Alex Marquez vor Brünn: "Muss Zustand jeden Tag neu bewerten"
Alex Marquez gibt in Brünn sein Comeback nach schwerem Sturz und spricht offen über Risiko, Schmerzen und seine noch nicht volle Fitness
Alex Marquez weiß noch nicht, ob er das komplette Wochenende durchhält
Foto: Gold and Goose / Motorsport Images
Alex Marquez steht vor seiner Rückkehr in die MotoGP. Nach seinem schweren Sturz in Barcelona und den daraus resultierenden Verletzungen will der Gresini-Ducati-Pilot beim Grand Prix von Tschechien in Brünn sein Comeback geben.
Die Freigabe der Ärzte hat der Spanier erhalten. Sein Zustand wird nach dem ersten Freien Training am Freitag jedoch erneut evaluiert. Ob er das gesamte Rennwochenende bestreiten kann, lässt der WM-Zweite des Vorjahres daher bewusst offen.
"Ich bin ganz okay", sagt Marquez am Donnerstag im Paddock. Noch wichtiger als die sportliche Seite sei für ihn zunächst die Rückkehr in sein gewohntes Umfeld: "Auf der mentalen Seite war es sehr wichtig, hier zu sein, wieder Teil dieser Welt zu sein, mit dem Team zusammen zu sein und wieder im Fahrerlager zu sein."
Wie belastbar er tatsächlich ist, will der Spanier erst auf der Strecke herausfinden. "Ich muss Training für Training verstehen, wie mein Zustand ist, und dann entscheiden, wie groß der Nutzen und wie groß das Risiko ist, weiterzumachen."
Deshalb wolle er seine Situation "sehr realistisch" einschätzen und erst nach jeder Session beurteilen, ob ein weiterer Einsatz auch wirklich sinnvoll ist.
Pragmatische Sicht auf den Unfall
Mental scheint Marquez den folgenschweren Unfall inzwischen verarbeitet zu haben. Nach eigenen Angaben begann er bereits kurz nach dem Sturz, die Situation zu akzeptieren.
"Als ich im Krankenhaus wieder Erinnerungen hatte, habe ich gesagt: 'Okay, ich möchte die Jungs wiedersehen'", berichtet er. Mit dem Vorfall selbst geht der 30-Jährige pragmatisch um: "Es gehört zu diesem Job, zu dieser Welt. Entweder man akzeptiert es oder man hört auf. Ich akzeptiere es, und deshalb bin ich hier."

Bei seinem Unfall entging Alex Marquez nur knapp einer Katastrophe
Foto: Getty Images Europe
Mit Blick auf die Unfallursache - ein Defekt an Acostas Bike - verweist Marquez darauf, dass im Motorradsport jederzeit technische Probleme auftreten können. Viele Menschen würden das häufig vergessen. "Ein Motorrad kann auf mechanischer oder elektrischer Seite jederzeit ein Problem haben", weiß der Spanier.
Marquez verteidigt Barcelona-Kurs
Mittlerweile kann sich Marquez nach eigenen Angaben auch wieder an den gesamten Unfallhergang erinnern. "Als ich Pedro berührt habe, zog es mich nach rechts, weil meine Vorderradgabel da schon beschädigt war. Der Lenker stand schief", erklärt er.
Der Gresini-Pilot konnte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel tun und wurde zum Passagier. Er glaubt: "Das war ein Crash, den niemand vermeiden hätte vermeiden können."
In Bezug auf die Debatte rund um die Sicherheit des Circuit de Barcelona-Catalunya ergreift Marquez Partei für seine Heimstrecke."Montmelo ist überhaupt keine unsichere Strecke. Ehrlich gesagt ist sie eine der sichersten Strecken im Kalender."
Verbesserungsbedarf sieht er dennoch bei einzelnen Details wie etwas Streckenbegrenzungen oder Auslaufzonen. "Die Leute achten immer auf die Sicherheit in den Kurven, weil wir dort stürzen. Aber der Unfall, den wir hatten, hätte überall auf der Rennstrecke passieren können, und genau dort muss alles vorbereitet sein."
Wirbelverletzung weniger dramatisch
Bei dem Unfall zog sich Marquez eine komplizierte Schlüsselbeinfraktur sowie eine Verletzung an einem Halswirbel zu. Besonders Letzteres hatte nach dem Crash für Besorgnis gesorgt. Marquez stellt jedoch klar, dass die Verletzung deutlich weniger dramatisch gewesen sei, als die Diagnose zunächst vermuten ließ.
"Wenn man von einem gebrochenen Wirbel hört, denkt man sofort: Das war's", sagt er. Tatsächlich habe ein Muskel lediglich ein kleines Stück des Wirbels herausgerissen. Die Ärzte hätten sich deshalb nicht besonders um diese Verletzung gesorgt.
Deutlich problematischer sei das rechte Schlüsselbein gewesen. "Es war in vier Teile gebrochen", verrät der Spanier. Die Operation sei entsprechend kompliziert gewesen.
Schwierige erste Wochen der Reha
Die ersten anderthalb Wochen nach dem Unfall bezeichnet Marquez als besonders schwierig. "Ich konnte praktisch nichts machen", berichtet er. Neben Behandlungen in der Druckkammer sei kaum Training möglich gewesen. Danach sei die Genesung jedoch spürbar vorangeschritten und er habe sich deutlich besser gefühlt.
"Wir haben dann angefangen, viel Physiotherapie zu machen, viele Stunden an vielen verschiedenen Geräten zu verbringen, um mich zu erholen." Doch erst ab der dritten Woche sei ein annähernd normales Trainingsprogramm möglich gewesen.
Dadurch habe er seine körperliche Verfassung so weit verbessern können, dass ein Comeback in Brünn zu einem realistischen Ziel wurde. Ob die Rückkehr auch sportlich erfolgreich verläuft, wird sich allerdings erst auf der Rennstrecke zeigen.
Marquez macht jedenfalls keinen Hehl daraus, dass er an diesem Wochenende vor allem eines tun will: seinen körperlichen Zustand unter echten Rennbedingungen testen.
Schulter bleibt die größte Baustelle
Die größte Einschränkung spürt der Spanier derzeit weiterhin im Schulterbereich. Dort war er bereits 2013 operiert worden, nachdem die Schulter mehrfach ausgekugelt war.
"Und jetzt mit dem Schlüsselbein - die Fraktur ist ja ziemlich groß -, müssen sich alle Muskeln noch ein bisschen mehr anpassen", weiß der Gresni-Fahrer. "Auch aus diesem Grund bin ich hier, um zu verstehen, wie es um die Muskeln steht und wie es um meine Kraft im Fitnessstudio steht. Die war gar nicht schlecht."
Natürlich sei er noch nicht wieder bei 100 Prozent. Ob die Belastung für ein komplettes Rennwochenende ausreicht, "muss ich Schritt für Schritt herausfinden".
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