Im Spiegel unsichtbar: Das steckt hinter dem Cadillac-LMDh-Heckflügel
Der Heckflügel des Cadillac V-Series.R sticht sofort ins Auge - Dass der Flügel so tief gesetzt wurde, hat mehrere Gründe
Der niedrige Heckflügel am Cadillac V-Series.R 2026 sticht sofort ins Auge
Foto: Lumen Lumen
Wer bei den 24 Stunden von Daytona 2026 (große Performance-Analyse!) erstmals die Hypercar-/GTP-Generation 2026 gesehen hat, dem wird sofort der ultraniedrige Heckflügel am Cadillac V-Series.R aufgefallen sein. Das geht nicht nur den Fans so. Jordan Taylor sagt gegenüber Motorsport-Total.com: "Das sieht richtig cool und spannend aus. Im Vorjahr war es ein ganz normaler Heckflügel, jetzt hat er ein schnittiges Profil."
Hinter der optischen Änderung steckt eine tiefgreifende Entscheidung bei der Entwicklung des Evo-Pakets. Nach den LMDh-Regularien ist pro Fahrzeug nur ein einziges verstellbares Aeroteil erlaubt.
Bisher war das beim Cadillac der Frontsplitter. Die Aerobalance für verschiedene Strecken wurde primär über diesen Splitter sowie den Anstellwinkel des gesamten Fahrzeugs ("Rake") angepasst. Mit dem Update ist nun der Heckflügel das einzige bewegliche Element.
"Vergangenes Jahr konnten wir nur die Front verändern. Dieses Jahr können wir das Heck einstellen", erklärt Taylor. Das Ziel: Mehr Stabilität und eine einfachere Handhabung. Bruder Ricky Taylor ergänzt: "Es ist ein sehr gutes Werkzeug für das Team, um das Set-up abzustimmen."


Weniger Anfälligkeit für "Dirty Air"
Ein entscheidender Grund für den Umbau war die Anfälligkeit des Vorgängers für Luftverwirbelungen. Dieter Gass, Teamchef des WEC-Einsatzteams Jota, erklärte bereits nach dem Finale in Bahrain gegenüber Motorsport-Total.com: "Das Auto war sehr gut, solange es alleine fuhr. Aber sobald wir ein anderes Auto vor uns hatten, wurde es ganz schwierig. Das machte das Überholen extrem mühsam."
Durch das tiefergelegte Flügelblatt kann die Luftströmung nun besser durch die davor befindliche Karosserie kontrolliert werden. Verwirbelte Luft wird dadurch geglättet. Während das Flügelblatt beim Vorgänger weiter oben den Turbulenzen des Vordermanns ("Dirty Air") voll ausgesetzt war, liegt es nun in einem Bereich, der konstanter angeströmt wird.
Louis Deletraz bestätigt gegenüber Motorsport-Total.com die Fortschritte: "Es ist einfacher im Verkehr und wenn man anderen Autos folgt. Es ist schlichtweg ein besseres Renn-Auto geworden."
Änderungen nur in geringem Maße möglich
Obwohl der Flügel fast "unsichtbar" wirkt, leidet der Anpressdruck nicht. In der Hypercar-Klasse gibt es ein fest definiertes Fenster für das Verhältnis von Luftwiderstand und Abtrieb, in dem der V-Series.R auch in seiner 2026er-Evolution bleibt. "Es fühlt sich nicht so an, als hätten wir keinen Abtrieb", beruhigt Colton Herta. "In den schnellen Kurven liegt das Auto immer noch sehr gut."
Deletraz sieht darin sogar die Lösung für eine alte Schwäche: "Der Cadillac schien bisher immer ein wenig Top-Speed zu vermissen, war dafür aber in den Kurven extrem stark. Ich denke, das neue Design bringt uns genau in die goldene Mitte und macht uns auf Geraden schneller."
Ein kurioser Nebeneffekt zeigt sich beim Blick in den Rückspiegel. Da das Flügelblatt nun so extrem tief sitzt, hat sich das Sichtfeld für die Piloten massiv verändert. "Es ist ein ganz anderer Ausblick nach hinten", berichtet Herta. "Man sieht den Flügel eigentlich überhaupt nicht mehr, höchstens das oberste Ende. Das ist ganz anders als bei allem, was ich bisher gefahren bin."

Das höherliegende Flügelblatt beim 2025er-Fahrzeug war Luftverwirbelungen stärker ausgesetzt
Foto: IMSA
Am Ende zählt jedoch die Konstanz über 24 Stunden. "In Bezug auf die Fahrbarkeit vergrößert es das Arbeitsfenster", resümiert Jordan Taylor. "Im Langstreckensport braucht man ein Auto, das benutzerfreundlich ist. Das haben wir jetzt."
In Daytona wurden die Bemühungen fast mit einem Sieg belohnt, am Ende musste sich der Action-Express-Cadillac #31 (Aitken/Bamber/Vesti/Zilisch) aber knapp dem Penske-Porsche #7 (Nasr/Andlauer/Heinrich) geschlagen geben.
Earl Bamber, der selbst bei der Aufholjagd des Fahrzeugs in mehrere Kämpfe verwickelt war, bescheinigt dem Update, dass das Ziel erreicht worden ist: "Wir haben das Ziel auf jeden Fall erreicht. Es hat sich besser angefühlt, besonderes im Verkehr mit den GTs."
"Es ist nach wie vor nicht einfach, einem anderen GTP zu folgen, weil wir alle so dicht beieinander liegen. Der kleinste Verlust von Abtrieb macht sich da bemerkbar. Aber es ist merklich einfacher für uns geworden."
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