Revolution in der MotoE: Wie Ducati die Serie ab 2023 attraktiver machen möchte

Bisher stand die MotoE klar im Schatten der MotoGP, Moto2 und Moto3: Ducati rüstet die Klasse ab 2023 aus und in der Elektroklasse eine riesige Chance

Revolution in der MotoE: Wie Ducati die Serie ab 2023 attraktiver machen möchte

Obwohl die Rennen des MotoE-Weltcups auch in ihrer dritten Saison aus sportlicher Sicht gute Unterhaltung boten, scheiterte die Serie erneut daran, aus dem großen Schatten der drei Verbrennerklassen auszuscheren. Mit dem Einstieg von Ducati (mehr Informationen) steht der Serie eine kleine Revolution bevor. Nach vier Jahren mit Energica-Einheitsmaschinen übernimmt Ducati ab der Saison 2023 und hat eine klare Vision.

Die MotoE-Motorräder sollen deutlich leichter werden, wenn es nach Ducati geht. Aktuell bringen die Einheitsmaschinen von Energica etwa 260 Kilogramm auf die Waage. Das sind etwa 100 Kilogramm mehr als bei einem MotoGP-Bike. Ein großer Teil des Gewichts ist auf die Batterie zurückzuführen.

"Das Motorrad soll so leicht wie möglich sein", stellt Ducati-Geschäftsführer Claudio Domenicali klar. "Zudem werden wir auf die Erkenntnisse zurückgreifen, die wir in der MotoGP sammeln konnten. Diese werden direkt in dieses Motorrad einfließen, um ein Produkt mit einer starken Performance zu kreieren."

Neue Spielwiese für Ducati-Stratege Luigi Dall'Igna

Ducati-Corse-Chef Luigi Dall'Igna soll neben den Projekten in der MotoGP und WSBK auch das in der MotoE leiten. Davor schreckt der charismatische Italiener nicht zurück. Im Gegenteil: Dall'Igna sieht in der MotoE eine zusätzliche Spielwiese, um Technologien zu erforschen.

Luigi Dall'Igna

Luigi Dall'Igna freut sich auf das MotoE-Projekt

Foto: Ducati

"Für einen Ingenieur ist ein elektrisch angetriebenes Motorrad eine nette Sache, denn man kann viele verschiedene Strategien entwickeln und damit bestimmen, wie man die Energie der Batterie am besten nutzt oder wie man die Energie in die Batterie bringt", kommentiert Dall'Igna.

"Es gibt viele verschiedene Bereiche, die einem Ingenieur Freude bereiten. Ich freue mich sehr darauf, mich mit dem MotoE-Bike zu beschäftigen. Ich würde am liebsten sofort loslegen", erklärt der Ducati-Corse-Chef mit Blick auf den MotoE-Einstieg in der Saison 2023.

Die MotoE bleibt weiterhin ein Weltcup

Für die MotoE-Verantwortlichen war klar, dass die Serie nach vier Jahren mit Kleinserien-Hersteller Energica den nächsten Schritt machen muss. Laut Dorna-Geschäftsführer Carmelo Ezpeleta waren mehrere Hersteller im Rennen um die Nachfolge.

Claudio Domenicali; Carmelo Ezpeleta

Ducati-Geschäftsführer Claudio Domenicali mit Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta

Foto: MotoGP

"Wir haben uns mit einigen Herstellern unterhalten", gesteht der CEO von MotoGP-Rechteinhaber Dorna. "Dann kam es zu einem Gespräch mit Ducati. Deren Projekt stimmte mit unseren Zielen überein."

Am Konzept des Weltcups mit Einheitsmotorrädern hält die Dorna fest. Auf Grund des noch jungen Entwicklungsstadiums gab es noch keine Bemühungen, einen offenen Wettkampf mit verschiedenen Herstellern zu starten.

