Wer ist Ryo Hirakawa? Alles über den Toyota-Neuzugang

Ryo Hirakawa wird bei Toyota Kazuki Nakajima, der in Rente geht, im Hypercar ersetzen - Doch was hat der Japaner in seiner Karriere bisher geleistet?

Wer ist Ryo Hirakawa? Alles über den Toyota-Neuzugang

Ein Japaner geht, ein neuer kommt: Ryo Hirakawa wird in der Langstrecken-WM (WEC) 2022 bei Toyota Kazuki Nakajima ersetzten. Letzterer hat seinen Helm an den Nagel gehängt, weshalb der Autobauer einen Nachfolger nominieren musste, um das Hypercar mit der Startnummer 8 in der kommenden Saison zu füllen.

Hirakawa ist in seinem Heimatland ein echter Hochkaräter, der sich sowohl in der Super-GT als auch in der Super-Formula bewiesen hat und zu den Toppiloten gehört. Er wird sich in der Saison 2022 den LMH-Boliden mit Sebastien Buemi und Brendon Hartley teilen. Das Schwesterauto werden Kamui Kobayashi, Jose Maria Lopez und Mike Conway steuern.

Kobayashi nimmt dabei eine seltene Rolle ein: Der Japaner wurde nicht nur als Fahrer nominiert, sondern auch zum Teamchef des in Köln ansässigen Toyota-Rennstalls ernannt. Nakajima folgt seinem Landsmann auf die Managementebene, um die Rolle des stellvertretenden Vorsitzenden zu bekleiden. Damit haben die beiden ehemaligen Formel-1-Fahrer die Weichen für ihre Zukunft gestellt.

Gute Leistungen in Japan

Zurück zu Hirakawa, der schon vor der Saison 2020 auf dem Radar von Toyota-Teamdirektor Rob Leupen aufgetaucht ist, jedoch nie eine Chance bekommen hatte, sich im dritten Toyota-LMP1-Auto in Le Mans zu beweisen. Nach einigen kleineren Rückschlägen machte der Japaner im Jahr 2020 mächtig auf sich aufmerksam, als er sowohl in der Super-GT als auch in der Super-Formula gute Chancen hatte, die Titel zu holen. Ihm wurden die Siege aber in letzter Sekunde geklaut.

Toyota GR010 Hybrid

Ryo Hirakawa folgt auf Kazuki Nakajima in der WEC-Saison 2022

Foto: Toyota

Toyota nahm Hirakawa in sein Entwicklungsprogramm für Rennfahrer auf und lud den 27-Jährigen dazu ein, den GR010 Hybrid bei einem dreitägigen Test im portugiesischen Portimao ausgiebig auszuprobieren. Er verpasste deshalb sogar das Super-Formula-Rennenn in Sugo, weshalb erste Gerüchte auftauchten, dass der Test eine hohe Priorität für Hirakawa und Toyota hatte.

Es folgte ein weiterer zweitägiger Test in Barcelona vor der Entscheidung seitens Toyota, Hirakawa in die WEC zu befördern. Er wurde offiziell als Nakajima-Nachfolger ernannt und durfte deshalb auch nach dem WEC-Finale 2021 in Bahrain testen. Er konnte trotz einer Quarantäne von zehn Tagen nach der Rückreise dann beim Super-GT-Finale in Fuji starten.

Hirakawa gespannt auf neue Herausforderung

Unter dem Helm steckt ein Japaner aus dem Westen des Landes, der sehr ernst, aber gleichzeitig auch sehr humorvoll sein soll. Neben seinen Programmen im Heimatland hat er in den Jahren 2016 und 2017 in der europäischen Le-Mans-Serie (ELMS) verbracht, weshalb er fließend Englisch spricht. Von seiner Chance, sich in der WEC beweisen zu dürfen, ist Hirakawa angetan.

"Als das Team seine Entscheidung getroffen hat, hat das mir sehr geholfen", erinnert sich Hirakawa. "Beim Bahrain-Test, der nach der Entscheidung durchgeführt wurde, hat das Team versucht, mir massiv zu helfen, weshalb ich einen großen Sprung gemacht und meine Leistung verbessert habe. Ich hatte das Gefühl, in Bahrain genauso schnell wie die anderen Fahrer gewesen zu sein."

