"Schmerzhaft": Hätte BMW die 24h Le Mans 2026 ohne Safety-Car gewonnen?
BMW verpasst den Gesamtsieg bei den 24h von Le Mans 2026 und wird mit weniger als elf Sekunden Rückstand Zweiter: Kostete die Safety-Car-Phase vielleicht den Sieg?
Rene Rast, Sheldon van der Linde und Robin Frijns belegten den zweiten Platz
Foto: BMW
BMW muss sich bei den 24 Stunden von Le Mans (kompletter Rennbericht) mit dem zweiten Platz zufriedengeben. Robin Frijns, Rene Rast und Sheldon van der Linde verpassten den diesjährigen Gesamtsieg im BMW #20 um weniger als elf Sekunden, wobei die letzte Safety-Car-Phase möglicherweise zum Nachteil wurde.
"Ja, schmerzhaft", sagt Frijns, als er auf die entscheidende Gelbphase angesprochen wird. "Der Toyota mit der Nummer 8 war etwa eine Stunde zuvor an der Box oder hatte ein Problem mit den Bremsen. Ich würde nicht sagen, dass sie damit aus dem Rennen waren, aber sie waren zurückgefallen."
Als die Safety-Car-Phase rund sechs Stunden vor dem Ende des Rennens ausgerufen wurde, führte Frijns mit einem Vorsprung von rund 30 Sekunden auf den Cadillac V-Series.R #12 von Norman Nato sowie 45 Sekunden auf den zu dieser Zeit drittplatzierten Toyota #7 von Kamui Kobayashi.
"Wir waren zu diesem Zeitpunkt eigentlich außer Reichweite, aber danach waren sie wieder im Spiel. Und wir wussten, dass Toyota sehr stark war. Sie haben insbesondere zu Beginn des Rennens eine starke Pace gezeigt und durch Undercuts Positionen gewonnen. Das war für uns eine große Enttäuschung."
Ähnlich sieht es Teamkollege Sheldon van der Linde: "Dort ist für uns alles schiefgelaufen", meint der Südafrikaner. "Wir lagen in Führung und hatten die Streckenposition auf unserer Seite. Irgendwann verloren wir die Führung jedoch, weil wir die meiste Energie nachladen mussten."

BMW fehlten weniger als elf Sekunden zum Gesamtsieg in Le Mans
Foto: BMW
"In Le Mans ist Überholen unglaublich schwierig. Vor allem gegen einen Toyota mit dieser Geschwindigkeit. Man muss im Verkehr enorme Risiken eingehen. Gleichzeitig mussten wir auf unser Auto achten, denn wenn man die Schikanen falsch anfährt, kann man den Unterboden beschädigen - und dann besteht sogar die Gefahr, das Rennen nicht zu beenden."
BMW-Sieg ohne Safety-Car? Das "wäre zu viel Spekulation"
"Kurz vor dem Safety-Car hatten wir einen deutlichen Vorteil bei der Streckenposition, lagen aber leicht zurück, was die verfügbare Energie anging", ergänzt BMW-Motorsportchef Andreas Roos. "Durch das Safety-Car wurde unser Vorteil bei der Streckenposition praktisch auf null reduziert, während der Energienachteil bestehen blieb."
Das Safety-Car war nötig, nachdem Ayhancan Güven mit dem Manthey-Porsche #91 rund sechs Stunden vor Ende aufgrund eines technischen Defekts in die Streckenbegrenzung gekracht war. "Ab diesem Zeitpunkt waren wir klar im Hintertreffen", betont der BMW-Verantwortliche.
"Wir mussten zunächst wieder in denselben Rhythmus wie die Konkurrenz kommen, was die Energie angeht. Deshalb mussten wir anschließend beispielsweise 13-Runden-Stints fahren." Dass BMW ohne die Safety-Car-Phase aber automatisch gewonnen hätte, will Roos nicht behaupten.