Ducati verspricht starke Performance mit Hilfe von Leichtbau

Doch auch wenn in der MotoE auch weiterhin Einheitsmotorräder eingesetzt werden, dürfte die Serie auf Grund des Ducati-Einstiegs deutlich reizvoller werden. Die Italiener können auf die Technologien des Volkswagen-Konzerns zurückgreifen, der sich in der jüngeren Vergangenheit klar zum Thema Elektromobilität verschrieben hat.

Energica MotoE

Die Energiga-MotoE-Maschine ermöglicht Rundenzeiten auf Moto3-Niveau

Foto: Michele Salvatore

Während die Energica-Bikes mit ihren etwa 150 PS und dem hohen Gewicht von 260 Kilogramm Rundenzeiten auf Moto3-Niveau fuhren, dürfte es in Sachen Performance ab 2023 einen deutlichen Sprung geben.

"Es gibt immer diese Wahrnehmung, dass elektrisch angetriebene Fahrzeuge langweilig sind", wundert sich Ducati-CEO Claudio Domenicali. "Ich fuhr Autos mit mehr als 1.000 Kilowatt Leistung und das waren die beeindruckendsten Erfahrungen, die ich je machen durfte."

Claudio Domenicali

Claudio Domenicali outet sich als Fan von E-Fahrzeugen

Foto: Motorsport Images

"Die Gasannahme ist sehr direkt. Es sind interessante Antriebe. Das größte Problem bei einem elektrisch angetriebenen Motorrad ist aktuell das Gewicht. Das ist die größte Herausforderung bei diesem Projekt", ist sich der Italiener bewusst, der in der PKW-Sparte bereits Bemühungen zum Thema Leichtbau erkennt.

Die Erfahrungen des Volkswagen-Konzerns, vor allem die von der VW-Tochter Porsche, möchte Ducati für die Entwicklung der MotoE-Maschine nutzen. "Bei der Performance werden wir nicht zurückliegen", verspricht Domenicali. "Dann müssen wir uns über den Sound unterhalten. Das ist eine andere Geschichte. Vielleicht finden wir auch für den Sound eine Lösung."

Verärgert Ducati seine Hardcore-Fans?

Ducati steht wie kaum eine andere Marke für Motorsport und Emotionen. Gefährden die Italiener dieses Image durch das MotoE-Engagement, mit dem sich viele Petrolheads nicht identifizieren können?

Ducati Panigale Superleggera

Ducati Panigale V4 Superleggera: MotoGP-Technik für die Straße

Foto: Ducati

"Die Ducatisti bilden eine große Community, die aus sehr leidenschaftlichen Menschen besteht, die über eine hohe Kenntnis verfügen. Diese Community wächst ständig. Es gibt natürlich auch einen konservativeren Teil. Das sind diejenigen, die sich zum Beispiel über den fehlenden Gitterrohrrahmen an den Monster-Modellen beschweren", bemerkt Domenicali.

"Diese Leute haben eine enge Bindung zur Tradition. Diese Leute, die in der Minderheit sind, wünschen sich ein Motorrad mit luftgekühltem Zweiventil-Motor und Gitterrohrrahmen. Die Zeiten ändern sich. Wir haben schon viele verschiedene Zeiten erlebt", stellt der Ducati-CEO klar.

Ducati Panigale

Mit der 1199/1299 ging die Ära der V2-Superbikes aus Bologna zu Ende

Foto: Ducati

Vor wenigen Jahren fand im Hause Ducati ein Umbruch bei den Superbikes statt. Nach über 30 Jahren ging die Ära der V2-Superbikes zu Ende. Dieser Schritt stieß nicht bei allen Ducatisti auf Begeisterung, war notwendig, um in den Superbike-Wettbewerben weiterhin konkurrenzfähig zu sein.

Domenicali kann sich vorstellen, dass eines Tages Motorräder mit Elektroantrieb die Nachfolge der Verbrenner antreten oder parallel zum Einsatz kommen. "Wir sind überzeugt, dass ein elektrisch angetriebenes Motorrad sinnvoll ist für die Zukunft, sobald es leicht genug ist", so der Ducati-CEO.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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