Le-Mans-Pole für Cadillac weg: Hat der offizielle Countdown versagt?
Jota-Teamchef Dieter Gass bringt etwas Licht in das Rätsel, warum Jack Aitken den Boxenplatz zu früh verlassen hat - Auch ein Genesis fuhr zu früh los
Der Cadillac #38 in der Working Lane, im Hintergrund (Asphalt) die Fast Lane
Foto: FIA FIA
Erst ein Tausendstelkrimi, dann eine Strafe mitten in der offiziellen Hyperpole-Zeremonie. Die Hyperpole geriet bei den 24 Stunden von Le Mans 2026 zu einem Debakel, da für die Feierlichkeiten die sportliche Untersuchung gegen Jack Aitken nicht abgewartet wurde. Dieser bekam seine beste Rundenzeit gestrichen. Doch was war passiert?
Dieter Gass, Teamchef von Jota Sport, erklärt, dass offenbar der Countdown im offiziellen Timing einen falschen Wert angezeigt hat. "Die Software, die wir und der Rest des Feldes verwenden, war eindeutig fehlerhaft", erklärt Gass gegenüber Motorsport.com Global, der englischsprachigen Schwesterseite von Motorsport-Total.com im Motorsport Network.
"Sie ist mit der Zeitmessung der Rennleitung verknüpft, daher wissen wir nicht, wie es zu diesem Fehler kommen konnte. Theoretisch war unser Vorgehen korrekt, da dort drei Minuten angezeigt wurden. Wir haben nichts davon gehabt, das macht es umso schwerer zu akzeptieren."
Die Fahrzeuge dürfen den Boxenplatz (Working Lane) erst verlassen und sich vor der roten Ampel in der Fast Lane einreihen, wenn der Renndirektor das Zeichen dafür gibt. "Autos dürfen nur in die 'Fast Lane' einbiegen, wenn der Renndirektor dies erlaubt hat", heißt es unter Punkt 10.2.3 des Zusatzreglements zur Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) für die 24 Stunden von Le Mans.
Renndirektor Edoardo Freitas hatte angegeben, dass die Autos drei Minuten vor dem Umschalten der Ampel in die Fast Lane einbiegen dürfen. Eigentlich war erwartet worden, dass Genesis eine Strafe erhalten würde, denn noch vor Aitken setzte sich Andre Lotterer in Bewegung und fuhr auch an der Jota-Box vorbei.
Er stoppte den Genesis GMR-001 aber sofort in der Fast Lane und ließ sich von den Mechanikern auf den Boxenplatz zurückschieben. Auch gegen den Genesis #17 (Lotterer/Derani/Jaubert) gab es deshalb eine Untersuchung, er kam aber mit einer Verwarnung davon.
Während die Kameras auf der Onboard-Ansicht des verwirrten Andre Lotterer blieben, setzte sich Aitken in Bewegung und reihte sich als Erster vor der roten Ampel ein. Als alle anderen Fahrzeuge losfuhren, als der offizielle Countdown die Marke von drei Minuten erreichte, stand der Cadillac #38 (Bamber/Bourdais/Aitken) bereits vor der roten Ampel.
Im offiziellen Strafendokument gegen Jack Aitken heißt es: "Der Fahrer befolgte nicht die Anweisungen des Renndirektors, indem er die Working Lane verließ und in die Fast Lane einbog, bevor er die Erlaubnis dazu hatte."
Spielraum bei der Strafe gab es hier nicht, denn bereits in der Hyperpole 1 für LMP2 und LMGT3 hatte der Duqueine-Oreca #30 (Pin/Andlauer/Verschoor) sich dasselbe Vergehen zu schulden kommen lassen und bekam seine beste Rundenzeit gestrichen.
Aitken sagt: "Leider wurde die Runde wegen eines Verfahrensfehlers gestrichen. Aber drei Cadillacs in der Hyperpole haben gezeigt, welchen Speed sie hatten. Auch wenn wir nicht von der Poleposition starten können, werden wir uns am Wochenende trotzdem nach vorne kämpfen. Das Auto fühlt sich richtig stark an. Und es war eine coole Runde, die kann mir keiner nehmen."
Im Strafendokument gegen die #17 heißt es zusätzlich: "Fahrzeug #17 wurde jedoch sofort von den Mechanikern in die Working Area zurückgeschoben. Die Sportkommissare sind der Ansicht, dass Fahrzeug #17 rechtzeitig in seinen Arbeitsbereich zurückgekehrt war und sich erst nach Erteilung der Genehmigung durch den Rennleiter in die Fast Lane eingereiht hatte."
"Nach eingehender Prüfung der Angelegenheit beschließen die Sportkommissare, gegen den Fahrer des Fahrzeugs #17 eine Verwarnung zu verhängen."
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