Analyse: Was derzeit auf Valentino Rossis MotoGP-Rücktritt hindeutet

Es war kein glücklicher Start in das Jahr 2021 für Valentino Rossi im Petronas-Yamaha-Team - Wie lange kann er im Alter von 42 Jahren so noch weitermachen?

Analyse: Was derzeit auf Valentino Rossis MotoGP-Rücktritt hindeutet

Obwohl Valentino Rossi darauf besteht, dass er noch keine Entscheidung über seine Zukunft getroffen hat, deutet vieles darauf hin, dass ein Rücktritt am Ende der MotoGP-Saison 2021 das wahrscheinlichste und logischste Ergebnis ist.

Wenn die Form der italienischen Fahrerlegende in den nächsten drei oder vier Rennen nicht steil nach oben geht, um den schlechtesten Saisonstart seiner Profikarriere abzuwenden, wird es für den siebenfachen MotoGP-Weltmeister schwer zu rechtfertigen sein, im Alter von 43 Jahren bis 2022 weiterzumachen.

Als er sich für 2021 dem Yamaha-Satellitenteam Petronas SRT anschloss, in einem direkten Tausch mit dem Yamaha-Werksfahrer Fabio Quartararo, bestand Rossi darauf, dass er den Vertrag nur dann weiter verlängern würde, wenn die Ergebnisse es rechtfertigen. Das ist im Moment sicherlich nicht der Fall.

Valentino Rossi, Petronas Yamaha SRT
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Foto: Gold and Goose / Motorsport Images

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Vertragsverlängerung an Ergebnisklausel gebunden

Petronas-Teamchef Razlan Razali verriet, dass jede hypothetische Verlängerung unter anderem von einer Ergebnisklausel zu einem bestimmten Zeitpunkt der Saison abhängt - das soll vor der Sommerpause im Juli sein, die auf die Dutch TT folgt. Im Moment sieht es extrem unwahrscheinlich aus, dass Rossi den Schnitt schafft.

Nach den ersten fünf Saisonrennen liegt er mit nur neun Punkten auf Platz 19 der WM-Tabelle, nur vor Iker Lecuona (acht Punkte) und Lorenzo Savadori (zwei). Rossi war schon immer ein Sonntagsfahrer und konnte sich im Rennen meist steigern, aber dieses Jahr sieht es so aus, als hätte er die Tage durcheinander gebracht.

Sein bisher bestes Rennen fuhr er am vergangenen Sonntag in Le Mans, als er in einem stark vom Wetter beeinflussten Grand Prix auf Platz elf landete. Beim Auftakt in Katar Ende März überquerte der Italiener die Ziellinie mit elf Sekunden Rückstand auf Rennsieger Maverick Vinales als Zwölfter.

Rossis bisherige Punkteausbeute ist überschaubar

In der Woche darauf lag er vier Positionen und weitere drei Sekunden hinter Fabio Quartararo. Nach seinem Sturz in Portugal gab es auch beim Grand Prix von Spanien keine Punkte. Dort belegte Rossi Platz 17 - 22 Sekunden hinter Jack Miller.

Die Samstage liefen für ihn allerdings nicht viel besser. Seine beste Qualifying-Performance zeigte er beim Auftakt in Katar, als er sich den vierten Startplatz sicherte, nachdem er den Windschatten von Francesco Bagnaia genutzt hatte.

In Le Mans schaffte er es erst zum zweiten Mal in Q2 und qualifizierte sich als Neunter, nachdem er beim Grand Prix von Doha als 21. und in Portimao und Jerez jeweils als 17. gestartet war.

Ernüchternder Direktvergleich mit Yamaha-Kollegen

Rossi hat seit Assen 2017 kein Rennen mehr gewonnen und sein letztes Podium beim Grand Prix von Andalusien in Jerez 2020 war zugleich sein einziges in der Saison. Außerdem ist es nun schon drei Jahre her, dass er ein Rennen von der Poleposition gestartet ist. Das war 2018 beim Heim-Grand-Prix in Mugello.

