GTE-Pro-Duell Ford vs. Porsche: "Ist doch kein Ponyhof"

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GTE-Pro-Duell Ford vs. Porsche:
Autor: Roman Wittemeier
19.06.2018, 13:17

Das beinharte Duell zwischen Fred Makowiecki (Porsche) und Sebastien Bourdais (Ford) war das Salz in der Le-Mans-Suppe 2018: "Der hat den Verstappen gemacht!"

Die 24 Stunden von Le Mans 2018 haben wieder einmal ganz eigene Geschichten geschrieben. Toyota ist in der gewünschten Reihenfolge zum Sieg gecruist, die Privaten waren chancenlos, in allen Klassen war der Kampf um die erste Position recht frühzeitig entschieden. Woran hatten die 256.900 Zuschauer vor Ort und die Millionen an den TV-Bildschirmen den größten Spaß? An den Topstars der Szene, dem Fauxpas von Kamui Kobyashi und am Zweikampf zwischen Fred Makowiecki (Porsche) und Sebastien Bourdais (Ford) um Rang zwei in der GTE-Pro-Kategorie.

"Wann greift die Rennleitung ein? Erst dann, wenn hier einer in den Bäumen gelandet ist?", tobte Bourdais nach dem verlorenen Duell gegen Makowiecki. Beide Piloten fuhren mit dem Messer zwischen den Zähnen, beide bewegten sich am Rande des Regelwerks - und dennoch griff die Rennleitung nicht ein. "Hab noch nie gesehen, dass einer so schlecht fährt", tobte Bourdais über seinen Landsmann. "Ich bin nicht der erste Fahrer, über den er sich auf diese Art aufregt. Und ich garantiere: Ich bin auch nicht der letzte", schmunzelt Makowiecki, der nach seinem Stint das Gespräch mit Bourdais suchte.

"Er hat mich aufs Gras abgedrängt. Er hat genau das gleiche getan wie ich. Am Ende heult er rum, weil ich auf der Geraden ein bisschen Schlangenlinien fahre. Ich war vorn, die Regeln geben mir alle Möglichkeiten, dies zu tun. Mal eine ganz ehrliche Frage: Warum folgt er mir in den Schlangenlinien? Geradeaus ist doch viel kürzer! Das habe ich ihm nachher auch gesagt", lacht der Porsche-Pilot über das Gejammer des erfolgreichsten ChampCar-Piloten aller Zeiten.

Ford-Piloten schützen ihren Kollegen: Makowiecki macht einen auf Verstappen

"Der Zweikampf fing sehr nett und unterhaltsam an, aber die letzten Manöver waren etwas zu viel des Guten", analysiert Stefan Mücke die Szenen aus Ford-Sicht. "Die Show insgesamt war aber gut. Die Schlachten im Windschatten waren erstklassig. Ich habe selten so viel Spaß gehabt. Dass es bei einem solch engen Wettbewerb mal etwas hart wird, gehört dazu. Kann man abhaken. Die GTE-Szene hat für die Fans die Show geliefert. Das war heldenhaft."

"Es waren zwei Profis hinter dem Lenkrad. Die haben sich nichts geschenkt, es gab keine Berührungen und keine Geschenke. Für die Fans war es doch sensationell - und für die Fans fahren wir doch. Das war beste Werbung für unseren Sport. Vier Positionswechsel in einer einzigen Runde. Das haben andere Rennserien im ganzen Jahr. Sensationell gut", freut sich Porsche-Motorsportchef Frank-Steffen Walliser. "Es gibt doch Regeln von der FIA - die sind eindeutig. Der Makowiecki hat hier den Verstappen gemacht", meint Ford-Pilot Dirk Müller. Allerdings: Die Rennleitung analysierte alle Manöver und sprach keinerlei Strafen aus.

"Erstens ist das hier kein Ponyhof, zweitens war es aus meiner Sicht zwar hart, aber jederzeit auch fair", erklärt Walliser, dessen Mannschaft am vergangenen Sonntag den ersehnten Doppelerfolg zum 70. Geburtstag von Porsche einfahren konnte. "Die Szenen, als der Fred selbst ins Gras gedrückt wurde, waren im TV gar nicht zu sehen. Außerdem: Was erwartet man, wenn zwei Franzosen im größten französischen Rennen um Platz zwei kämpfen? Soll das Friede, Freude, Eierkuchen sein? Eher nicht!"

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