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"Wenn die Renngötter entscheiden": Bourdais nach bitterem Le-Mans-Aus

Trotz einer so großen Chance wie selten klappt es für Sebastien Bourdais auch im 19. Anlauf nicht mit Gesamtsieg auf seiner Heimstrecke - Bekommt er noch eine?

"Wenn die Renngötter entscheiden": Bourdais nach bitterem Le-Mans-Aus

Für Sebastien Bourdais hat es auch 2026 nicht mit dem ersehnten Heimsieg geklappt

Foto: Tobias Kindermann

Für Sebastien Bourdais hat es auch im 19. Anlauf nicht mit dem langersehnten Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans geklappt. Die Chance, die der in Le Mans geborene Franzose an diesem Wochenende hatte, war eine seiner besten. Am Ende aber steht für den 47-Jährigen mal wieder Frust.

Im Cadillac V-Series.R mit der Startnummer 38 des Jota-Teams, den er sich mit Jack Aitken und Earl Bamber teilte, fuhr Bourdais gegen 4:00 Uhr am Sonntagmorgen an zweiter Stelle. Direkt vor ihm fuhr das Schwesterauto des Teams, der Jota-Cadillac mit der Startnummer 12, pilotiert von Will Stevens, Norman Nato und Louis Deletraz.

Bourdais hatte "seinen" goldenen Cadillac gerade bei einem routinemäßigen Fahrerwechsel übernommen, als er nur wenige Minuten später wieder in die Boxengasse abbog. Es gab einen Defekt an der Servolenkung, woraufhin das Auto rückwärts in die Box geschoben wurde. Während Sebastien Bourdais ausstieg und von seinem Vater Patrick Bourdais getröstet wurde, versuchten die Crew noch, das Auto zu reparieren.

Zwar kehrte Bourdais nach einer fast halbstündigen Standzeit noch einmal ins Rennen zurück. Der Rückstand aber belief sich zu diesem Zeitpunkt schon auf acht Runden. Und kurz nach 8:00 Uhr am Morgen wurde das Auto dann endgültig und offiziell als ausgefallen gemeldet. Der Schaden war irreparabel.

Earl Bamber, Sebastien Bourdais, Jack Aitken

Die Siegchance im Jota-Cadillac in diesem Jahr war eine von Bourdais' größten

Foto: Alessio Morgese / NurPhoto via Getty Images

"Die Servolenkung gab schon bei der Ausfahrt aus der Boxengasse den Geist auf", berichtet Bourdais und bezieht sich damit auf jenen Boxenstopp, als er den #38 Cadillac an zweiter Stelle liegend von Aitken übernommen hatte. "Ich musste eine langsame Runde zurück in Richtung Box fahren und aufpassen, dass ich nicht abfliege. Ohne Servolenkung lässt sich so ein Auto nun mal nicht gut steuern."

"Wenn du in diesem Rennen mal länger als eine Minute in der Box verbracht hast, ist es vorbei", so die ernüchternde Erkenntnis von Bourdais. Besonders schmerzt den Routinier aus Le Mans, dass er abgesehen von einem Klassensieg in der GTE-Pro-Klasse im Jahr 2016 auf seiner Heimstrecke noch nie ganz oben auf dem Podium stand.

In den Jahren 2007, 2009 und 2011 wurde Bourdais als damaliger Peugeot-Werksfahrer jeweils Zweiter. Der Start für Jota-Cadillac an diesem Wochenende war sein insgesamt 19. in Le Mans. Dass er überhaupt jemals auf so viele Anläufe kommen würde, damit hatte er selber nicht gerechnet.

Sebastien Bourdais

19 Starts in Le Mans, zurückgehend bis 1999, aber kein Sieg: Sebastein Bourdais

Foto: Nilolaz Godet

"2020 hatte ich die Hoffnung, nochmals eine Chance wie die heutige zu bekommen, schon mehr oder weniger aufgegeben", bekennt Bourdais. Seine Erkenntnis nach dem bitteren Ausfall am Sonntagmorgen: "Dieses Rennen hat eine Art, jeden in seine Schranken zu weisen. Heute war es ein Zwei-Dollar-Teil, das dafür gesorgt hat, dass alles vorbei war."

"Wenn die Renngötter entscheiden, dass es nicht dein Tag ist, dann ist es nicht dein Tag. Ich werde jetzt nicht versuchen, herunterzuspielen, wie enttäuscht ich bin. Viele weitere solche Chance werde ich nicht mehr bekommen, aber so ist der Rennsport. Michael Andretti hat das Indy 500 wie oft bestritten, ohne es gewonnen zu haben? 20 Mal?"

Ganz so viele Indy-500-Starts waren es für Michael Andretti als Fahrer zwar nicht, nämlich de facto "nur" 16. Aber Bourdais hat einen Punkt, wenn er sein eigenes "Glück" in Le Mans mit jenem von Andretti in Indianapolis vergleicht. "Es gibt Rennen, die wenden gewissen Fahrern einfach den Rücken zu, während sie andere anlächeln", sagt der Franzose philosophisch.

Sebastien Bourdais

Bekommt Bourdais die Chance auf 20. Le-Mans-Start, noch dazu mit Siegchance?

Foto: Rainier Ehrhardt

Ob er nochmals eine Chance auf einen Gesamtsieg beim 24-Stunden-Klassiker in seiner Heimatstadt bekommen wird, das vermag Bourdais am Tag einer seiner größten Enttäuschungen auf dieser Strecke nicht zu sagen. Der 47-Jährige hofft, dass es nicht seine Abschiedsvorstellung war.

"Ich bin ja hier schon so etwas wie ein Dinosaurier. Ich weiß gar nicht, wie oft ich in dieser Woche daran erinnert wurde, dass ich der einzige im Starterfeld bin, der die 24 Stunden schon in den 1990er-Jahren bestritten hat. Wenn mir jemand für nächstes Jahr ein Cockpit geben will, werde ich da sein. Ich hoffe, dass es so kommt", so Bourdais.

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