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Porsche 963: Das wahre Fazit nach dem WEC-Aus ohne Le-Mans-Sieg

Der ganz große Triumph blieb aus, doch die Entwicklung des Porsche 963 zeigt, warum Erfolg im Langstreckensport mehr ist als ein Le-Mans-Sieg

Porsche 963: Das wahre Fazit nach dem WEC-Aus ohne Le-Mans-Sieg

Porsche-Gruppenfoto beim WEC-Finale in Bahrain 2025

Foto: Porsche AG

Porsche hat sich aus der Topklasse der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) verabschiedet - ohne den einen Erfolg, der alles überstrahlt: den 20. Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans. Doch so schmerzhaft diese Lücke auch ist, sie erzählt nicht die ganze Geschichte des Porsche 963 und seiner drei Jahre in der WEC.

Ein Programm zu bewerten, das vorzeitig endet, ist schwierig. Der Porsche 963 LMDh, der 2023 sein Debüt in der WEC gab, war ursprünglich für einen deutlich längeren Einsatz konzipiert. Doch da Porsche mit einer schwächelnden Entwicklung im Bereich Elektromobilität und nachlassender Nachfrage in China zu kämpfen hatte, mussten Einschnitte vorgenommen werden - ausgerechnet in einem Bereich, der tief zur Identität der Marke gehört: dem Langstreckensport.

Zwar ist eine Rückkehr von Porsche in die WEC-Topklasse in den kommenden Jahren nicht ausgeschlossen, doch erst einmal ist Fakt: Porsche Penske Motorsport zieht sich aus der Hypercar-Klasse zurück, und das ohne einen Le-Mans-Sieg.

Trotzdem kann der WEC-Einsatz des 963 insgesamt als Erfolg gewertet werden, vor allem wenn man berücksichtigt, wie weit sich das Projekt von seinen schwierigen Anfängen bis zum Ende entwickelt hat.

Schwieriger Start

Ende 2020 kündigte Porsche an, mit einem Doppelprogramm in WEC und IMSA unter den neuen LMDh-Regularien in die Topklasse des Langstreckensports zurückzukehren. Nach dem Ende des 919-Hybrid-Programms 2017 bedeutete das eine Rückkehr nach nur fünf Jahren. Das bedeutete auch einen kompletten Neuaufbau der Spitzenstruktur.

Das frühere Werksteam war längst in andere Bereiche von Porsche Motorsport integriert. Als Ersatz holte sich Porsche Roger Penskes legendäres Team an Bord und belebte damit eine Partnerschaft neu, die bereits mit dem RS Spyder große Erfolge gefeiert hatte.

Der Porsche-LMDh-Bolide wird in den kommenden Monaten viele Kilometer abspulen

Porsche brachte den 963 vor allen anderen LMDh-Herstellern auf die Strecke

Foto: Porsche

Die Entscheidung für LMDh statt LMH brachte zusätzliche Komplexität. Multimatic als Chassispartner sowie Bosch, Williams Advanced Engineering und Xtrac für das einheitliche Hybridsystem bedeuteten, dass zentrale performance-relevante Komponenten außerhalb direkter Porsche-Kontrolle lagen.

Zwar war Porsche der erste Hersteller mit einem fahrbereiten LMDh-Auto - der 963 drehte bereits im Januar 2022 erste Runden in Weissach -, doch vor allem das Hybridsystem sorgte für massive Zuverlässigkeitsprobleme. Hinzu kam, dass Porsche von Beginn an auch Kundenteams einbinden wollte.

"Wir waren sehr früh in der LMDh-Kategorie, freiwillig sozusagen als Versuchskaninchen", erinnert sich Projektleiter Urs Kuratle. "Wir haben schnell gemerkt, wie komplex dieses Auto wirklich ist."

Hohe Erwartungen, erste Rückschläge

2023 debütierte der 963 bei den 24 Stunden von Daytona, ehe er in Sebring erstmals in der WEC an den Start ging. Als Nachfolger des dominanten 919 Hybrid waren die Erwartungen enorm. "Wenn Porsche und Penske draufsteht, geht es immer ums Gewinnen", so Kuratle. "Aber Erwartungsmanagement ist nicht einfach."