Doch Rossis Form sieht noch schlechter aus, wenn man sie mit den Statistiken der anderen drei Yamaha-Fahrer vergleicht. Zusammen haben Quartararo und Vinales drei der bisherigen fünf Rennen in dieser Saison gewonnen, während Rossis Teamkollege Franco Morbidelli in Jerez auf dem Podium stand und in Portimao Vierter wurde.

Dabei fährt Morbidelli eine ältere Maschine, weshalb Rossis Unzulänglichkeiten im Vergleich mit seinem italienischen Landsmann am deutlichsten werden. "Uns gehen die Ideen aus", gab der 42-Jährige nach dem Spanien-Grand-Prix in Jerez zu.

Rossi selbst misst sich an Wettbewerbsfähigkeit

Am nächsten Tag, während des Tests nach dem Rennen, sah er "ab und zu ein Lächeln" in der Box, aber das reichte offensichtlich nicht aus, um die allgemeine Stimmung zu drehen.

Wenn man all das in Betracht zieht, ist es schwer vorstellbar, dass Rossi weitermacht. Zunächst einmal müsste er sich an seine eigene Worte erinnern, was die Ergebnisse angeht. Darüber hinaus wäre es für jeden von uns schwer, einem Fahrer mit einem so unglaublichen Erbe dabei zuzusehen, wie er sich weiter durchs Feld schleppt.

"Wenn man nicht schnell ist oder um Positionen auf dem Podium oder an der Spitze kämpft, macht das keinen Spaß", sagte Rossi in einer seiner jüngsten, zunehmend melancholischen Pressekonferenzen, die so weit entfernt sind von der für ihn typischen wortgewandten Heiterkeit, die ihn normalerweise auszeichnet.

Künftiges VR46-Team macht Petronas Konkurrenz

Vergessen wir für einen Moment die Ergebnisse, so gibt es noch ein anderes Element, das in den vergangenen Wochen in den Vordergrund getreten ist und das von zentraler Bedeutung für die Entscheidung ist, welchen Weg Rossi künftig einschlägt.

Es geht um die Gespräche, die er mit Yamaha über die Möglichkeit führt, die M1-Maschinen, die er und Morbidelli derzeit fahren, ab 2022 für das VR46-Team einzusetzen. Es scheint unmöglich, dass Petronas zustimmen würde, ihn im Team zu behalten, wenn sie durch das Abwerben Yamahas direkt benachteiligt worden wären.

Auch wenn es so aussieht, als würde Petronas bis 2022 an den japanischen Prototypen festhalten, ist der Schaden bereits angerichtet - und er ist nicht unerheblich.

Mit Rossi würde die MotoGP ihren Star verlieren

Valentino Rossi

Trotz enttäuschender Leistungen bleibt Rossi der Superstar der Szene

Foto: Motorsport Images

Rossis Rücktritt ist seit langem eines der am häufigsten wiederkehrenden Gespräche im Paddock. Diejenigen, die keine Verbindung zu Yamaha oder Petronas haben, scheinen zu glauben, dass der diesjährige Grand Prix von Valencia sein letzter sein wird.

Drei von 'Motorsport.com' befragte Teamchefs sind sich einig, dass es eine 95-prozentige Chance gibt, dass der 42-Jährige aufhört. Trotz des allgemeinen Konsenses wäre eine solche Entwicklung aus verschiedenen Gründen weitreichend.

Ganz oben auf der Liste stehen die Auswirkungen auf die Rennserie selbst, denn sie würde ihren größten Star und ihr Hauptverkaufsargument der vergangenen zwei Jahrzehnte verlieren. Wir sprechen hier schließlich von der treibenden Kraft hinter der Popularisierung des Motorradrennsports auf globaler Ebene.

Sollte es jetzt tatsächlich passieren, wäre das Schlimmste an Rossis langem Abschied, dass er auf leeren Strecken stattfinden würde, ohne die Möglichkeit, den Fans, die ihn so sehr verehren, zum Abschied zu winken. Vor allem in Mugello, seiner Kathedrale, wo er nächstes Wochenende vielleicht zum letzten Mal auftritt.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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