"Fühlt sich nicht natürlich an" - Marcel Schrötter exklusiv über sein Formtief

Seitdem Dunlop neue Reifen eingeführt hat, läuft es für Marcel Schrötter nicht mehr rund: Der Deutsche spricht exklusiv über die Gründe für die Probleme

"Fühlt sich nicht natürlich an" - Marcel Schrötter exklusiv über sein Formtief

Marcel Schrötter ist seit der Saison 2020 der einzige deutsche Stammfahrer in der Motorrad-WM. Ausgerechnet seit Schrötter aus deutscher Sicht klar im Fokus steht, läuft es beim mittlerweile 28 Jahre alten Landsberger nicht mehr rund. Schaffte es Schrötter in der Saison 2019 insgesamt drei Mal aufs Podium und startete drei Mal von der Pole, konnte er in der abgelaufenen Saison kein einziges Rennen in den Top 3 beenden.

Ein fünfter Platz war das beste Ergebnis der Moto2-Saison 2021, die Schrötter als WM-Zehnter beendete. Vor allem auf eine Runde hatte der Intact-Pilot große Probleme, an die Ergebnisse aus der Vergangenheit anzuknüpfen. Oftmals musste sich Schrötter in den Rennen nach vorne kämpfen.

"Direkt einen Grund, den gibt es nicht oder wir finden ihn nicht. Sonst wäre es einfacher, die Probleme zu lösen", kommentiert Schrötter im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' die durchwachsene Saison in diesem Jahr.

Dunlops neue Reifen sorgen bei Intact für rauchende Köpfe

"Es sind viele Kleinigkeiten, die ganz klar mit der Umstellung der Reifen zu tun haben. Das hört sich zwar blöd an und ist halt eine alte Geschichte Aber seit die Reifen gekommen sind, komme ich einfach nicht mehr zurecht", erklärt der Deutsche. "Da ist egal, was man probiert, für mich fühlt sich das Motorrad momentan - die vergangenen zwei Jahre sag ich mal - einfach nicht natürlich an."

Dunlop

Dunlop entwickelte für den Triumph-Motor einen neuen Hinterreifen

Foto: FGlaenzel

"Ich probiere viele Dinge in Sachen Fahrstil und höre auf Ratschläge von außen. Ich probiere, es besser zu machen. Dann hat man einen Schritt vorwärts gemacht, aber im nächsten Rennen folgen dann zwei Schritte rückwärts. Das ist das Schwierige, das es über die Saison im Kopf so kompliziert macht", gesteht Schrötter.

"Wenn man sich wirklich bemüht, tut und macht, umstellt und versucht, dann sogar manchmal positive Sachen daraus zieht. Dann denkt man, jetzt haben wir es geschafft, das war jetzt was Gutes. Dann ist die Motivation wieder riesengroß für das Wochenende und auf einmal ist dann wieder alles zwei Schritte schlechter. Das hat sich jetzt durch die vergangenen ein bis zwei Jahre durchgezogen", blickt der Intact-Pilot zurück.

Durchwachsene Qualifyings erschweren die Rennen

"Ich kann nur sagen, dass es für mich kein richtiges Motorradfahren ist, sondern ein Kontrollieren. Also was sollte ich machen, was sollte ich versuchen, um diese Probleme nicht zu bekommen?", fragt sich Schrötter und fügt hinzu: "Da fährt man natürlich nicht ganz frei. Da sind wir dann einfach nicht schnell genug. Das ist der Punkt, ich bin einfach nicht schnell genug."

Marcel Schrötter

Podestplätze sind aus der fünften oder sechsten Startreihe meist unrealistisch

Foto: Motorsport Images

"Deshalb ist mein Qualifying auch eher schlechter, aber die Rennen liefen meistens nicht ganz so verkehrt. Das sieht man aber auch nicht immer, wenn man nur Neunter oder Elfter wird. Wenn man aber wie am Anfang des Jahres von Platz 19 oder 20 startet, dann waren da schon viele Rennen dabei, in denen man sich gar nicht verstecken muss", versucht Schrötter die positiven Aspekte zu sehen.

