Am Ende des Feldes: Borsoi lobt dennoch Razgatlioglus Lernbereitschaft
Das V4-Yamaha-Projekt braucht noch Jahre - Pramac-Teammanager Borsoi erklärt, wie er die Motivation im Team hochhält - Razgatlioglu spielt eine zentrale Rolle
Toprak Razgatlioglu ist noch weit von seinen Zielen entfernt
Foto: Getty Getty
Nach den ersten zehn MotoGP-Rennwochenenden 2026 sind die beiden Yamaha-Teams in der Teamwertung auf den letzten beiden Plätzen. Das Werksteam hat 64 WM-Punkte gesammelt und das Satellitenteam Pramac 26.
Von diesen 26 Punkten gehen 15 auf das Konto von Jack Miller und elf auf das Konto von Rookie Toprak Razgatlioglu. Millers bestes Ergebnis war Platz acht im Balaton Park. Im selben Rennen wurde Razgatlioglu Elfter.
Noch vor zwei Jahren hat Pramac als Ducati-Team mit Jorge Martin den Weltmeistertitel gewonnen. Nun befindet sich das Team als Teil des neuen V4-Projekts mit Yamaha meist am Ende des Feldes.
Gino Borsoi muss als Teammanager die Motivation in der Mannschaft aufrechterhalten. "Das ist etwas, das zu unserem Job gehört, zu unserem Paddock gehört", sagt der Italiener im Gespräch mit Motorsport-Total.com.
"Ich meine, jede Saison haben wir diese Art von Situation. Es ist also nichts Neues. Es ist etwas, das man auf seinem Weg lernt, wie man damit umgeht. Und man muss es managen, denn sonst kommt man ohne jegliches Ziel zum Rennen."
"Das Ziel im Moment ist, das maximale Ergebnis zu erzielen, und nicht nur für die Fahrer, sondern auch für Yamaha. Und für die Zukunft muss man die Fahrer, das Team und alle gemeinsam motivieren."
"Sie müssen ein Ziel vor Augen haben, sagen wir mal, um die Atmosphäre so gut wie möglich zu halten. Es ist also nicht einfach. Natürlich muss man während der Woche mehrmals mit ihnen sprechen, aber es ist, wie es ist."
Pramac-Chef Paolo Campinoti hat sich Ende 2024 bewusst dafür entschlossen, Ducati zu verlassen, um gemeinsam mit Yamaha ein neues Projekt aufzubauen. Man sieht sich als Partnerteam, aber auch als Juniorteam, ebenso in der Moto2.
Dass das neue V4-Projekt Zeit braucht, war von Anfang an klar. "Besonders wenn man ein Projekt hat, das von null beginnt", so Borsoi weiter. "Wir sind am Ende des Feldes, wir müssen den Rückstand aufholen."
"Und manchmal kann man das nicht, weil aufgrund der Strecke oder des Motorrads das Ergebnis nicht kommt. Dann wird die Situation immer schwieriger. Aber jeder weiß, wo wir stehen. Jeder weiß, dass wir Zeit brauchen."
"Wir brauchen Zeit, um zurückzukommen. Diese Zeit umfasst nicht nur ein Jahr, eine Saison oder zwei Saisons. Bei einem langfristigen Projekt sind es mindestens drei oder vier Jahre", meint Borsoi.
Borsoi lobt Razgatlioglus Offenheit für Ratschläge
Zu diesem neuen Projekt zählt auch Toprak Razgatlioglu. Yamaha-Manager Paolo Pavesio hält große Stücke auf den Türken und wollte ihm diese Chance in der MotoGP ermöglichen.
Doch mit der neuen Yamaha ist Razgatlioglu weit von seinen selbst gesteckten Zielen entfernt. Zuletzt in Assen qualifizierte er sich nur als 22. und Letzter und musste das Rennen wegen massiven Chatterings aufgeben.
Regelmäßig spricht Razgatlioglu darüber, dass seine Motivation nachlässt, wenn die Rundenzeit, die er sich erwartet, nicht kommt. Borsoi war selbst Rennfahrer und kennt schwierige Situationen aus eigener Erfahrung.
Zwischen 1997 und 2004 fuhr Borsoi in der 125er-Klasse. Ein zweiter und zwei dritte Plätze waren seine besten Ergebnisse. Seine beste Saison war 2001, die er als WM-Sechster abschloss.
Wie kann er mit seiner Erfahrung Razgatlioglu unterstützen? "Nun, ich muss sagen, dass ich eine wirklich gute Gruppe von Leuten habe, wirklich stark und gut darin, Toprak zu zeigen, wie er sich der neuen Kategorie annähern soll."
"Es ist eine völlig andere Klasse. Man muss von null lernen. Das ist die Realität. Man muss wirklich von null lernen. Niemand zweifelt an seinem Talent und an seinem Speed. Das ist klar."
"Toprak hat ein riesiges und unglaubliches Talent, aber wenn man von null anfangen muss, muss man von den anderen lernen. Er ist ein wirklich aufgeschlossener, wirklich guter Kerl."
"Es ist einfach, mit ihm zu sprechen, und einfach, ihm zu sagen, was er ändern muss. Und das ist ein weiterer guter Aspekt von Toprak. Es ist nicht einfach, diese Art von Charakter und Mentalität zu finden, diese Offenheit."
"Besonders wenn man drei WM-Titel in der Superbike-Klasse gewonnen hat. Man weiß, dass man einer der Besten oder der Beste ist, und manchmal will man nicht zuhören."
"Als Fahrer, wenn ich in meine Erinnerung zurückgehe, ist es schwierig, auf Tipps von Leuten zu hören, die vielleicht unsere Welt nicht genau kennen, besonders wenn man selbst stark und schnell ist."
"Aber er ist auch in dieser Hinsicht ein wirklich netter Kerl, also bin ich glücklich, Toprak an Bord des Projekts zu haben." Razgatlioglu hat einen Zweijahresvertrag und testete jüngst in Brünn die 850er-Yamaha mit Pirelli-Reifen.
Diese Story teilen oder speichern
Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!
Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.