Aprilia-Gipfel in Mugello: Aussprache nach den Streitigkeiten in Barcelona
Kollision, Schubser und dicke Luft in Barcelona - Aprilia bittet alle Fahrer in Mugello zur Aussprache und legt fest, wie man künftig auf der Strecke miteinander umgeht
Eine Kollision kostete Martin und Fernandez womöglich Podestplätze
Foto: Getty Getty
Aprilia ist bemüht, die explosive Atmosphäre nach den Ereignissen in Barcelona zu entschärfen. Beim letzten Neustart kollidierten Jorge Martin und Raul Fernandez in der ersten Runde in Kurve 5. Das kostete beide ein Topergebnis, womöglich sogar Podestplätze.
Dass ausgerechnet zwei Aprilia-Fahrer aneinandergeraten waren, goutierte Motorsportchef Massimo Rivola mit einem bösen Blick in Richtung Trackhouse-Teamchef Davide Brivio. Die Rennkommissare werteten es als Rennunfall.
Zwei Wochen später gab es in Mugello ein Meeting mit den Beteiligten und allen vier Aprilia-Fahrern. Am Donnerstag setzte man sich zusammen, um die Differenzen auszuräumen und den künftigen Umgang miteinander zu besprechen.
"Am Donnerstag gab es ein gemeinsames Treffen", bestätigt Aprilia-Teammanager Paolo Bonora gegenüber MotoGP.com. "Alle zusammen, also wir und die Trackhouse-Jungs."
Der Italiener schildert, wie es abgelaufen ist: "Es lief sehr ruhig ab, jeder hat verstanden, dass es notwendig ist, im Rennen ruhiger zu agieren, besonders wenn wir um Punkte kämpfen. Also, alles ist unter Kontrolle."
Auch Brivio sieht nach der Aussprache die Wogen zwischen den beiden Rennteams geglättet: "Es war ein ganz normales Meeting, bei dem man die Fahrer einfach bittet, sich gegenseitig zu respektieren, zumindest innerhalb unserer Marke."
"Das ist eigentlich nichts Besonderes. Normalerweise, wenn so etwas in meiner Karriere passiert ist, klärt man das intern im Team. Diesmal war es ein Treffen der größeren Familie", so Brivio bei MotoGP.com, "und auch das ist völlig normal."
Und welche Regeln gelten jetzt für die vier Aprilia-Fahrer? "Respekt", sagt Bonora. "Einfach Respekt. Ein wenig warten, bevor man ein Manöver setzt. Nicht angreifen, wenn nicht genug Platz da ist. Und am Ende: Respekt."
Auch die Fahrer äußerten sich zu der Aussprache. Martin wollte sich jedoch weder rückblickend zum Barcelona-Crash mit Fernandez noch zum Meeting ausführlich äußern: "Ich mache einfach das, was Massimo entscheidet."
Muss Trackhouse dem Werksteam helfen?
Aprilia hat in diesem Jahr die große Chance, erstmals MotoGP-Weltmeister zu werden. Die Chancen der Werksfahrer Marco Bezzecchi und Martin sind aber etwas größer als jene der Trackhouse-Fahrer Fernandez und Ai Ogura.
Müssen deshalb in Zukunft die Trackhouse-Fahrer dem Werksduo Platz lassen? "Wir sind Trackhouse", sagt Fernandez. "Wir denken im Moment nicht daran, die Weltmeisterschaft zu gewinnen."
"Aber Stand heute haben wir solange eine Chance, bis die Zahlen etwas anderes sagen. Und wenn wir eine Chance haben und die Möglichkeit besteht zu gewinnen, warum nicht?"

Raul Fernandez betont, dass es keine Teamorder von Aprilia gibt
Foto: Trackhouse Racing
"Wir sind Trackhouse, auch wenn wir Aprilia fahren. Wenn drei Rennen vor Schluss nur noch sie die Chance haben und wir helfen sowie uns entsprechend verhalten müssen, dann werden wir die Ersten sein, die diese Anweisungen befolgen."
"Stand heute gibt es keine Teamorder", betont Fernandez, "und ich denke auch nicht, dass sie notwendig ist, solange wir rechnerisch die Möglichkeit haben, um die Weltmeisterschaft zu kämpfen."
In dieselbe Kerbe schlägt auch Ogura: "Natürlich will man keinen Unfall riskieren. Wenn sich eine Chance [für ein Überholmanöver] ergibt, greife ich an, wenn ich denke, dass es möglich ist. Wenn nicht, dann nicht."
Bonora ist Martin für Schubser in der Box nicht böse
Unmittelbar nach dem Rennen in Barcelona kam es in der Box des Werksteams zu unschönen Szenen. Martin ließ in einer ersten Reaktion seinem Frust freien Lauf und schubste Bonora. Kurz darauf entschuldigte sich Martin in seinen Interviews.
Auch diese Situation wurde mittlerweile besprochen und aus der Welt geräumt. "Alles ist inzwischen geklärt", hält Bonora fest. "Es war nicht schön, das im Fernsehen zu sehen, aber danach war alles klar, weil wir ihm voll vertrauen."
"Ganz ehrlich, ich mag Jorge sehr, und ich mag diese Leidenschaft, weil sie zeigt, dass er dachte, er habe die Chance auf Punkte verloren." Bonora kann das Temperament der Enttäuschung und den Ärger nachvollziehen.

Paolo Bonora konnte den Frust von Jorge Martin nachvollziehen
Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images
"Ich persönlich vertraue ihm voll und ganz. Ich mag ihn, und ich mag seinen Fahrstil und seine Leidenschaft. Also, alles ist unter Kontrolle, jetzt ist alles gut. Er war enttäuscht, weil am Samstag etwas Ähnliches passiert ist wie am Sonntag.
"Er war so enttäuscht, weil er gesagt hat - die genauen Worte kann ich euch ehrlich gesagt nicht wiedergeben -, aber er meinte: Es ist schon wieder passiert, es ist schon wieder passiert."
"Es war ziemlich vergleichbar, aber die Auswirkungen am Samstag waren am Ende nicht so gravierend wie am Sonntag. Er weiß, dass er etwas Gutes hätte leisten können. Und ja, er hat die Chance auf Punkte verloren."
"Deshalb konnten wir seine Reaktion vollkommen nachvollziehen", ist Bonora mit dem Wutausbruch in der Hitze des Gefechts nachsichtig. "Es war nicht schön anzusehen, aber jetzt ist alles geklärt."
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