Jose-Maria Lopez erklärt: So schlimm war Toyotas Spritproblem wirklich

Wieso Toyota die fehlerhaften Benzinpumpen bei den 24 Stunden von Le Mans nicht reparierte und mit welch ungewöhnlichem Kniff man den Sieg rettete

Jose-Maria Lopez erklärt: So schlimm war Toyotas Spritproblem wirklich

Auf dem Papier gelang Toyota ein überzeugender Doppelsieg bei den 24 Stunden von Le Mans 2021, doch in den letzten Stunden des Rennens hing dieser sprichwörtlich am seidenen Faden. Probleme mit der Benzinzufuhr suchten nach gut 16 Stunden erst den GR010 Hybrid mit der Startnummer 8 (Buemi/Nakajima/Hartley) und später auf das am Ende siegreiche Schwesterauto mit der #7 von Jose-Maria Lopez, Mike Conway und Kazuki Nakajima heim.

"Die Benzinpumpen verstopften immer mehr und die Stints wurden immer kürzer", beschreibt Lopez das Problem. "Als wir zum Tanken an die Box kamen, half das, sie zu öffnen, aber sie verstopften immer mehr und wir konnten immer weniger Runden fahren", so der Argentinier.

Zwischenzeitlich war alle fünf Runden ein Tankstopp notwendig, um die Benzinpumpe wieder in Gang zu setzen. Bis einem Toyota-Ingenieur eine ungewöhnliche Lösung für das Problem einfiel. "Dominique [Gardener], einer der Hauptingenieure und einer der erfahrensten, hatte die Idee, während der Fahrt bei jeder Bremsung eine Prozedur am Lenkrad durchzuführen", sagt Lopez.

Notbehelf sorgt für Stress bei den Fahrern

Konkret mussten die Fahrer vor jeder Kurve manuell die Benzinpumpe ausschalten und diese dann vor dem Beschleunigen wieder einschalten. So wurden die Pumpen wieder gängig. Für die Fahrer bedeutete das allerdings ein deutlich höhere Arbeitsbelastung im Cockpit.

"Bei 350 km/h ist es ziemlich kompliziert, einen Knopf zu drücken, wenn man die Bremse berührt, und ihn wieder zu drücken, wenn man zu beschleunigen beginnt, während man gleichzeitig Autos überholt und vieles mehr", so der Argentinier.

Dieses Problem trat im Le Mans nicht zum ersten Mal an den GR010 Hybrid auf. Derselbe Defekt hatte die #8 beim WEC-Rennen in Monza bereits einen möglichen Sieg gekostet. "Wir denken, dass es an den Kraftstofftanks liegen könnte, die von einem Zulieferer kommen, mutmaßt Lopez über die Ursache. "Es könnte eine Charge gewesen sein, die nicht gut gelaufen ist.

Reparatur hätte den Sieg gekostet

Da der Tank weit innen im Auto eingebaut ist, kam eine Reparatur während des Rennens nicht in Frage. "Um eine Vorstellung davon zu bekommen, das Auto #8 hatte es in Monza und verlor das Rennen, es verbrachte mehr als 50 Minuten an der Box, was in Le Mans praktisch 14 Runden sind."

Da die Alpine-Mannschaft gerade einmal vier Runden hinter dem führenden Toyota zurücklag, wäre das Rennen bei einem Reparaturstopp verloren gewesen. "Da die Konkurrenten in diesem Jahr viel näher beieinander liegen, glaube ich nicht, dass wir auf diese Weise auch nur in den Top 5 oder Top 6 gelandet wären", sagt Lopez.

Durch des für die Piloten stressigen und nervenaufreibenden Notbehelfs rettet Toyota hingegen den Doppelsieg. "Das hat uns nach Hause gebracht. Aber es gab immer Zweifel, denn sechs Stunden lang wussten wir nicht, was passieren würde. Es war bis zum Ende eine Zitterpartie", so Lopez.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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