Alex Hofmann (ServusTV): KTM hat Trendwende gemeistert, Honda nicht

Vor dem Sachsenring-Grand-Prix analysiert Alex Hofmann die Kräfteverhältnisse: Bei Suzuki und Honda erkennt der ServusTV-Experte einen gewissen Stillstand

Alex Hofmann (ServusTV): KTM hat Trendwende gemeistert, Honda nicht

Am Wochenende gastiert die MotoGP erstmals seit 2019 wieder auf dem Sachsenring. Yamaha-Pilot Fabio Quartararo kommt als WM-Führender nach Hohenstein-Ernstthal. Der Franzose liegt in der WM vor dem Ducati-Trio Johann Zarco, Jack Miller und Francesco Bagnaia (zum Gesamtstand). ServusTV-Experte Alex Hofmann hat sich die Kräfteverhältnisse vor dem achten Rennen der Saison genau angeschaut.

"Yamaha hat eine gute Entwicklung genommen, was die Fahrbarkeit und Balance betrifft. Bei Ducati zeigt Zarco die Konstanz, die Werksfahrer Bagnaia und Miller haben den Speed", erkennt Hofmann und sieht beim Weltmeister-Team der vergangenen Saison noch Nachholbedarf. Und auch die Leistungen von Honda begeistern Hofmann nicht.

"Suzuki schätze ich ähnlich ein wie im letzten Jahr, wage aber zu behaupten, dass es nicht mehr reicht, weil die anderen aufgeholt haben. Aprilia konnte ebenfalls einen Schritt machen, Honda hingegen nicht", stellt Hofmann fest.

Alex Hofmann lobt die Entwicklung der KTM RC16

Anders sieht es bei KTM aus. Die Österreicher starteten nicht gut in die Saison 2021, konnten die Probleme zuletzt aber in den Griff bekommen. Miguel Oliveira fuhr in Mugello aufs Podium und holte eine Woche später in Barcelona den Sieg.

Miguel Oliveira

KTM-Werkspilot Miguel Oliveira fuhr zuletzt zwei Mal aufs Podium

Foto: Motorsport Images

"Bei den heißeren Temperaturen haben sie die Trendwende geschafft", gratuliert Hofmann. "Das Reifenaufgebot passt jetzt besser, auch technisch hat man einiges weitergebracht. Die Oberösterreicher können sich selbst auf die Schulter klopfen, so schnell reagiert zu haben, was Honda mit einem ähnlichen Konzept nicht gelungen ist."

Fabio Quartararo mental stärker als in den vergangenen Jahren

WM-Leader Fabio Quartararo ist für Alex Hofmann weiterhin der WM-Favorit. "Er überzeugt mich in diesem Jahr vor allem auch auf der mentalen Ebene, fährt jedes Wochenende auf die Pole und ist im Rennen immer in den Top 5. Der Fahrer, das Team, das ganze Paket verfügt über alles, was es braucht. Und mittlerweile hat sich der Franzose auch teamintern den Nummer-eins-Status erarbeitet", erkennt Hofmann.

Zuletzt sorgte Quartararo für Schlagzeilen, als er in Barcelona mit offener Lederkombi das Rennen beendete. Im Nachhinein erkannte der Franzose selbst, dass das extrem riskant war und die Rennleitung hätte einschreiten sollen (zur Reaktion des Franzosen).

Alex Hofmann

Für Alex Hofmann ist Fabio Quartararo der WM-Favorit

Foto: ServusTV

Hofmann sieht das ähnlich: "Man hätte ihm die schwarze Flagge zeigen müssen. Die Sicherheitskleidung ist schließlich der einzige Schutz, den die Fahrer haben. Die Rennleitung lag da aber wohl gedanklich am Strand von La Barceloneta. So heroisch die Bilder mit der offenen Lederkombi ausgesehen haben, kann das auch ganz anders ausgehen."

Findet Marc Marquez auf dem Sachsenring zu alter Stärke?

Und wie schätzt Hofmann die Entwicklung von Ex-Champion Marc Marquez ein? Auf dem Sachsenring ist Marquez seit seinem MotoGP-Debüt in der Saison 2013 ungeschlagen. Zuvor dominierte er das Geschehen in den kleinen Klassen.

"Ich denke, wir werden dieses Wochenende zum ersten Mal wieder sein volles Potenzial sehen. Es geht linksrum, da hat er nach der Verletzung auch weniger Probleme. Und man merkt, er will es im Kopf, nur der Körper und das Bike machen nicht mit", analysiert Hofmann.

Marc Marquez

Kann Marc Marquez die Siegesserie auf dem Sachsenring fortsetzen?

Foto: Motorsport Images

HRC-Testpilot und ServusTV-Experte Stefan Bradl sieht das ähnlich: "Ich denke, Marc Marquez wird sich stark auf den Sachsenring freuen. Das ist eine Strecke, auf der er mit den Linkskurven versucht wieder auf seine alte Form zurückzukommen und wieder auf eine gute Pace zu kommen. Er hat natürlich noch extrem viel Aufholbedarf und ist noch nicht ganz ausgeheilt. Aber ich kann mir vorstellen, dass der Sachsenring ihm hilft, die Lücke nach vorne ein bisschen zu schließen."

Keine Zuschauer trotz niedriger Inzidenzen

Die Rennen auf dem Sachsenring finden Corona-bedingt ohne Zuschauer statt. Alex Hofmann kann das nur bedingt nachvollziehen: "Die Frage stellt sich schon, ob diese Maßnahme bei derart großflächigen Outdoor-Events und der gleichzeitig guten Entwicklung der Inzidenzen Sinn ergibt."

"Als Veranstalter musst du langfristig planen können, zumal die Tribünen hier jedes Jahr extra aufgebaut werden", zeigt Hofmann dennoch Verständnis. Beim vergangenen MotoGP-Event in Barcelona erlaubten die Behörden etwa 20.000 Fans den Besuch der Veranstaltung.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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