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Warum Sheldon van der Linde auf die WM pfeift und nur Le Mans zählt

Wer 2025 die Langstrecken-WM gewonnen hat, das weiß Sheldon van der Linde nicht mehr, wer in Le Mans triumphierte schon: Warum für ihn nur der 24h-Klassiker zählt

Warum Sheldon van der Linde auf die WM pfeift und nur Le Mans zählt

Sheldon van der Linde nimmt den Gesamtsieg in Le Mans ins Visier

Foto: Emanuele Clivati | AG Photo

Wer hat im vergangenen Jahr die Fahrer-Weltmeisterschaft in der WEC gewonnen? Sheldon van der Linde muss nicht lange überlegen, das hat er sich nicht gemerkt. Wer Le Mans gewonnen hat, das hingegen schon. Der BMW-Werksfahrer will 2026 nicht den WM-Titel, sondern den Le-Mans-Sieg - und er hat Gründe dafür.

"Wenn ich jetzt zurückdenke, wer letztes Jahr die Meisterschaft gewonnen hat, weiß ich nicht mehr. Aber ich kann sagen, wer Le Mans gewonnen hat", erklärt van der Linde nach dem ersten Qualifying an der Sarthe. Seine Prioritäten seien auf Le Mans gesetzt, in diesem Jahr und auch darüber hinaus. Die Fahrer-WM? Für ihn derzeit zweitrangig.

Van der Linde fährt neben der WEC auch in der IMSA-Serie und teilt sich den BMW M Hybrid V8 mit wechselnden Teamkollegen. Durch die Terminkollisionen beider Meisterschaften kann er die WEC-Fahrerwertung rechnerisch gar nicht gewinnen, obwohl seine beiden Teamkollegen die Wertung anführen.

"Wir haben von Anfang an gewusst, dass ich keine Chance auf die Meisterschaft habe", sagt der Südafrikaner. Eine Überraschung sei das nicht. Dass es ihn trotzdem nerve, gibt er offen zu. Der Auftakt in Le Mans stimmt optimistisch: Die Qualifying-Performance am Vortag hat van der Linde selbst überrascht.

"Ich glaube, es war nicht zu erwarten, dass wir so stark sind", räumt er ein. Teamkollege Rene Rast habe zudem einen kleinen Fehler in der Runde gehabt, der zwei bis drei Zehntel gekostet habe. Da wäre also sogar noch mehr drin gewesen. Trotzdem: "Ich bevorzuge immer ein schnelles Rennauto gegenüber einem schnellen Qualifying-Auto." Und das erst recht bei einem 24-Stunden-Rennen.

Neues Aero-Paket bei BMW verschiebt die Stärken

Genau hier sieht Sheldon van der Linde den BMW M Hybrid V8 im Vorteil. Über den Winter hat das Team ein umfangreiches Aerodynamik-Paket erhalten und dafür zwei Joker-Updates eingesetzt, unter anderem auch für die Bremsen. Die Auswirkungen sind spürbar.

"Unsere Stärke liegt jetzt noch mehr im Rennen als letztes Jahr - und weniger im Qualifying", beschreibt van der Linde die Verschiebung. Das Delta zwischen Qualifying- und Rennperformance sei größer geworden, was sich bereits bei den vergangenen WEC-Läufen gezeigt habe.

Im Highspeed-Bereich sieht sich BMW gut aufgestellt, in den langsamen Passagen und im ersten Sektor gebe es hingegen noch Nachholbedarf. Auch bei der Dämpfung und der Curb-Compliance sei man nicht die Referenz. "Aber wir arbeiten daran und nutzen unsere Stärken hier in Le Mans", so van der Linde.

 AG Photo

Kevin Magnussen, Raffaele Marciello

Foto: Emanuele Clivati

Die Charakteristik des Circuit de la Sarthe mit seinen langen Geraden komme dem BMW entgegen. Bei der Höchstgeschwindigkeit auf der Hunaudieres ordnet sich der BMW im Mittelfeld ein - weder als schnellstes noch als langsamstes Auto. Eine exakte Einschätzung sei allerdings schwierig, weil jedes Team ein anderes Energiemanagement fahre und unterschiedlich viel Lift-and-Coast betreibe.

Reifenstrategie als Schlüssel in der Nacht

Ein zentrales Thema für das Rennen bleibt die Reifenwahl. BMW hatte beim Vortest als eines der wenigen Teams den harten Reifen ausprobiert. Van der Linde sieht diese Mischung allerdings eher als Option für den Renntag, wenn die Temperaturen am Samstag und Sonntag steigen.

Als Standardreifen tauge der harte Reifen nicht, die Aufwärmphase sei zu lang. "In den ersten zwei Runden hast du keinen Grip. Auch bei einer Full-Course-Yellow oder einem Restart fehlt der Grip", erklärt er. Besonders die Nachtschichten, in denen die Temperaturen deutlich fallen, erfordern noch Feinarbeit bei der Abstimmung der verschiedenen Mischungen.

Ferrari enttäuscht, Aston Martin überrascht

Was ihn überrascht habe: "Dass Ferrari so weit weg ist, habe ich nie erwartet", sagt er. Als er hinter den Italienern fuhr, habe er beobachtet, dass der 499P auf den Geraden Schwierigkeiten habe. Positiv überrascht zeigt er sich hingegen von Aston Martin, deren Pace in den Top 10 des Qualifyings niemand auf der Rechnung gehabt habe.

Trotz der Nachteile bei der WM-Wertung bringt das parallele Engagement in WEC und IMSA auch Vorteile. Kaum ein anderer Fahrer sammelt so viele Kilometer im BMW M Hybrid V8 wie van der Linde. Ob er seinen Leistungsgipfel bereits erreicht habe? "Ich lerne immer dazu", entgegnet er.

Das Auto verändere sich von Rennen zu Rennen, neue Systeme würden kontinuierlich integriert. Gerade die Straßenkurse in der IMSA lieferten wertvolle Erkenntnisse, die auch in der WEC helfen. "Die Autos sind so komplex geworden - da gibt es immer etwas zu lernen."

Auch beim Thema Dirty-Air profitiert van der Linde von der IMSA-Erfahrung. In Spa sei er zwar ausschließlich in freier Luft gefahren, doch aus der IMSA wisse er, dass sich das Verhalten im Windschatten mit dem neuen Paket verbessert habe. Eine endgültige Bewertung für die WEC stehe allerdings noch aus.

Wie schätzt van der Linde die Chancen auf den Le-Mans-Sieg ein? Ein LMDh-Gesamtsieg an der Sarthe wäre ein Statement für die gesamte Fahrzeugkategorie. "Ich glaube, wenn, dann muss es dieses Jahr oder nächstes Jahr sein", sagt er. Gleichzeitig warnt er davor, sich unnötig unter Druck zu setzen.

Für die Herstellerwertung sei ein starkes Ergebnis in Le Mans ebenfalls entscheidend, das Timing passe. Für die Zukunft hofft van der Linde, dass die Terminüberschneidungen zwischen IMSA und WEC gelöst werden. Dann könnte er in beiden Meisterschaften um den Titel kämpfen. Bis dahin gilt an der Sarthe: alles auf Le Mans.

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