Aggressivität in der Moto3 besorgt Schrötter: "Das ist absoluter Wahnsinn"

Nach den tragischen Unfällen in der Saison 2021 wird das Mindestalter in der Moto3 auf 18 Jahre angehoben: Marcel Schrötter erkennt Vor- und Nachteile

Aggressivität in der Moto3 besorgt Schrötter: "Das ist absoluter Wahnsinn"

Die Saison 2021 wurde durch eine Reihe von tragischen Unfällen in den kleinen Klassen überschattet. Jason Dupasquier (Moto3-WM), Hugo Milan (European Talent Cup) und Dean Berta Vinales (Supersport-300-WM) kamen innerhalb von wenigen Monaten ums Leben. Motorrad-Weltverband FIM und Promoter Dorna reagierten und schraubten das Mindestalter in den kleinen Klassen nach oben. In der Moto3-WM müssen Neueinsteiger ab der Saison 2023 mindestens 18 Jahre alt sein.

Wir haben Moto2-WM-Pilot Marcel Schrötter befragt, ob dieser Schritt richtig war. "Das hat sicher Vor- und Nachteile", erklärt Schrötter im Gespräch mit 'Motorsport.com' und nennt den Vorteil: "Die Fahrer kommen wahrscheinlich mit mehr Erfahrung - im direkten Zweikampf oder beim Fahren im Pulk - und gereifter in die WM."

"Wenn man überlegt, wie viel 16-Jährige, ich weiß gar nicht, wo das aktuelle Limit war, da rumfahren. Da hast du dann 16-Jährige, die gar nicht wissen, was passieren kann. Ich weiß selber, wie es bei mir früher war. Man macht sich ja gar keine Gedanken über solche Sachen. Das kommt alles erst mit Erfahrung und dem Alter", bemerkt Schrötter.

Kritik an der Fahrweise von Moto3-Pilot Deniz Öncü

Die aggressive Fahrweise von Deniz Öncü ist Marcel Schrötter besonders in Erinnerung geblieben. "Ich will niemanden die Schuld geben, aber wenn man sich den Türken anschaut, den Deniz. Ich glaube, dass ihm der Erfolg von Toprak Razgatlioglu sehr viel Aufwind gegeben hat, aber es wirkte, als hätten sie es mit Gewalt durchbringen müssen. So ist er teilweise gefahren, zumindest kam es mir so vor. Ich denke deshalb, dass die Erfahrung einen Unterschied machen kann", grübelt Schrötter.

Deniz Öncü

Deniz Öncü erhielt nach dem Massencrash in Austin eine Sperre

Foto: Motorsport Images

Das neue Alterslimit hat laut Schrötter aber nicht nur Vorteile. Durch das Mindestalter von 18 Jahren müssen Aufsteiger aus den Nachwuchsklassen warten und zusätzliche Jahre in den nationalen oder internationalen Serien fahren. Das kostet Geld.

Einstieg in den Rennsport soll später erfolgen

"Die Lücke wird extrem groß für die, die in der Moto3-Junioren-WM fahren. Die haben schon dann viele Jahre zu überbrücken", grübelt Schrötter. Doch das Mindestalter wird auch in den kleinen Klassen angehoben. Neueinsteiger müssen im kommenden Jahr mindestens 15 Jahre alt sein, wenn sie an der Junioren-WM teilnehmen möchten.

Laut Schrötter ist das eine Chance, den Einstieg in den Rennsport grundsätzlich nach hinten zu schieben. "Das muss alles ein bisschen geschoben werden. Dann muss da keiner mit sechs Jahren schon unterwegs sein. Die Kinder haben auch alle Schule und sollen auch was lernen", erklärt er.

Moto3 Start

Moto3-Neueinsteiger müssen ab 2022 mindestens 18 Jahre alt sein

Foto: Motorsport Images

Kein Verständnis hat Schrötter für die Situation rund um die Finanzen. Dass Fahrer auch in der WM Geld mitbringen müssen, kritisiert der Deutsche scharf: "Das ist ein Witz, wenn Leute 400.000 oder 500.000 Euro mitbringen. Die Zeit sollte in der WM eigentlich vorbei sein. Wenn man WM fahren kann und gut genug ist, dann sollten die Teams nicht mehr hunderttausende Euros von den Fahrern verlangen."

Warum die Rennen früher weniger gefährlich waren

Schrötter fuhr 2008 seinen ersten Grand Prix. Auf dem Sachsenring startete der Deutsche damals mit einer Wildcard und fuhr in die Punkte. Bei seinem ersten Auftritt auf der WM-Bühne war Schrötter 15 Jahre alt. Hart wurde bereits damals gefahren, doch die Gruppen in den Rennen waren nicht so groß wie in der heutigen Moto3.

"Man darf nicht vergessen, dass wir damals mit Zweitaktern gefahren sind. Damit gab es viel größere Unterschiede zwischen den Motorrädern", schildert Schrötter. "Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen, denn ich bin damals Honda gefahren, die hatte kein Mensch mehr gehabt, weil die alt waren. Das hat einen Unterschied in den Gruppen gemacht, dass die Unterschiede größer waren."

"Es gab einzelne Rennen, die bekannt dafür waren, wo sich mal durch Windschatten Grüppchen gebildet haben. Selbst zwei Aprilias sind nicht gleich gegangen beim Zweitakter. Es war einfacher, mehr rauszuholen oder eben auch nicht. Die Teamarbeit für Power und Performance war schon wichtig", erinnert sich Schrötter.

"Nicht jedes Team hat die Abstimmung gleich gut hinbekommen und es hat schon ein paar Unterschiede gegeben. Da hatte man 1-2 Pferdestärken mehr. Später kam dann die Werks-Aprilia, die mehr Dampf hatte. Das Ganze hat es schon auseinander gezogen. Da war das normal, als 15. auch 50 Sekunden Rückstand auf den ersten Platz zu haben, daran erinnere ich mich noch", blickt Schrötter zurück.

So große Abstände gibt es in der heutigen Moto3 nicht mehr. Die Führungsgruppe umfasst meist mehr als 15 Fahrer. "Das ist jetzt absoluter Wahnsinn. Das war früher viel normaler. Das ist für mich der größte Grund, warum es früher nie so wild oder so eng wie jetzt war", stellt Schrötter fest.

Mit Bildmaterial von IntactGP.

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