Toyota zittert sich zum Le-Mans-Sieg: Sensorfehler sorgt für Leistungsverlust
Toyota feiert den sechsten Gesamtsieg bei den 24h Le Mans, aber nicht ganz ohne Sorgen: Warum die Japaner den Erfolg zwischenzeitlich schon abgeschrieben hatten
Das Toyota-Trio kämpfte sich mit einem Sensorproblem zum Sieg
Foto: JEP JEP
Mike Conway, Kamui Kobayashi und Nyck de Vries gewinnen die 24 Stunden von Le Mans (Rennbericht) und bescheren Toyota damit den sechsten Gesamtsieg an der Sarthe. Doch so souverän, wie der Erfolg von außen wirkte, verlief das Rennen nicht: Ein technisches Problem ließ die Japaner über weite Strecken um den Triumph bangen!
"Wir hatten ein Problem mit einem Sensor an der Antriebswelle und mussten in einem Backup-Modus fahren, der nicht optimal war", verrät Rennsieger Kobayashi und erklärt die Folgen des Problems: "Wir mussten im Safe Mode mit weniger Leistung fahren."
"Zu einem bestimmten Zeitpunkt hatten wir den Sieg bereits abgeschrieben und wollten einfach nur ins Ziel kommen. Wir haben die Randsteine gemieden und sind insgesamt vorsichtiger gefahren. Irgendwie wurde die Motorleistung dann wieder etwas besser, und das hat uns neue Hoffnung gegeben."
Bereits in der Anfangsphase wurde das Toyota-Trio durch einen Reifenschaden zurückgeworfen. "Wir mussten die Spitze die ganze Zeit ein Stück weit jagen. Durch den schleichenden Plattfuß lagen wir weiter zurück", erinnert der Japaner. "Einige Safety-Car-Phasen haben das Feld wieder zusammengeschoben und uns Positionen zurückgebracht."
Vor allem die zweite Safety-Car-Phase rund sechs Stunden vor Rennende, die BMW möglicherweise den Sieg kostete, spielte Toyota in die Karten. "In den letzten fünf oder sechs Stunden haben wir dann wirklich angegriffen, weil wir bis dahin versucht hatten, das Auto zu schonen", sagt Kobayashi.
Fehlerhafter Sensor sorgt für Chaos bei FIA-Messungen
Toyota-Technikdirektor David Floury erklärt, dass sich das Sensorproblem bereits früh bemerkbar machte. Dank einer teilweisen Erholung des Sensors und entsprechender Anpassungen im Fahrstil der Piloten gelang es dem Team, die Folgen in Grenzen zu halten.
"Sehr früh im Rennen, in den ersten drei Stunden oder so, hatten wir zunächst bereits Probleme", berichtet Floury. "Das passierte sehr früh in einem Stint, und wir waren dadurch bereits gefährdet, im Falle einer Safety-Car-Phase eine komplette Runde zu verlieren. Das war kein guter Start. Dann hatten wir gegen 21 Uhr ein Problem mit einem FIA-Sensor. "
"Der Sensor lieferte fehlerhafte Werte und brachte sämtliche FIA-Messungen durcheinander. Deshalb mussten wir zeitweise in einen Standardmodus wechseln. Der Sensor funktionierte später wieder, aber selbst dann lösten wir noch zahlreiche unzulässige Messwerte aus, sodass wir die Leistung reduzieren mussten."
Wie groß der Leistungsverlust durch den fehlerhaften FIA-Sensor tatsächlich war, möchte Floury nicht konkret beziffern. Einen Hinweis gibt er dennoch: "Wenn man sich bestimmte Phasen des Rennens ansieht, hatten wir zeitweise sechs bis acht km/h Topspeed-Unterschied zwischen unseren beiden Autos."
Kobayashi: "Einer der größten Siege" für Toyota
Durch die Analyse der Daten identifizierte Toyota schließlich Muster, die das Umschalten in den Notfallmodus auslösten. "Glücklicherweise hat sich der Sensor teilweise wieder erholt", sagt Floury. "Wir konnten bestimmte Auslöser identifizieren und haben die Fahrer angewiesen, diese Situationen zu vermeiden."
"Wir haben es geschafft, mit einer akzeptablen Leistung bis ins Ziel zu kommen. Es ging allerdings auf und ab und war nicht konstant. In manchen Rennphasen konnten wir normal fahren, in anderen hatten wir weniger Leistung." Trotz aller Schwierigkeiten reichte es am Ende zum ersten Le-Mans-Sieg seit 2022.
Für Kobayashi besitzt dieser Erfolg sogar einen höheren Stellenwert als die früheren Siege von Toyota. "Ich denke, das ist einer der größten Siege, weil die Konkurrenz so stark ist", betont der Japaner. "Mit der Hypercar-Klasse und der BoP ist es heute unglaublich schwer zu gewinnen."
"Wir haben zuvor fünfmal in Folge in der LMP1 gewonnen, aber damals gab es weniger Hersteller. Heute haben wir echte Werksteams, und inzwischen verfügt jeder über viel Erfahrung. Das ist für alle extrem herausfordernd. Dieser Erfolg ist das Ergebnis einer riesigen Anstrengung des gesamten Teams - und auch der Kollegen in Japan."
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