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WEC vor Wende: Kommt jetzt die große Offensive aus China?

Mit Chery und Lynk & Co gibt es zwei Kandidaten aus China für Hypercar-Projekte - Und diese könnten weit über eine WEC-Teilnahme hinausgehen

China-Marken nach Le Mans? Zwei Hypercar-Kandidaten aus Fernost

Le-Mans-Ankündigung von Chery Automobile

Foto: Chery Chery

Die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) könnte vor einem wichtigen Durchbruch in China stehen: Mit Chery und Lynk & Co (Geely) treffen gleich zwei chinesische Schwergewichte Vorbereitungen für einen möglichen Einstieg in die Top-Klasse in Le Mans.

Während Chery bereits eine offizielle Roadmap bis 2030 präsentiert, richtet Lynk & Co nach dem überraschenden Ausstieg aus der TCR World Tour, wo Geely künftig seine Eigenmarke antreten lässt, seine Motorsportaktivitäten in Richtung Endurance neu aus.

Nachdem das "Goldene Zeitalter" des Langstreckensports mit dem Ausstieg von Porsche aus der WEC einen unerwarteten Rückschlag hinnehmen musste, wäre die chinesische Automobilindustrie ein wichtiger Kompensationsbaustein für den WEC-Veranstalter ACO. Denn der rasante Vorstoß der chinesischen Marken auf dem Weltmarkt spiegelt sich bislang noch nicht im Motorsport wider.

Chery plant ganzes Infrastrukturprojekt

Das hat sich im Rahmen des Saisonauftakts der Asian Le Mans Series in Sepang grundlegend geändert. Der staatliche Chery-Konzern, viertgrößter Autohersteller Chinas, hat eine ambitionierte Fünf-Jahres-Roadmap für seine seit 2017 existierende Premiummarke EXEED skizziert. Chery Automobile selbst existiert seit 1997.

Ziel ist es, als erster chinesischer Hersteller überhaupt in der Hypercar-Klasse um den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans zu kämpfen.

Der Plan sieht drei Phasen vor:

- Nationale Basis: Aufbau einer eigenen Langstreckenserie in China zur Talentförderung

- Asian Le Mans Series: Einstieg in den internationalen Wettbewerb als Vorbereitung

- WEC-Werksprogramm: Vollwertiges Engagement in der Weltmeisterschaft unter dem Namen EXEED

Besonders bemerkenswert: Chery gab bekannt, am 13. Dezember eine Vereinbarung mit dem ACO unterzeichnet zu haben, die weit über ein klassisches Branding-Engagement hinausgeht. Teil dieser "Full-Scale Collaboration" ist die Entwicklung einer Le-Mans-zertifizierten Rennstrecke in Wuhu (Anhui), dem Hauptsitz des Konzerns.

Während der ACO selbst die Tragweite dieser Partnerschaft noch nicht offiziell kommentiert hat, ist mit der Ankündigung klar: Chery will im Motorsport ganz groß auftreten und ihn womöglich als Testfeld für Effizienz und Zuverlässigkeit seiner kommenden Serienfahrzeuge nutzen, die in den nächsten Jahren auch den europäischen Markt erobern sollen.

Lynk & Co: Folgt auf die TCR-Erfolge der Aufstieg ins Hypercar?

Parallel dazu bahnt sich bei der Konkurrenz eine strategische Neuausrichtung an. Lynk & Co, die sportliche Speerspitze des Geely-Konzerns (in Europa bekannt als Muttergesellschaft von Volvo und Polestar), beendet ihr erfolgreiches TCR-World-Tour-Programm.

Nachdem das Team Cyan Racing von Christian Dahl drei Fahrer- und vier Herstellertitel in der Tourenwagen-Weltserie (WTCR und im Nachfolger TCR World Tour) eingefahren hat, gab Geely im November überraschenderweise bekannt, statt des zweiten Facelifts für den Lynk & Co 03 künftig den Geely Preface von Cyan Racing einsetzen zu lassen.

Im Zuge dieses Wechsels machte Lynk & Co mit einer spektakulären Ankündigung in den sozialen Medien auf sich aufmerksam: "Lynk & Co wird von Sprint- und Rundstreckenrennen in den Rallye- und Endurance-Sport expandieren."

Statement von Lynk & Co zur Verschiebung der Motorsportaktivitäten

Statement von Lynk & Co zur Verschiebung der Motorsportaktivitäten

Foto: Lynk & Co via Weibo

Zwar ist damit noch nicht klar, ob der GT3- und/oder der Prototypensport gemeint ist, doch Geely werden bereits seit mehreren Jahren Le-Mans-Ambitionen nachgesagt. Lynk & Co ist zudem in der westlichen Welt eine der bekanntesten China-Marken.

Die Personalien stützen diese These: Yann Ehrlacher, das Aushängeschild von Cyan Racing, bereitet sich in der kommenden Saison mit einem LMP2-Einsatz für ARC Bratislava in der Asian Le Mans Series auf die Anforderungen von Prototypen vor - ein klassischer Ausbildungsweg für ein späteres Top-Programm. Seine bisherige Prototypenerfahrung besteht lediglich aus LMP3-Einsätzen zwischen 2016 und 2019.

Wie chinesisch wird die WEC?

Sollten beide Programme realisiert werden, würde dies die Tektonik der WEC massiv verschieben. Bislang sind mit Ausnahme von Mercedes-Benz und Tata alle namhaften klassischen Automobilkonzerne in der Hypercar-Klasse vertreten.

Doch China ist dabei, den Automobil-Weltmarkt im Rekordtempo umzukrempeln und könnte seinen Einfluss nun auch im Motorsport ausbauen. Außerhalb Macaus gab es lange Zeit kaum eine ausgeprägte Motorsportkultur in China, doch der Sport entwickelt sich rasant im Reich der Mitte und gewinnt an Popularität, nicht zuletzt durch das Formel-1-Rennen in Shanghai, wo auch die WEC bis 2019 vertreten war.

Sollte es so kommen, insbesondere an der Chery-Front, würden die Investitionen sämtliche Programme der bisher engagierten Hersteller in den Schatten stellen und China auch sportpolitisch ein hohes Gewicht verleihen.

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