Mercedes-AMG nicht an möglichem GT3-Werkseinsatz in Le Mans interessiert

In der WEC und in Le Mans könnte die GT3-Klasse mittelfristig die GTE-Fahrzeuge ersetzen - Mercedes-AMG ist in diesem Fall trotzdem nicht werksseitig dabei

Mercedes-AMG nicht an möglichem GT3-Werkseinsatz in Le Mans interessiert

Die Zukunft der GT-Klassen in der FIA Langstrecken-WM WEC und bei den 24h Le Mans ist weiterhin noch nicht geklärt. Der Wechsel von GTE- auf GT3-Fahrzeuge ist weiterhin möglich. Sollte es so kommen, wäre auch Mercedes-AMG mit an Bord.

Eine Einschränkung gibt es aber: Kundensport-Leiter Stefan Wendl schließt im Gespräch mit 'Motorsport.com' aus, dass es ein Werksengagement der Sternmarke im GT-Bereich geben wird. "Das wäre sicherlich für unsere Kunden vor allem interessant", stellt Wendl klar.

"Für AMG selber... Je nachdem, wie der ACO sich entscheidet, was die Zukunft der GT Le Mans sein wird, wie sie aussehen wird und wenn es denn die Möglichkeit gibt, mit GT3-Autos in Le Mans zu fahren, glaube ich wird es ein sehr, sehr hohes Interesse geben von GT3-Kunden aller Marken, die dann auch in Le Mans mit dem Fahrzeug fahren wollen", meint Wendl.

Für Mercedes-Benz ist Le Mans seit den Ereignissen von 1999 ein rotes Tuch. Das scheint auch für den Ableger AMG weiterhin zu gelten. Immerhin wäre der Stern über Kunden wieder bei den 24 Stunden von Le Mans vertreten, wenn es denn zu einer Inklusion der Klasse käme.

GTE-Klasse in WEC und IMSA vor dem Aus

Der GT-Sport in der FIA WEC und auch in der amerikanischen IMSA-SportsCar-Championship steht vor einschneidenden Veränderungen. GTE-Fahrzeuge sind in beiden Serien rar geworden. In der Langstrecken-WM sind nur noch Porsche und Ferrari werksseitig dabei. Sie haben sich zumindest für die Saison 2022 zur GTE-Kategorie bekannt.

In den USA sieht es für diese Fahrzeugklasse noch düsterer aus. Werksseitig spielt Corvette den Alleinunterhalter in der GTLM-Kategorie und hat im WeatherTech-Porsche nur einen permanenten Gegner. BMW nimmt nur noch an den Langstrecken-Rennen teil, Risi Competizione setzte lediglich bei den 24h Daytona einen Ferrari ein.

Die IMSA-Serie hat bereits reagiert und sich von der GTLM-Klasse verabschiedet. Stattdessen gibt es in der Saison 2022 mit der GTD-Pro-Kategorie eine zweite Klasse, die auf GT3-Fahrzeuge setzt. Sie ist ausschließlich Pro-Besatzungen vorenthalten. Ob das ein Trend für den GT- und GT3-Sport weltweit sein wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Doch die Gefahr ist da, dass im GT3-Sport die Amateure und Privat-Einsätze nach und nach verdrängt werden.

Mercedes-AMG will diese Entwicklung nicht mittragen, glaubt man Wendls Ausführungen: "Aus unserer AMG-Perspektive haben wir nicht vor, GT3 in eine andere Richtung zu entwickeln. Es ist und bleibt für uns das Kern-Kundensport-Segment, und aus diesem Grund sind wir uns auch der Verantwortung bewusst, dass wir unsere Kunden und den Sport, der damit verbunden ist, pflegen müssen und ihn auch für die Zukunft sichern wollen."

Mercedes-AMG: GT3 soll Kundensport bleiben

Dass GT3-Sport immer noch für Pro-Am-Kombinationen gedacht ist, will Wendl indes nicht bestätigen: "Das ist eine Frage davon, wie sich der gesamte Markt entwickelt. Das weiß ich nicht. Aber ich kann sagen, dass wir nichts an unserem Konzept ändern in der Richtung, dass wir jetzt Richtung 'Mehr Pro-Aktivitäten' unterwegs sind."

Stephane Ratel

Stephane Ratel stellt klar: GT3 soll Kundensport bleiben

Foto: Motorsport Images

Die Entwicklung des weltweiten GT3-Sports steht und fällt auch mit den Entscheidungen, die Stephane Ratel und seine SRO-Organisation treffen. Er hat bereits früher in diesem Jahr klargestellt, dass die GT3-Klasse sich nicht vom Kundensport-Ansatz verabschieden darf. Das ist auch ganz im Sinne von Wendl und Mercedes-AMG.

"Er ist ein sehr wichtiger Austauschpartner, der von Europa aus, aber auch weltweit mit seinen Rennserien ganz wichtige Plattformen betreibt, auf denen wir unsere Produkte einsetzen können, und auf denen unsere Kunden auch die Produkte einsetzen, egal ob jetzt GT3 oder GT4", so Wendl.

"Dementsprechend sind wir mit ihm regelmäßig im engen Austausch, und werden aus unserer Sicht aber nach wie vor den GT3-Markt weiter besetzen und nicht in eine Voll-Pro-Richtung abdriften", fährt Wendl fort.

Mercedes-AMG ist seit 2011 im GT3-Sport unterwegs, zunächst mit dem SLS AMG GT3, seit 2016 mit dem AMG GT3. Seitdem feierte man unter anderem zwei Gesamtsiege bei den 24h Nürburgring und einen bei den 24h Spa. Hinzu kommen zwei Titelgewinne im ADAC GT Masters und drei in der GT-World-Challenge und deren Vorgänger Blancpain-GT-Serie.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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