Vor dem Verkehr bei den Langstrecken-Rennen hat der 27-Jährige großen Respekt, weshalb er erwartet, noch eine Menge lernen zu müssen, ehe er in den Rennen mit den Toppiloten mithalten kann. Außerdem müsse er, so sagt er, die doppelten Stints üben, um die Reifen über einen längeren Zeitraum managen zu können.

Rennen mit mehren Klassen nichts Neues

Hirakawa ist es gewohnt, dass mehrere Klassen gleichzeitig auf der Strecke sind. In der Super-GT gibt es zwei verschiedene Kategorien: Die Class-1-Wertung (GT500) und die GT3-Kateogrie (GT300). Mit 58 Super-GT-Events, sieben Rennsiegen und 21 Podien auf dem Buckel kennt der Japaner das Racing mit verschiedenen Autos auf der Strecke wie seine Westentasche.

Toyota GR010 Hybrid, Le-Mans-Hypercar

Toyota wird in der WEC-Saison 2022 wieder mit zwei LMH-Boliden angreifen

Foto: Toyota

Dazu kommen zwei ELMS-Saisons, in der er drei Siege in neun Rennen geholt hat. Hirakawa hat außerdem bereits zwei 24h von Le Mans in der LMP2-Kategorie bestritten. "Ich denke, dass mich die Super-GT sehr gut auf die WEC vorbereitet hat. Das Schwierigste ist, vorherzusehen, wie sich verschiedene Fahrer [beim Überrunden] verhalten werden. In der Super-GT kann ich das je nach Fahrer und Auto einschätzen, das muss ich auch in der WEC lernen."

Der Verkehr hat ihm in seiner bisherigen Karriere nie vor große Aufgaben gestellt. Jedoch kommen zwei neue Komponenten auf den 27-Jährigen zu: Sprit sparen und das Lernen neuer Strecken. Seine Le-Mans-Erlebnisse waren hingegen nicht perfekt: Im Jahr 2016 flog sein Team im Kampf um den Sieg nach einem Crash aus dem Rennen. Nur ein Jahr später startete Hirakawa das Rennen, jedoch musste das Team wegen eines Defekts bereits nach 15 Minuten für eine Stunde an die Box.

Erfahrung der Schlüssel zum Erfolg

Im Jahr 2017 hat mit Yuji Kunimoto, , der in Le Mans das dritte Auto gesteuert hat, ein anderer japanischer Fahrer die Chance bekommen, sich für die LMP1-Kategorie in der WEC zu empfehlen. Zu einem weiteren Einsatz kam es aber nicht. Laut Hirakawa ist Erfahrung im Langstrecken-Sport der Schlüssel zum Erfolg. "Meine mentalen Fähigkeiten waren damals noch nicht so gut wie heute. Es gibt viele Dinge, die ich heute besser kann als damals."

Kurios: Es ist nicht das erste Mal, dass Hirakawa in seiner Karriere auf Nakajima folgt: Im Jahr 2014 war er in seinem zweiten Jahr in der Super-Formula unterwegs, als er seine Chance in der Super-GT erhielt. Das Team war auf der Suche nach einem Ersatz für Nakajima, der wegen der WEC zwei Super-GT-Rennen ausfallen lassen musste, und fand diesen in Hirakawa. Im Jahr 2015 bekam das aufstrebende Talent dann ein Vollzeitcockpit und wurde als Toyota-Junior ausgewählt.

"Als ich mit dem Kartsport begonnen hatte, schaute ich im Jahr 2008 die Formel 1 in Fuji und es war ein japanischer Fahrer am Start", erinnert sich Hirakawa, der 14 Jahre alt war, als er Nakajima in der Königsklasse sah. "Seit dem wollte ich so werden wie er und jetzt werde ich ihn ersetzen, was wirklich merkwürdig ist! Als ich entschieden habe, Rennfahrer zu werden, war er mein Held."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

geteilte inhalte
kommentare
Peugeot bleibt realistisch: Toyota in der WEC klarer Favorit
Vorheriger Artikel

Peugeot bleibt realistisch: Toyota in der WEC klarer Favorit

Nächster Artikel

Alpine stellt sich auf weitere WEC-Saison mit Stint-Nachteil ein

Alpine stellt sich auf weitere WEC-Saison mit Stint-Nachteil ein
Kommentare laden