"Wir sind aber einfach zu langsam, dann haben wir die Probleme und stehen im Rennen irgendwo hinten. Ein Ergebnis wird nie dabei rauskommen", weiß der Moto2-Routinier, der 2022 seine zehnte Saison in der mittleren Kategorie fahren wird.

Auf Poles und Podestplätze folgten zwei Rückschläge

Die Probleme mit den Reifen begannen bereits vor zweieinhalb Jahren. "Wir haben ja Anfang 2019 eine Wahnsinns-Performance gehabt. Erstes Rennen, Poleposition, Podium, dann wieder Poleposition, Podium. Die ersten drei Rennen war ich auf der Poleposition und Zweiter, da habe ich das Gefühl gehabt, als könnte ich alles machen", erinnert sich Schrötter.

"Wir waren als Team sehr gut vorbereitet, auch mit dem neuen Motor und allem drum und dran. Das gehört auch dazu. Es gibt aber auch die anderen Teams, aber wir waren ganz gut aufgestellt und ich habe mich einfach wohlgefühlt. Dann war es das vierte oder fünfte Rennen, da kam dann der neue Hinterreifen", blickt Schrötter zurück, der mit einem weiteren Rückschlag zurechtkommen musste.

Marcel Schrötter

Kein Gefühl: Marcel Schrötter kann nicht an sein eigenes Limit gehen

Foto: IntactGP

"Gleichzeitig hatte ich mir den Fuß gebrochen. Das erste Wochenende in Jerez bin ich mit dem neuen Hinterreifen mit gebrochenen Fuß gefahren. Das war das erste Loch, aber ich habe mich als Vierter qualifiziert und habe im Rennen ein paar Punkte geholt. Da ging das alles ein bisschen los, ich war verletzt und es gab den neuen Reifen", so der Deutsche.

"Dann gab es noch ein bis zwei Rennen, die gar nicht so schlecht waren mit Platz sechs - in Le Mans, glaube ich, mit frisch operiertem Fuß. Dann wurde es immer schlechter und schlechter. Da kam eins zum anderen und wir rutschten aus den Top 5 und lagen plötzlich nur noch auf Position sechs oder sieben", berichtet Schrötter.

Eine weitere Verletzung wirft Schrötter zurück

"Dann mussten wir so viel riskieren, um überhaupt ins Q2 zu kommen", erinnert sich der Motorradprofi. "Da gab es Misano dann, wo ich mit dem Highsider abgeflogen bin, weil ich alles riskiert habe. Da gab es den Schlüsselbeinbruch, wegen dem ich zwei Wochen ausgefallen bin. Dann kam ich zurück und so hat sich das ganze dann ein wenig durchgezogen."

Dunlop lieferte nach dem neuen Hinterreifen auch einen neuen Vorderreifen. "Der neue Vorderreifen 2020 war im ersten Moment für mich eher positiv, weil ich das Gefühl hatte, eine bessere Balance zu haben. Schneller sind wir aber auch nicht geworden. Seitdem hängen wir in einem umgewissen Loch. Irgendwo, wo man nicht mehr weiß, in welche Richtung es geht", bedauert Schrötter.

Die Erfolge zu Beginn der Saison 2019 sind Geschichte. Im Sommer 2020 stand Schrötter zum bisher letzten Mal auf dem Podium. Kann der Deutsche überhaupt noch frei fahren oder fährt er auf Grund der Rückschläge verkrampft?

"Das ist mit Sicherheit so, weil es halt aus dem reinen Bauchgefühl heraus immer funktioniert hat. Man versucht ja, Sachen besser zu machen und zu suchen, woran es liegen kann. Du versuchst halt ständig was und denkst darüber nach", bemerkt Schrötter.

Mit Bildmaterial von IntactGP.

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