MotoGP

Aprilia entwickelt weiter: Das neue Heck, das Bezzecchi in Aragon überzeugte

"8-Tage-Woche" bei Aprilia: Die aktuelle RS-GP erhält für den Titelkampf immer noch Updates - Marco Bezzecchi war vom neuesten Heckkonzept sofort überzeugt

Juliane Ziegengeist Franco Nugnes

Veröffentlicht: 09.09.2026, 14:52

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Aprilia entwickelt weiter: Das neue Heck, das Bezzecchi in Aragon überzeugte

Die neue Heck-Aerodynamik von Aprilia erhielt in Aragon direkt das Go

Foto: Gold Gold

Aprilia nutzt die verbleibenden Rennen der aktuellen MotoGP-Ära weiterhin intensiv für die Aerodynamik-Entwicklung. Obwohl ab 2027 mit dem deutlich veränderten technischen Reglement eine neue Generation von Motorrädern beginnt, arbeitet der Hersteller weiter an Details seiner aktuellen RS-GP.

In Aragon präsentierte Aprilia eine neue Lösung für den hinteren Bereich des Motorrads. Besonders Marco Bezzecchi zeigte sich mit dem Konzept zufrieden.

Der Italiener rückte bereits im ersten Freien Training mit einem neu gestalteten Heckteil aus, um es direkt mit der bisherigen Standardausführung zu vergleichen. Anschließend blieb die neue Variante das Wochenende über an seinem Motorrad.

Bezzecchi behält die neue Aero-Lösung

Das ist insofern bemerkenswert, als Jorge Martin die neue Ausführung ebenfalls ausprobierte, sie nach dem Test am Freitagnachmittag aber zunächst nicht weiter verwendete. Bei Bezzecchi fiel die Entscheidung dagegen offenbar schneller.

Die von Technikchef Fabiano Sterlacchini und seinem Team entwickelte Lösung erhielt unmittelbar grünes Licht. Das neue Bauteil wurde anschließend auch am zweiten Aprilia-Motorrad von Bezzecchi eingesetzt. Damit war klar, dass es sich nicht lediglich um einen kurzfristigen Vergleichstest handelte.

Ziel der Entwicklung ist vor allem, das Verhalten des Motorrads am Heck zu verbessern und für mehr Stabilität des Hinterbaus zu sorgen. Bezzecchi konnte diese Wirkung der neuen Aerodynamik auch auf der Strecke unter Beweis stellen.

Der angeschlagene Aprilia-Pilot sicherte sich in Aragon die Poleposition und stellte mit 1:44.962 Minuten einen neuen absoluten Rundenrekord auf. Im Qualifying war er damit 0,089 Sekunden schneller als Weltmeister Marc Marquez auf der Ducati.

Auch im weiteren Verlauf des Wochenendes bestätigte sich die starke Form der Aprilia. Bezzecchi belegte sowohl im Sprint Dritter als auch im Grand Prix den dritten Platz.

Neue Form soll den Luftstrom kontrollieren

Optisch unterscheidet sich das neue Heckteil deutlich von der bisherigen Ausführung. Im oberen Bereich blieb der bereits bekannte kleine Doppeldecker-Flügel erhalten. Die wesentliche Änderung betrifft dagegen die seitlichen Elemente.

Sie wurden zu einer Art Strömungskanal umgestaltet. Die Geometrie soll einen Venturi-ähnlichen Effekt erzeugen und den Luftstrom gezielter durch den Heckbereich führen.

Der technische Ansatz verfolgt zwei miteinander verbundene Ziele: Zum einen soll die Aerodynamik zusätzlichen Abtrieb am Hinterrad erzeugen. Zum anderen soll das Motorrad dadurch stabiler werden und der Hinterreifen weniger stark belastet beziehungsweise geschont werden. Eine gleichmäßigere Belastung könnte insbesondere über längere Renndistanzen dabei helfen, den Reifenverschleiß zu kontrollieren.

Heckflügel und "Leg Wings" arbeiten zusammen

Die Entwicklung beschränkt sich dabei nicht allein auf das neue Heckteil. Mit der Einführung des neuen Konzepts wurden auch die sogenannten "Leg Wings", also die aerodynamischen Flügel unterhalb des Sitzes des Motorrads, überarbeitet.

Das ist ein wichtiger Hinweis auf die Funktionsweise des Konzepts: Die einzelnen Aero-Elemente werden nicht isoliert entwickelt, sondern sind Teil eines gemeinsamen Strömungskonzepts. Die neu gestalteten Elemente sollen zusammen mit dem Heckteil einen möglichst kontrollierten Luftstrom erzeugen.

Aprilia versucht damit, die Balance der RS-GP über einen größeren Bereich zu verbessern. Gerade in Aragon war das relevant. Der Kurs gilt traditionell nicht als einfaches Pflaster für Aprilia, dennoch präsentierte sich die RS-GP dort konkurrenzfähig.

Aprilia nutzt jede Chance vor neuer Regelära

Die Entwicklung zeigt zugleich, wie intensiv Aprilia die aktuelle MotoGP-Generation bis zum Ende des bestehenden Reglements weiterentwickelt. Denn obwohl hinter den Kulissen längst mit Hochdruck am Prototypen für das neue technische Reglement ab der Saison 2027 gearbeitet wird, will der Hersteller die Chance auf den ersten MotoGP-Weltmeistertitel der Firmengeschichte nicht verspielen.

"Ja, wir haben angefangen, acht Tage die Woche und 25 Stunden am Tag zu arbeiten", sagt Aprilias Rennsportchef Paolo Bonora mit einem Schmunzeln gegenüber der offiziellen MotoGP-Website. "Wir versuchen also, es zu schaffen. Es ist schwierig, aber wir versuchen es. Denn wir wissen, worum es geht."

Dabei betont Bonora, dass jeden Tag überprüft werde, ob beide Projekte noch im vorgesehenen Zeitplan liegen. "Im Moment sind wir ziemlich gut aufgestellt, um beides gleichzeitig voranzutreiben. Es ist notwendig, beide auf höchstem Niveau weiterzuführen. Das ist schwer, aber wir kennen unser Potenzial."

Die Entwicklung des neuen Heckteils ist deshalb mehr als nur ein weiteres Aerodynamik-Update. Aprilia versucht, jede noch mögliche Zehntelsekunde aus der aktuellen RS-GP herauszuholen, ohne dabei die Entwicklung für 2027 zu vernachlässigen.

Ob sich der Hersteller damit im Titelkampf den entscheidenden Vorteil verschaffen kann? Seit der Sommerpause hat Ducati keine größeren Updates mehr eingeführt, während Aprilia sowohl in Silverstone mit kleineren aerodynamischen Änderungen als auch in Aragon mit dem neuen Heckflügel nachgelegt hat.

Bezzecchis schnelle Entscheidung, die Konstruktion direkt weiter einzusetzen, deutet jedenfalls darauf hin, dass Aprilia mit dem Konzept einen spürbaren Fortschritt erzielt hat.

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