Angriff auf Rossi-Marke: Marquez nach Sturz über 50. MotoGP-Pole "happy"

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Angriff auf Rossi-Marke: Marquez nach Sturz über 50. MotoGP-Pole
Autor: Maria Reyer
06.10.2018, 12:43

Stress und Sturz im dritten Training, enttäuschender Q1-Einzug & souveräne Pace am Ende: Marc Marquez erarbeitet sich 50. MotoGP-Pole hart & schielt auf Rossi

Marc Marquez hat in Thailand Geschichte geschrieben. Der Spanier fährt in 1:30.088 Minuten nicht nur die erste Pole-Position der MotoGP auf dem Buriram-International-Circuit ein, er sichert sich damit gleichzeitig auch seine 50. MotoGP-Pole und greift damit in der ewigen Bestenliste Rivale Valentino Rossi an. Der WM-Führende erlebte allerdings einen durchwachsenen Arbeitstag, denn zunächst schaffte er die Q2-Hürde nicht. Durch einen Sturz im dritten Freien Training erschwerte er seinen Arbeitstag - der noch ein glückliches Ende nahm.

"Natürlich bin ich zufrieden damit, wie der heutige Tag ausgegangen ist. Denn ehrlich gesagt hatten wir heute Vormittag sehr viel Pech", beginnt der Spanier mit seiner Analyse. Nach den beiden Freitagstrainings lag der Honda-Pilot komfortabel auf Q2-Kurs, allerdings wurde das Tempo am Samstagvormittag immer schneller. Andrea Dovizioso unterbot seine Freitagsbestzeit um knapp sieben Zehntelsekunden.

Marquez schaffte hingegen nur eine Steigerung von einer Zehntelsekunde, weil ihm gegen Sessionende die Zeit davonlief. Zunächst konzentrierte er sich 18 Runden lang auf den harten Reifen und die Rennabstimmung. Erst im letzten Run sollte er in die Zeitenjagd einsteigen, doch dabei ging einiges schief: "Ich hatte einen neuen Reifen für die Zeitattacke angeschraubt, dann hatte ich allerdings ein Problem mit dem Bike. Ich musste an die Box kommen und wir hatten keine Zeit, den Vorderreifen zu wechseln. Ich bin auf dem zweiten Bike rausgefahren - mit einem Set-up, das mir nicht so zugesagt hat."

"Bin in Q1 besser gefahren als in Q2"

Der harte Vorderreifen hatte auf dem Ersatzbike schon 18 Runden auf dem Buckel, Marquez konnte unter Druck auf einer schnellen Runde nicht abliefern. Ihm unterlief ein Fehler in Kurve 4, er stürzte über die Front. Damit blieb ihm nur Rang elf und die Gewissheit, bereits in Q1 antreten zu müssen. "Das ist eben das Risiko, dass wir eingehen, indem wir uns voll auf das Rennen konzentrieren. Ich hatte nur eine Chance, in das Q2 zu kommen."

In Q1 ließ der WM-Führende schließlich nichts anbrennen, er knallte eine schnellste Runde nach der anderen hin. Am Ende qualifizierte er sich mit einer Runde von 1:30.031 Minuten für Q2. Diese Zeit sollte er später nicht mehr unterbieten können. Im Nachhinein gesteht Marquez auch: "Ehrlich gesagt bin ich aus irgendeinem Grund in Q1 besser gefahren als in Q2. In Q2 habe ich zu viel gepusht und war über dem Limit, aber in Q1 lief alles reibungslos und die Rundenzeit ist mir leicht von der Hand gegangen."

Im entscheidenden Quali-Abschnitt musste Marquez zittern. Ihm gelang im zweiten Versuch gleich auf Anhieb eine 1:30.088 Minuten. In der letzten Runde unterlief ihm allerdings ein Fehler im Mittelteil, wodurch er diese zweite schnelle Runde abbrechen musste. Am Ende reichte es dennoch, denn Valentino Rossi fehlten 0,011 Sekunden. "Ich habe eigentlich eine 1:29er-Zeit in Q2 erwartet, aber ich habe zu viele Fehler gemacht." Ein paar Kurveneingänge habe er nicht optimal erwischt, insgesamt sei ihm keine perfekte Runde gelungen.

