile sich gleichmäßig über die gesamte Runde. Beide Fahrzeuge absolvierten jeweils zwei Runs - zunächst auf weichen, dann auf mittelharten Reifen. Doch auch der Reifenwechsel brachte keine Besserung.
Fast drei Sekunden Rückstand auf die Spitze, verteilt auf die 13,626 Kilometer des Circuit de la Sarthe - das entspricht rund 0,22 Sekunden pro Kilometer. Esnault ordnet das Defizit ein: "Dieser Abstand ist gewaltig."

Beide Peugeot 9X8 schieden im regulären Qualifying aus
Foto: Rainier Ehrhardt
Zum Vergleich: Bei den vergangenen beiden WEC-Läufen in Imola und Spa lag der durchschnittliche Rückstand des schnellsten Peugeot bei weniger als fünf Hundertsteln pro Kilometer - in Le Mans hat sich dieser Wert mehr als vervierfacht.
Dass Peugeot ausgerechnet in Le Mans Schwierigkeiten hat, ist kein neues Phänomen. Schon bei den 24 Stunden von Le Mans 2025 endete das Rennen ernüchternd: Beide 9X8 kamen zwar ins Ziel, mehr als Platz 11 und 16 im Gesamtklassement sprangen aber nicht heraus. Damals reichte das Tempo nicht einmal ansatzweise für die Hyperpole.
Bei der BoP wieder benachteiligt? - Nachprüfung nicht möglich
Ein Grund für die chronische Schwäche an der Sarthe liegt im Konzept des Fahrzeugs selbst. Der 9X8 wurde ursprünglich für ein anderes Hypercar-Reglement entwickelt, das später im Zuge der LMH-LMDh-angleichung modifiziert wurde. Daher passt er nicht ganz sauber in das aktuelle Regelkorsett.
Peugeot hofft, dass die Balance of Performance (BoP) dem Fahrzeug eine faire Chance einräumen würde. Diese Hoffnung wurde schon 2025 enttäuscht, als der 9X8 völlig überraschend das ungünstigste Leistungsgewicht im Bereich bis 250 km/h erhielt und auch über 250 km/h das zweitschlechteste Leistungsgewicht aller Hypercars aufwies.
Bekanntermaßen wird die BoP 2026 aber geheim gehalten, sodass eine objektive Einordnung der Leistung nicht möglich ist. Klar ist: Der Abstand ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich reduziert. Doch die Lücke ist noch nicht vollständig geschlossen.
"Das Bild ähnelt dem Vorjahr", räumt auch Esnault ein. "Zufrieden können wir damit nicht sein. Wenn man eine Marke wie Peugeot vertritt, mit dieser Geschichte im Motorsport - dann ist das nicht der Anspruch, mit dem wir hier antreten."
Zwischen den Worten klingt durch: Nach der aktuellen Balance of Performance für Le Mans hatte man im Peugeot-Lager zwar mit Schwierigkeiten gerechnet, aber nicht in diesem Ausmaß. Direkt darf das Thema BoP ohnehin nicht angesprochen werden, darauf stehen hohe Strafen.
Esnault richtet den Blick nun nach vorne. Das Qualifying sei eine Übung, das Rennen eine völlig andere Angelegenheit. "Jetzt geht es erst einmal ums Überleben", erklärt er. Man werde auf eine saubere Ausführung bei Boxenstopps und Strategie setzen und auf unvorhergesehene Umstände hoffen.
"Von ganz hinten hat man nichts zu verlieren. Jetzt heißt es: klug fahren, das Auto sauber abstimmen und die Fahrer mit dem richtigen Mindset ins Rennen schicken", so die Devise.
Ob ein Punkteresultat noch möglich ist? Esnault will nichts ausschließen. Bei einem 24-Stunden-Rennen könne alles passieren. Auf die Frage nach den bevorzugten Wetterbedingungen antwortet er mit einem Schmunzeln: "Wir bräuchten jetzt einen Alfred Hitchcock, der für etwas Spannung sorgt." Ein Mix aus verschiedenen Parametern, auf die man setzen und mit denen man spielen müsse - so lautet der Plan.
Für den neuen Teamchef ist die Situation eine besondere Herausforderung. In seinem ersten Jahr an der Spitze muss er nach einem derart enttäuschenden Qualifying die Moral im Team hochhalten. "Ich sorge dafür, dass hier niemand aufgibt. Und das wird auch nicht passieren."
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