Andrea Dovizioso zurück bei Yamaha: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Andrea Dovizioso erklärt seine Beweggründe, warum er aus dem "Ruhestand" zurückgekehrt ist und mit Yamaha noch einmal in der MotoGP durchstarten will

Andrea Dovizioso zurück bei Yamaha: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Andrea Dovizioso ist zurück! Bei seinem Heimrennen in Misano steigt der dreimalige MotoGP-Vizeweltmeister im Petronas-Team auf die 2019er-Yamaha von Franco Morbidelli. Außerdem wurde nun auch offiziell bestätigt, dass Dovizioso 2022 im Yamaha-Satelitenteam fahren und dann aktuelles Werksmaterial erhalten wird.

In den restlichen fünf Saisonrennen wird sich Dovizioso die Box mit Valentino Rossi teilen. "Ich freue mich sehr über Andrea als Teamkollegen", sagt Rossi über seinen Landsmann. "Wir haben ein gutes Verhältnis und waren schon immer große Rivalen."

"Seit 2008 kämpfen wir in der MotoGP gegeneinander. Wir hatten viele gute Duelle. Er ist ein wichtiger Name für die Weltmeisterschaft, denn in den vergangenen Jahren zählte er immer zu den Topfahrern. Außerdem bin ich gespannt, welches Gefühl er für das Motorrad hat."

Bereits im Jahr 2012 fuhr Dovizioso eine Saison im damaligen Yamaha-Satellitenteam Tech 3. Mit sechs dritten Plätzen wurde er WM-Vierter. Der Weg ins Werksteam blieb ihm aber verwehrt. Yamaha holte für 2013 Rossi von Ducati zurück. Den Platz bei den Italienern übernahm Dovizioso.

Warum hat sich Dovizioso für das Yamaha-Satellitenteam entschieden?

Andrea Dovizioso: "Als sich diese Türe geöffnet hat, konnte ich nicht nein sagen. Schon 2012 war es mein Traum, ins Yamaha-Werksteam zu kommen. Das hat nicht geklappt, aber es war immer in meinem Kopf. Jetzt hat sich nach acht Jahren diese Chance ergeben."

"Ich wollte schon immer eines Tages noch einmal die Yamaha probieren. Ich will nicht sagen, dass ich mit der Yamaha der Beste sein werde, aber als Fahrer hat man seine Vorstellung. Das wollte ich unbedingt machen."

Andrea Dovizioso

Seit 2012 hatte Dovizioso im Hinterkopf, noch einmal für Yamaha fahren zu wollen

Foto: Petronas Yamaha

"Ich erwarte eine ähnliche Situation [wie 2012]. Die Herangehensweise der Japaner ist anders als der Europäer. Normalerweise ändern sie nicht viel. Natürlich ist das Risiko groß, aber es ist mir egal. Ich fahre, weil ich die Leidenschaft dafür habe."

Rechnet er sich Chancen aus, 2022 noch einmal um den WM-Titel kämpfen zu können?"

Dovizioso: "Deshalb sind wir hier. Ich möchte nicht sagen, dass ich nächstes Jahr zu 100 Prozent um den WM-Titel kämpfen werde. Aber wenn ich MotoGP fahre, dann geht es darum. Deshalb habe ich nicht alles versucht, um in diesem Jahr die ganze Saison zu bestreiten."

"Es hat sich diese bestimmte Türe geöffnet und ich habe die Chance ergriffen. Natürlich denkt man daran, dass man mitmischen kann. Ich fahre nicht, nur um die Startplätze aufzufüllen. Ich bin mit einer bestimmten Mentalität hier und wir werden sehen, ob es sich umsetzen lässt."

Hatte er Sorgen, dass er vielleicht nie wieder in die MotoGP zurückkehren könnte?

Dovizioso: "Ende vergangenen Jahres habe ich mir keine Sorgen gemacht. Ich wusste, was ich wollte. Wenn etwas Verrücktes passiert und sich Türen öffnen, war ich offen dafür. Wir wissen, dass Motorsport so ist. Wenn das aber nicht geschehen wäre, hätte ich vielleicht aufgehört."

"Ich fühlte mich zu Hause gut und habe das gemacht, was ich gerne tue. Ich war auch viel relaxter, das hat mir meine Freundin gesagt. Ich wusste, was ich wollte. Das war zu Saisonbeginn noch nicht möglich, aber jetzt ist es passiert. Ich bin glücklich, hatte aber natürlich auch Glück."

Hat er die MotoGP vermisst, als er die Rennen daheim vor dem Fernseher verfolgt hat?

Dovizioso: "Ein wenig in Katar, weil ich dort immer gut war. Aber ansonsten nicht, denn 2020 habe ich in einer sehr schlechten Situation beendet. Deshalb wollte ich nicht mehr dabei sein. Nach 20 Jahren konnte ich auch mal andere Dinge machen, für die ich Leidenschaft habe."