Rossi-Bestmarke im Visier: Fünf Poles fehlen noch ...

Mit seiner Pole-Position in Thailand hat Marquez noch eine Premiere gefeiert: Zum ersten Mal ist es einem Piloten, der in das Q1 musste, gelungen, danach die Pole einzufahren. Ob er darauf stolz ist? "Es war nicht meine Intention schon im Q1 anzutreten. Ich war sehr enttäuscht, weil ich mich sehr gut gefühlt habe. Alles war darauf ausgelegt, direkt in das Q2 zu kommen, aber diesmal musste ich eben durch das Q1", entgegnet er. Nachsatz: "Dennoch konnte ich die Pole einfahren, was mich glücklich macht, da die erste Startreihe mein Ziel war."

Marquez steht damit nun bei insgesamt 50 MotoGP-Poles. In der ewigen Bestenliste liegt damit nur noch ein aktiver Pilot vor ihm: Erzrivale Rossi. Der Italiener konnte in seinen über 300 MotoGP-Rennen bislang 55. Mal auf den ersten Startplatz fahren. Marquez kann diese Marke in dieser Saison allerdings nicht mehr einholen. Holt er auch in allen kommenden Rennen bis Saisonende die Pole, würde er bei 54 insgesamt halten.

Spätestens aber 2019 könnte sich der 25-Jährige zum Qualifying-König krönen, denn auch die Bestmarke von Mick Doohan (58 Pole-Position) ist erreichbar. Über alle Klassen (inklusive Moto2 und Moto3) hinweg steht Marquez bereits ganz oben: In Buriram sicherte er sich seine insgesamt 78. Pole. In dieser Bestenliste liegt sein zukünftiger Teamkollege Jorge Lorenzo mit 69 auf Rang zwei.

Rennpace um 1:31 Minuten - Dovizioso & Yamaha Hauptkonkurrenz

Der Spanier wird im morgigen Grand Prix keine Konkurrenz für Marquez darstellen, da er nicht antreten wird. Ganz im Gegenteil zu dessen Teamkollege Andrea Dovizioso. Noch am Freitag war sich der Honda-Pilot nicht sicher, ob "Dovi" in Thailand die schnellste Pace hat. Nach dem Kräftemessen im vierten Freien Training musste er allerdings umdenken: "Auf dem Papier sieht Dovizioso sehr stark aus. Er ist wohl der Schnellste. Wir sind aber sehr nahe dran."

Auch beide Yamaha-Piloten seien sehr stark gewesen im vierten Training. Tatsächlich lagen Rossi und Teamkollege Maverick Vinales hinter Dovizioso und Marquez auf den Rängen drei und vier. "Sie konnten konstant im niedrigen bis mittleren 31er-Bereich fahren. Es wird also hart werden, besonders die letzten zehn Rennrunden werden entscheidend sein, wenn der Reifen nachlässt", prophezeit Marquez.

Er ist sich sicher, dass das gesamte Feld sich für den harten Hinterreifen entscheiden wird. Schließlich gilt es bei einer Streckentemperatur von über 50 Grad Celsius 26 Rennrunden zu absolvieren. "Es ist sehr heiß hier und es ist entscheidend, den Reifen über die Distanz zu bringen." Marquez selbst hat allerdings am Freitag und auch am Samstag im vierten Training mit dem weichen Hinterreifen experimentiert.

Im Longrun auf dem harten Reifen konnte er nur zwei hohe 31er-Zeiten fahren, im zweiten Versuch schaffte er auf dem weichen Reifen dann drei Runden im hohen 30er- und niedrigen 31er-Bereich. Dovizioso hatte in seinem ersten Versuch ebenso Mühe, in den 1:31er-Bereich vorzudringen. Erst auf einem neuen harten Hinterreifen konnte er eine starke Serie von fünf Runden in Folge im hohen 30er- und niedrigen 31er-Bereich hinlegen. Doch der WM-Kontrahent winkt ab: "Viele Piloten konnten niedrige 31er-Zeiten fahren. Die Rundenzeit ist die eine Sache, aber in welcher Art und Weise die zustande kam ist eine andere."

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