MotoGP Misano
Alex Rins lehnt Superbike-Angebote ab und beendet Motorrad-Karriere
Alex Rins wird 2027 nicht in der Superbike-WM antreten und auch nicht mehr als Rennfahrer auf zwei Rädern - Dennoch spricht er von einem "interessanten Projekt"
Juliane Ziegengeist Gerald Dirnbeck
Bearbeitet: 10.09.2026, 15:41
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Alex Rins hat zwei Angeboten auf der Superbike-WM eine Absage erteilt
Foto: NurPhoto NurPhoto
Alex Rins sorgt vor dem Grand Prix von San Marino für eine überraschende Zukunftsankündigung. Nachdem bereits lange feststeht, dass der Spanier Yamaha nach der laufenden Saison verlassen wird, ist nun auch klar: Ein Wechsel in die Superbike-WM ist für den 30-Jährigen keine Option.
Mehr noch: Rins deutet an, dass seine aktive Karriere auf zwei Rädern insgesamt vor dem Ende steht. Auf die Frage, wann es Neuigkeiten zu seiner Zukunft geben werde, antwortet der 30-Jährige am Donnerstag in Misano zunächst mit einem vielsagenden Satz: "Ihr werdet nichts hören." Kurz darauf wird er konkreter.
"Ich werde nächstes Jahr nicht in die Superbike-Weltmeisterschaft gehen." Damit räumt Rins zugleich mit der naheliegendsten Spekulation auf. Nachdem Yamaha offiziell bestätigt hatte, dass die Zusammenarbeit mit Rins Ende 2026 endet, galt die Superbike-WM lange als mögliche nächste Station des Spaniers.
Rins selbst macht nun jedoch deutlich, dass sein Weg in eine andere Richtung führt. "Ich habe ein wirklich gutes, wirklich interessantes Projekt im Kopf, das ich nicht verraten kann, weil es noch nicht zu 100 Prozent abgeschlossen ist", erklärt Rins.
Gleichzeitig lässt der sechsmalige MotoGP-Sieger keinen Zweifel daran, dass er mit seiner Entscheidung absolut im Reinen sei: "Ich bin auf jeden Fall sehr glücklich."
Zwei Angebote aus der WorldSBK
Besonders bemerkenswert ist, dass Rins offenbar keineswegs mangels attraktiver Angebote auf die Superbike-WM verzichtet. Auf die Nachfrage, ob er keine zufriedenstellende Möglichkeit gefunden habe, reagiert er entschieden: "Nein, ich habe sie gefunden."
Demnach lagen ihm sogar zwei konkrete Optionen vor. "Ich hatte dort zwei Möglichkeiten, und ich möchte mich wirklich bei ihnen bedanken, weil sie sehr an mir interessiert waren", sagt Rins. Trotzdem habe ihn eine andere Perspektive stärker gereizt. "Ich habe etwas anderes gefunden, das mich viel mehr motiviert."
Was genau sich hinter diesem Projekt verbirgt, lässt Rins offen. Fest steht für ihn aber offenbar, dass seine Zukunft als Fahrer nicht mehr auf einem Rennmotorrad liegen wird.
"Es war schwierig, mich zu entscheiden, denn mein ganzes Leben in der MotoGP, in dieser Meisterschaft, bestand aus vielen Kämpfen, vielen Rennen, vielen Siegen. 14 Jahre, ungefähr", blickt Rins auf seine Karriere zurück. Dann folgt der entscheidende Satz: "Also ja, ich werde mit den Zweirädern aufhören."
Damit zeichnet sich ein ungewöhnlich deutlicher Schlussstrich unter eine lange Rennfahrerkarriere ab. Rins debütierte 2017 in der MotoGP mit Suzuki und blieb dem Hersteller bis zu dessen Rückzug Ende 2022 treu. Mit Suzuki gelangen dem heute 30-Jährigen fünf seiner insgesamt sechs Siege in der Königsklasse.
