Acosta warnt: "So werden MotoGP-Karrieren immer kürzer"
Pedro Acosta schlägt Alarm: Der dichte MotoGP-Kalender könnte die Karrieren der Fahrer drastisch verkürzen - Dabei gehe es nicht vorrangig um weniger Rennen
Pedro Acosta sieht das aktuelle Wochenendformat kritisch
Foto: Getty Getty
Der dichte MotoGP-Rennkalender sorgt immer wieder für Diskussionen. In der Vergangenheit meldeten sich Piloten wiederholt kritisch zu Wort - zuletzt auch Pedro Acosta. Der Spanier stellt nicht nur einzelne Abläufe infrage, sondern warnt vor langfristigen Folgen für eine gesamte Fahrergeneration.
Acosta: "Karrieren der Fahrer werden kürzer"
Im Zentrum von Acostas Kritik steht weniger die reine Anzahl der Rennen als vielmehr die Struktur der Wochenenden. Zwar halte er das Sprintformat grundsätzlich für sinnvoll, doch die aktuelle Verdichtung aller Sessions bereitet ihm Sorgen.
"Es ist eine gute Idee, aber was ich am Kalender problematisch finde, ist, dass die Karrieren der Fahrer kürzer werden", warnt Acosta vor den Folgen. "Es gibt keine Möglichkeit, 22 Wochen lang durchzuhalten, wenn man jeden Nachmittag eine wichtige Session hat: Training, Qualifying, Sprint und dann das Hauptrennen."
Damit spricht der junge Spanier ein Thema an, das intern schon länger diskutiert wird: die zunehmende physische und mentale Belastung durch nahezu durchgetaktete Rennwochenenden. Anders als früher gebe es kaum noch Raum, sich schrittweise an das Limit heranzutasten, da es direkt ums Weiterkommen geht.
Kein Raum mehr für Entwicklung am Wochenende
Acosta beschreibt die Veränderung auch aus fahrerischer Perspektive: Früher habe man sich über ein Wochenende hinweg steigern können. Heute sei jeder Run entscheidend.
"Es ist nicht mehr diese Zeit, in der du sagen kannst: 'Okay, ich gehe raus, finde meinen Rhythmus, Schritt für Schritt'", sagt er. "Jeden Tag hast du eine wichtige Session, und das 22 Mal im Jahr." Dadurch habe sich auch der Charakter des Sports verändert: weg vom Aufbau über mehrere Sessions, hin zu einem permanenten Quali-Modus. Das erhöhe nicht nur den Druck, sondern auch die Fehleranfälligkeit.
Stresslevel und Verletzungsrisiko steigen
Besonders kritisch sieht Acosta die langfristige Belastung. Der konstante Druck könne nicht unbegrenzt kompensiert werden. Er warnt: "Das wird alles verkürzen, weil das Stresslevel, das wir aushalten müssen, irgendwann an eine Grenze kommt."
Dabei betont er ausdrücklich, dass er kein Gegner der Sprintrennen sei: "Ich denke, Sprintrennen sind eine gute Idee. Auch kürzere Qualifyings und Trainings sind gut." Das Problem liege für ihn vielmehr in der Gesamtmenge an intensiven Sessions.
Vor allem das erhöhte Risiko beschäftigt den KTM-Piloten. "Wenn das Niveau der Rennen steigt, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, sich zu verletzen. Das ist das Einzige, woran ich denke - nicht an die Anzahl der Rennen", erklärt er seine Bedenken.
Acosta schielt Wechsel in den Automobilsport
Interessant ist auch Acostas Perspektive auf andere Motorsportarten. So sieht er etwa im Automobilsport deutlich mehr Möglichkeiten, eine Karriere flexibel zu gestalten.
Auf die Frage, ob er sich eine lange Karriere vorstellen könne - ähnlich wie Max Verstappen - bleibt er zurückhaltend. Verstappen habe bereits früh alles erreicht, was er wollte, erklärt Acosta, und befinde sich in einer ganz anderen Situation.
Zugleich verweist er auf die Vielfalt im Automobilsport: Dort gebe es "viele schöne Meisterschaften" und legendäre Strecken, die neue Perspektiven eröffnen. Besonders angetan zeigt er sich von der amerikanischen Szene. "Ich schaue sehr gern MotoAmerica", sagt Acosta, der sich einen Wechsel vorstellen kann. "Warum nicht, eines Tages dorthin gehen und neue Strecken ohne Druck kennenlernen."
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