Le-Mans-Analyse: Was der Toyota-Sieg wirklich wert ist

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Le-Mans-Analyse: Was der Toyota-Sieg wirklich wert ist
Autor: Heiko Stritzke
19.06.2018, 15:06

Ist Toyota bei den 24 Stunden von Le Mans 2018 wirklich nur zum Sieg gecruist? Die Zahlen sagen etwas ganz anderes: Wie schnell Toyota wirklich war

Die sozialen Netzwerke explodierten während und nach den 24 Stunden von Le Mans 2018 förmlich von abwertenden Kommentaren, der Sieg des Toyotas von Fernando Alonso, Sebastien Buemi und Kazuki Nakajima sei sportlich nichts wert gewesen. Rumgerollt sei man, weit weg vom Limit. Nur deshalb hätten die sonst fragilen Toyota-LMP1 gehalten. Die Konkurrenz wurde per Reglement ausgeschaltet. Zumindest in Letzterem stimmten zumindest die Rebellion-Piloten zu.

Doch schmälert das die Leistung von Toyota? Lassen wir Zahlen sprechen: Die 86. Ausgabe des Rennens sah mit 5.288,052 Kilometern die fünftgrößte Distanz, die jemals bei den 24 Stunden von Le Mans abgespult wurde. Es wurde eine Distanz von 388 Runden abgespult.

Numbers of laps 2011-2018

Numbers of laps 2011-2018

Foto: Motorsport.com

Bei ähnlicher (durch die Verkürzung um drei Meter durch den Maison-Blanche-Umbau nicht mehr gleichen) Streckenführung gelangen nur 2015 (5.382,820 Kilometer) und 2010 (beim bisherigen Rekord von 5.410,713 Kilometern) längere Distanzen. Weiter kam man außerdem 1988 (5.332,970 Kilometer) und 1971 (5.335,313 Kilometer) ohne Schikanen. Natürlich ist die Distanz ein schlechter Gradmesser, schließlich spielen hierbei das Wetter (2018 perfekt), Safety-Cars und neuerdings auch Slow Zones hinein.

Winners fastest lap 2011-2018

Winners fastest lap 2011-2018

Foto: Motorsport.com

2018 in jeder Hinsicht vorn

Einen besseren Aufschluss gibt die Analyse der besten Rundenzeiten. Hierzu haben wir Daten aus den vergangenen Rennen mit denen der jüngsten Ausgabe verglichen. Herangezogen wurden die Ergebnislisten von http://fiawec.alkamelsystems.com. Die Daten reichen leider nur zurück bis ins Jahr 2011, doch Zahlen über acht Jahre hinweg geben schon einen Anhaltspunkt. Lediglich ein Vergleich mit den Diesel-Dinosauriern der Generation bis 2010 entfällt durch die fehlenden Datensätze.

Winners average best 20 laps 2011-2018

Winners average best 20 laps 2011-2018

Foto: Motorsport.com

Verglichen haben wir die schnellste Runde sowie die besten 20, 50 und 100 Runden des Siegers der Ausgaben von 2011 bis 2018. Zusätzlich hinzugezogen wurden die besten 20 Prozent der Runden des Siegers, was in den acht betrachteten Jahren 70 bis 79 Umläufen entspricht.

Winners average best 50 laps 2011-2018

Winners average best 50 laps 2011-2018

Foto: Motorsport.com

Die Resultate sind eindeutig: In allen Punkten liegt die 2018er-Ausgabe vorn. Sogar bei der Hybrid-Eskalation von 2015, als drei Hersteller in einer Materialschlacht noch wesentlich mehr Sprit verbrennen durften, waren die schnellsten Zeiten geringfügig langsamer. Auch die Reihenfolge auf den Plätzen dahinter bleibt konstant (mit Ausnahme der schnellsten Einzelrunde des Siegers): 2017, 2016, 2014, 2013, 2012, 2011.

Winners average best 20% laps 2011-2018

Winners average best 20% laps 2011-2018

Foto: Motorsport.com

Statistiken zum Toyota-Sieg

Jahr Sieger Best Best 20 Best 50 Best 100 Best 20%
2011 Audi #2 3:25.289 3:27.044 3:28.015 3:29.059 3:28.521 (71 Runden)
2012 Audi #1 3:25.706 3:26.587 3:27.290 3:28.094 3:27.740 (76)
2013 Audi #2 3:23.269 3:25.277 3:26.145 3:27.149 3:26.596 (70)
2014 Audi #2 3:22.567 3:24.417 3:25.308 3:26.124 3:25.770 (76)
2015 Porsche #19 3:18.596 3:19.267 3:19.748 3:20.209 3:20.040 (79)
2016 Porsche #2 3:21.756 3:22.928 3:23.451 3:23.996 3:23.773 (77)
2017 Porsche #2 3:19.782 3:20.481 3:21.150 3:21.778 3:21.478 (73)
2018 Toyota #8 3:17.658 3:19.014 3:19.575 3:20.134 3:19.907 (78)

Natürlich bleibt die Frage, was Porsche bei einer Weiterentwicklung des 919 Hybrid zu leisten im Stande gewesen wäre. Diese Frage ist aber rein hypothetisch. Nur so viel: Der Rekordbrecher 919 Evo wäre natürlich nicht startberechtigt gewesen, weil er außerhalb des LMP1-Reglements liegt.

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