"Nein, das würde ich nicht sagen. Das wäre zu viel Spekulation", ist der Motorsportchef ehrlich. "Es hätte uns mit Sicherheit in eine andere Ausgangslage gebracht. Aber man kann niemals behaupten, dass wir deshalb gewonnen hätten. Das würde ich nie sagen."
Toyota gibt "ein bisschen Glück" in Le Mans zu
Selbst Toyota kann den Vorteil durch die Neutralisierung allerdings nicht leugnen. "Ich glaube, das zweite Safety-Car kam uns sehr gelegen", sagt beispielsweise Ryo Hirakawa. "Ich konnte zu den Spitzenautos aufschließen, die vorne um die Führung kämpften."
"Man braucht manchmal auch ein bisschen Glück, um zu gewinnen, und das hatten wir zu einem gewissen Zeitpunkt auch", ergänzt Toyota-Technikdirektor David Floury. "Es gab Momente, in denen uns eine Situation mit 'Full Course Yellow' oder Safety-Car geholfen hat."
"Bei der Nummer 7, aber auch bei der Nummer 8 konnten wir vom Safety-Car profitieren, um ein Problem vorne links zu beheben. Insgesamt braucht man also auch etwas Glück, aber wir haben versucht, eine starke Leistung zu zeigen und niemals aufzugeben, denn wir hatten auch schwierige Phasen, wie sie in Le Mans üblich sind."
Sheldon van der Linde mit lachendem und weinenden Auge
Bei BMW bleibt deshalb trotz des zweiten Platzes eine kleine Enttäuschung. "Im ersten Moment weiß ich nicht genau, ob ich lachen oder weinen soll", sagt van der Linde nach der Zieldurchfahrt. "Wenn du nach 24 Stunden nur zehn Sekunden hinter dem Sieger ins Ziel kommst, ist das erstmal nicht ganz leicht zu akzeptieren."
"Wenn wir dann aber die vergangenen beiden Jahre anschauen und sehen, was für riesige Fortschritte wir gemacht haben, dann können wir sehr stolz sein. Das Team hat alles gegeben, um uns in diese Position zu bringen. Natürlich weiß man nie genau, ob man noch einmal in die Situation kommt, Le Mans gewinnen zu können, aber wir werden es auf jeden Fall erneut versuchen."
Beim 24-Stunden-Rennen in Daytona stand BMW bereits als Dritter auf dem Podium, gefolgt vom Sieg bei den 6 Stunden von Spa. "Für BMW ist es wichtig zu zeigen, dass wir nicht nur bei einem einzelnen Rennen stark sind, sondern konstant vorne mitfahren und Ergebnisse erzielen", meint van der Linde.
Rene Rast spricht von "einem bittersüßen Podium"
"Es gibt nichts zu bereuen", sagt WRT-Teamchef Vincent Vosse. "Es war ein sehr starkes Rennen, ein fehlerfreies Rennen der Fahrer, des Teams und des Autos. Alles, was wir hatten, haben wir auf den Tisch gelegt. Für den Hersteller, der während der Freien Trainings vielleicht nicht sicher war, ob wir wirklich alles geben, ist das nun klar."
"Wie ich immer sage: Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein", ergänzt der belgische Teamchef. "Während der beiden Safety-Car-Phasen hatten wir etwas Pech. Aber wir hätten uns kein perfekteres Rennen wünschen können."
"Es ist ein bittersüßes Podium. Zum einen ist es ein toller Erfolg, in Le Mans auf dem Podest zu stehen. Das Team und wir als Fahrer haben alles richtig gemacht, würde ich sagen. Aber leider hat uns Le Mans diesmal nicht als Sieger ausgewählt", sagt Rene Rast.
"Das ist Motorsport, das ist Le Mans. Hier kann alles passieren. Manchmal hat man Glück, manchmal eben Pech", resümiert der dreifache DTM-Champion. "Wir haben über weite Phasen des Rennens geführt, aber das letzte Safety-Car hat unsere Strategie ein wenig über den Haufen geworfen. Und wenn man so nah am Sieg dran ist, will man natürlich auch gewinnen."
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