Aleix Espargaro in Aragon Sechster: Warum ist Aprilia plötzlich so stark?

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Aleix Espargaro in Aragon Sechster: Warum ist Aprilia plötzlich so stark?
Autor: Gerald Dirnbeck
Co-Autor: Jamie Klein
24.09.2018, 07:57

Wie aus dem Nichts zeigt Aleix Espargaro in Aragon ein starkes Rennen und wird Sechster. Was sind die Gründe für den plötzlichen Aufschwung bei Aprilia?

"Ich bin sehr glücklich", sagt Aleix Espargaro nach seinem Husarenritt beim Grand Prix in Aragon. "Das war einer der besseren Tage meiner Karriere, obwohl es nur ein sechster Platz ist. Aprilia feierte beim Grand Prix in Aragon ein großes Erfolgserlebnis. Der Spanier eroberte bei seinem Heimrennen das beste Saisonresultat. Es war 2018 erst das zweite Mal, dass eine Aprilia in die Top 10 fuhr. Da die italienische Marke als Gresini-Team in die Weltmeisterschaft eingeschrieben ist, durfte Espargaro nach dem Rennen als bester "Independent"-Fahrer im Parc Ferme feiern.

Doch warum gab es plötzlich diesen großen Sprung nach vorne? In den vergangenen Wochen hatte Espargaro Mühe, es überhaupt in die Top 15 zu schaffen. Ein Schlüssel ist sein neuer Crew-Chief. Seit Misano arbeitet Pietro Caprara in seiner Box. Der neue Mann stellte die Arbeitsweise deutlich um. Nach dem Rennen in Misano blieb Aprilia noch für zwei Testtage in Italien. Espargaro fuhr rund 100 Runden und probierte eine komplett neue Abstimmung aus.

Neue Arbeitsweise mit neuem Crew-Chief

"Mit Pietro haben wir die Gewichtsverteilung stark verändert", erklärt Espargaro. Man will mehr Gewicht auf das Vorderrad bringen. "Damit versuchen wir die Reifentemperatur in den Griff zu bekommen, denn das ist in diesem Jahr eines der Probleme. Das Motorrad ist wie es ist, aber ich konnte zu Beginn des Rennens etwas aggressiver fahren. Trotzdem war ich in den ersten zwölf Runden über dem Limit und habe viel riskiert." Auch das Turning soll etwas besser geworden sein.

Außerdem liegt der Fokus jetzt bezüglich Set-up und Elektronik komplett auf dem Rennen und nicht so sehr auf einer schnellen Runde im Qualifying. "Das Motorrad ist gleich, aber Pietro hilft mir sehr. Er ist neu im Team und unterstützt mich sehr gut", betont Espargaro. "Mit Pietro haben wir die Arbeitsweise etwas verändert. Wir arbeiten praktisch in jedem Training mit vollem Tank und denken ständig an das Rennen. Wir haben ab FT1 gut gearbeitet und im Rennen eine soliden Job abgeliefert."

Pietro Caprara

Pietro Caprara

Foto: Gold and Goose / LAT Images

Das MotorLand Aragon liegt Espargaro auch. 2014 holte er dort mit der Forward-Yamaha seinen einzigen MotoGP-Podestplatz. Mit seiner eigenen Leistung ist er auch sehr zufrieden: "Ich war sehr fokussiert. Meine Pace war stark, nahe dem Podest. Abgesehen vom sechsten Platz freut mich, dass wir in der ersten Hälfte in der Podiumgruppe dabei waren. Und dann habe ich pro Runde nur zwei bis drei Zehntelsekunden auf Pedrosa verloren. Damit bin ich sehr zufrieden, weil ich auch keinen einzigen Fehler gemacht habe."

Trotzdem muss Aprilia noch viel arbeiten

Noch vor dem Rennwochenende meinten Espargaro und sein Teamkollege Scott Redding, dass Aprilia das 2017er Motorrad einsetzen sollte, denn das Handling soll damit besser sein. Motorsportchef Romano Albesiano untersagte das aber. Man will bei der Analyse nicht zu viele Variablen einbauen und systematisch am neuen Motorrad für 2019 arbeiten. Wenn man sich die Rennen vor Aragon ansieht, dann ist klar, dass Aprilia deutliche Fortschritte machen muss.

"In Misano habe ich auch 100 Prozent gegeben, aber es wurde nur Platz 14. Das war das Maximum", hält Espargaro fest. "Die Aprilia-Ingenieure sind clever genug, um das Level der RS-GP zu kennen. Es sind schon viele Fahrer mit diesem Motorrad gefahren und ich bin der einzige, der damit konkurrenzfähig ist, obwohl ich viele Probleme habe. Sie wissen, dass wir für 2019 viel verändern und uns deutlich verbessern müssen."

Scott Redding, Aprilia Racing Team Gresini

Scott Redding, Aprilia Racing Team Gresini

Foto: Gold and Goose / LAT Images

Der Motor bleibt eine der Baustellen von Aprilia, wie auch Aragon zeigte. Espargaro musste über das Limit gehen: "Ich habe Pedrosa mehrmals überholt, aber auf der Geraden hat er mich gekillt. Er war um 10 km/h schneller als ich. Es war sehr schwierig. Um mitzuhalten, habe ich in der Bremsphase den Vorderreifen zerstört. Ich hatte Angst, dass er nicht bis Rennende halten wird oder ich stürze. In der Zielkurve habe ich jede Runde später als im Qualifying gebremst und viel riskiert. Wir müssen den Motor verbessern, denn so kann ich nicht an jedem Wochenende fahren."

Trotz dieses guten Ergebnisses ist Espargaro in der Fahrer-WM nur 17. In der Herstellerwertung ist Aprilia auf dem sechsten und letzten Platz. Allerdings beträgt der Rückstand auf KTM nur noch fünf Punkte. Im nächsten Jahr stößt Andrea Iannone zu Aprilia und ersetzt Redding. In Aragon fuhr Iannone mit der Suzuki als Dritter auf das Podest.

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Artikel-Info

Rennserie MotoGP
Event Aragon
Fahrer Aleix Espargaro
Teams Aprilia Racing Team
Urheber Gerald Dirnbeck
Artikelsorte Reaktion