 

"Aber es ist meine Welt, in der ich 20 Jahre gelebt habe. Natürlich vermisst man sie. Ich habe alle Rennen geschaut, weil mir die Technik gefällt und ich diesen Sport liebe. Ich habe nicht nur geschaut, um das Ergebnis zu sehen, sondern um das Rennen zu verstehen."

"Ich habe alles verfolgt und natürlich auch etwas vermisst. Mir hat auch das Adrenalin gefehlt und die Möglichkeit, in der MotoGP vorne zu sein. Aber auch was ich gemacht habe, hat für viel Adrenalin gesorgt."

Warum wollte er nicht für Aprilia fahren?

Dovizioso: "Anfang 2021 wollte ich keine Rennen fahren. Deshalb bin ich zu Hause geblieben. Massimo [Rivola] hat aber ständig Druck gemacht, damit ich das Motorrad probiere. Er hat am Ende gewonnen. Es war auch eine gute Idee für beide Seiten."

Andrea Dovizioso

Im Frühling absolvierte Andrea Dovizioso einige Testfahrten für Aprilia

Foto: Aprilia

"Ich war sehr glücklich, dass ich einige Tests mit Aprilia gemacht habe. Das war für beide Seiten gut. Ich bin weiter MotoGP gefahren und konnte Aprilia Feedback geben. Das Verhältnis und die Atmosphäre waren sehr gut. Ich war glücklich, das zu tun."

"Es war aber nicht die Situation, die ich wollte. Das war aber nicht, weil Aprilia nicht gut ist. Ich habe ihnen gesagt, dass die Basis des Motorrads sehr gut ist. Das reicht in der MotoGP aber nicht, denn man muss an vielen Details arbeiten. Aleix nutzt das Potenzial des Motorrads."

Was bringen in der restlichen Saison fünf Rennen mit der 2019er-Yamaha?

Dovizioso: "Ich habe Glück, dass ich diese fünf Rennen plus zwei Tests bestreiten kann. Wenn man normalerweise ein Team wechselt, hat man nur zwei Wintertests. Das ist für mich also nur positiv, wenn man es als Adaptionsprozess betrachtet."

"Es ist natürlich nicht ideal, mit einem Rennwochenende zu beginnen. Die Sitzposition haben wir noch gar nicht angepasst. Dazu bin ich acht Jahre mit einem anderen Motorrad gefahren. Es wird natürlich Zeit brauchen."

"Ich kann nicht sagen, wie stark mein Motorrad bei den nächsten fünf Rennen sein wird. Ich mache mir aber keine Sorgen, weil ich nicht um bestimmte Ergebnisse oder die WM kämpfen muss. Wichtig ist, dass ich im nächsten Jahr Werksunterstützung habe."

Franco Morbidelli

Im Petronas-Team fährt Dovizioso die zwei Jahre alte Yamaha von Morbidelli

Foto: Motorsport Images

"Wichtig wird in diesem Jahr, dass ich gut auf dem Motorrad sitze und das Motorrad verstehe, weil ich sicher anders fahren muss als mit der Ducati. Meine Einschränkung ist meine Größe, weil ich recht klein bin. Deshalb ist es zu Beginn nicht so einfach, die richtige Sitzposition zu finden."

Welche konkreten Ergebnisse darf man in diesem Jahr noch erwarten?

Dovizioso: "Das Ergebnis ist jetzt am Anfang nicht der Punkt. Wenn das Ergebnis zu Beginn nicht kommt, ist es kein Problem. Ich muss mich auf dem Motorrad wohlfühlen und mich von Rennen zu Rennen, von Test zu Test verbessern."

"Ich habe keinen Druck. Niemand erwartet am ersten Tag viel von mir. Ich bin nicht jemand, der über das Limit pusht, wenn ich noch nicht alles verstehe. Ich muss das nächste Jahr optimal vorbereiten."

Bleibt Ramon Forcada auch 2022 sein Crewchief oder wechselt er zu Morbidelli?

Dovizioso: "Mein Team bleibt im nächsten Jahr gleich. Jeder spricht sehr gut über Ramon. Er ist ein Weltmeister-Crewchief und hat viel Erfahrung mit diesem Motorrad. Das ist für mich perfekt. Wir haben eine ganz klare Situation."

Rossi und Dovizioso - ehemalige Gegner sind nun Teamkollegen

Dovizioso: "Teamkollege von Valentino zu sein, ist etwas Besonderes. Nicht weil er so viele WM-Titel gewonnen hat, sondern weil er eine besondere Persönlichkeit ist. Deshalb freue ich mich darauf. Vom Speed her ist es natürlich nicht der beste Moment für ihn. Ich fange bei null an und glaube nicht, dass wir um den Sieg kämpfen werden (lacht). Es ist sehr schön, sein Teamkollege zu sein."

Mit Bildmaterial von GP-Fever.de.

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