2023 folgte der Wechsel zu LCR-Honda, bevor er 2024 ins Yamaha-Werksteam wechselte. Sein Abschied vom japanischen Hersteller ist seit Juni offiziell. Der japanische Hersteller bestätigte damals, dass sowohl Rins als auch Fabio Quartararo nach der Saison 2026 nicht weiter Teil der Werksmannschaft sein werden.
Noch einmal alles für Yamaha
Trotz der persönlichen Zukunftsentscheidung ist Rins keineswegs mit seinen Gedanken schon vollständig aus der MotoGP verschwunden. Bis zum Saisonende will er weiter seinen Beitrag leisten. In Misano wartet eine Strecke auf die Yamaha, die andere Anforderungen stellt als der zurückliegende Kurs in Aragon.
"Ich weiß es nicht, gute Frage", sagt Rins auf die Einschätzung, ob Misano für Yamaha leichter werden könnte. Der Kurs verlange nicht dieselbe Motorleistung wie eine Strecke mit langen Geraden. Gleichzeitig sei die Abstimmung anspruchsvoll.
"Wir müssen eine gute Balance zwischen Kurvenverhalten des Motorrads und Beschleunigung finden", weiß der Spanier. Gerade die zahlreichen langsamen und technisch anspruchsvollen Kurven könnten dabei entscheidend sein.
Rins verweist darauf, wie wichtig es in Misano sei, die Linie präzise zu treffen. Wer zu weit hinausfahre und anschließend stärker einlenken müsse, verliere an Effizienz. Sein Ziel ist deshalb klar: "Wir müssen versuchen, die richtige Balance zu finden, ein gutes Motorrad zu haben und das Wochenende zu genießen."
Ein weiterer Knackpunkt dürfte der Kraftstoffverbrauch sein. Rins bestätigt, dass Misano in dieser Hinsicht eine anspruchsvolle Strecke ist, und dass Yamaha dabei nicht automatisch einen Vorteil aus der geringeren Motorleistung ziehen kann.
"Das ist ein Problem für alle", sagt er. Wie ernst das Thema ist, zeigte sich laut Rins bereits in Silverstone. Dort habe Yamaha "wirklich, wirklich hart" daran gearbeitet, die Situation zu verstehen und das Rennen überhaupt mit ausreichender Kraftstoffmenge zu beenden. "Wir sind fast ohne Sprit über die Ziellinie gekommen."
Auch in Misano werde deshalb hinter den Kulissen intensiv analysiert und ausgewertet. "Die Jungs aus dem Performance-Bereich werden dafür hart arbeiten", verspricht Rins.
Auch Rins kennt Frust und Wut
Neben den technischen Themen spricht Rins außerdem über eine weniger sichtbare Seite seines MotoGP-Alltags: den Umgang mit Frustration. Wenn ein Motorrad nicht so funktioniert wie gewünscht, sei es für einen Fahrer schwierig, sich unmittelbar nach einer Fahrt der Öffentlichkeit und ihren Fragen zu stellen.
"Es ist natürlich nicht einfach, wenn man mit 350 km/h unterwegs ist und direkt danach zu den Medien kommt, wo plötzlich viele Handys auf dich gerichtet sind und du ruhig bleiben musst", beschreibt Rins die Situation aus seiner Erfahrung.
Er macht dabei keinen Hehl daraus, dass auch er emotional reagiert. "Ich werde ebenfalls wütend und bin viele Male richtig sauer", sagt der Yamaha-Pilot. Entscheidend sei für ihn, diese Emotionen anschließend in die richtige Richtung zu lenken.
Dabei helfe auch professionelle Unterstützung: "Ich arbeite schon seit vielen Jahren mit meinem Psychologen, um meine eigene Art und Weise zu entwickeln, damit umzugehen."
Die Frage nach seinen Bewältigungsstrategien kommt nicht von ungefähr. In Aragon hatte sein Teamkollege Fabio Quartararo mit seinen Aussagen über Yamaha und seine Motivation für Aufsehen gesorgt. Sein Noch-Arbeitgeber reagierte mit deutlicher Kritik und warf dem Franzosen mangelnde Objektivität vor.
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