Schon im zweiten WEC-Rennen gelang mit Platz drei in Portimao ein Podium. Doch Le Mans wurde zum großen Prüfstein - und zur Enttäuschung. Der beste Porsche belegte nur Rang neun in der Hypercar-Klasse, Unfälle und technische Defekte warfen alle drei Werksautos zurück. Andre Lotterer sprach von der "brutalen Realität".

Porsche zog Konsequenzen. Abläufe, Technik und Teamstrukturen wurden hinterfragt. Le Mans 2023 wurde zum Wendepunkt. "Es war ein Game Changer", sagt Kuratle. "Entweder zerbricht ein Team an so etwas - oder es wird stärker. Wir sind stärker daraus hervorgegangen."

Aufschwung und Durchbruch

Gegen Ende der Saison 2023 zeigten die Maßnahmen Wirkung. In Fuji kämpfte Porsche erstmals um den Sieg, in der IMSA folgten Erfolge in Long Beach, auf der Road America und Indianapolis.

Andre Lotterer, Kevin Estre und Laurens Vanthoor

Der Fahrertitel von Lotterer, Estre und Vanthoor 2024 war der größte WEC-Triumph

Foto: Porsche AG

Der endgültige Durchbruch kam bei den 24 Stunden von Daytona 2024. Porsche feierte den 19. Gesamtsieg beim Klassiker und den ersten seit 2003. Kurz darauf folgte der erste WEC-Gesamtsieg in Katar. "Daytona 2024 hat uns zusammengeschweißt", so Kuratle. "Danach war Selbstvertrauen da."

Am Ende der Saison holten Kevin Estre, Laurens Vanthoor und Lotterer den Fahrertitel in der WEC, Porsche verpasste die Herstellerkrone nur knapp gegen Toyota. In der IMSA räumte man hingegen alle Titel in der GTP-Klasse ab.

Dritter Anlauf in Le Mans

Mit einem überarbeiteten Frontfahrwerk startete Porsche 2025 stark in der IMSA und gewann die ersten vier Rennen. In der WEC hingegen lief wenig zusammen. Das Balance-of-Performance-System bremste den 963 spürbar ein, Top-Resultate blieben aus. "Man kann heute nicht erwarten, jedes Rennen zu gewinnen", erklärte Kuratle. "Aber akzeptieren ist trotzdem schwer."

Felipe Nasr, Nick Tandy, Pascal Wehrlein

Der Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans bliebt dem Porsche 963 verwehrt

Foto: Rainier Ehrhardt

In Le Mans 2025 präsentierte sich Porsche so stark wie nie zuvor: schnell, zuverlässig, taktisch fehlerfrei. Doch am Ende fehlten 14 Sekunden auf den Sieg - der private Ferrari von AF Corse triumphierte. "Wir haben alles richtig gemacht und wurden Zweiter im größten Langstreckenrennen der Welt", sagte Kuratle. "Das war nicht demotivierend, sondern eher ein Antrieb."

Spätes Aufbäumen und Abschied

Ein Sieg in Austin brachte Porsche noch einmal in Schlagdistanz zur WM-Spitze, doch ein schwaches Finale in Bahrain beendete alle Titelhoffnungen. Platz drei in der Herstellerwertung hinter Ferrari und Toyota blieb - kombiniert mit der IMSA-Dominanz dennoch ein starkes Gesamtpaket.

Der Abschied aus der WEC kommt zu einem Zeitpunkt, an dem eine weitere Evolution des 963 bereits in Planung war. Das macht den Abgang bitter - aber nicht unehrenhaft.

"Jeder im Team kann stolz sein", resümierte Kuratle. "Der Porsche 963 ist das erfolgreichste LMDh-Auto in beiden Meisterschaften. Wir haben Rennen und Titel gewonnen - wir hatten sehr viel Erfolg."

Der ganz große Triumph von Le Mans blieb aus. Doch die Geschichte des Porsche 963 ist mehr als die eines verpassten Sieges: Sie ist die eines Lernprozesses, einer Entwicklung - und eines Projekts, das am Ende doch Geschichte geschrieben hat.

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