Aprilia liefert Update zu Marco Bezzecchi nach heftigem Assen-Sturz
Laut Aprilia-Mitteilung aus Krankenhaus ist Marco Bezzecchi beim Crash in den Niederlanden von Verletzungen verschont geblieben - Ursachenforschung und Kritik
Marco Bezzecchi hatte am Sonntag in Assen großes Glück
Foto: Michal Michal
Beruhigende Nachrichten kommen am Sonntagabend aus den Niederlanden von Aprilia. Marco Bezzecchi geht es nach seinem schweren Sturz im MotoGP-Rennen in Assen gut. Der 27-jährige Italiener ist von größeren Verletzungen verschont geblieben und tritt noch am Sonntagabend die Heimreise an.
In der zweiten Runde des Grand Prix der Niederlande 2026 in Assen war Bezzecchi in Kurve 15 - der ultraschnellen Linkskurve direkt vor der letzten Schikane - bei hohem Tempo gestürzt. Der Aprilia-Werkspilot, zu diesem Zeitpunkt noch Tabellenführer, fuhr an vierter Stelle direkt hinter Ducati-Werkspilot Marc Marquez, als ihm das Vorderrad seiner Aprilia wegrutschte.
Daraufhin schossen die schwarze RS-GP26 mit der Startnummer 72 und Bezzecchi selber, getrennt voneinander, mit hohem Tempo in Richtung Streckenbegrenzung. Sowohl die Aprilia als auch der Italiener überquerten bei der wilden Rutschpartie das Kiesbett, den Asphalt der Kurzanbindung der Strecke, und schließlich noch den Rasen.
Das Motorrad schlug in die Streckenbegrenzung ein und wurde entsprechend beschädigt. Das Wichtigste aber: Bezzecchi, der im Kiesbett mehrere Salti hingelegt hat, ist mit Glück ohne schwere Verletzungen davongekommen. Noch während des Rennens war im TV-Bild zu sehen, wie er zwar durchgeschüttelt, aber bei Bewusstsein an der Leitplanke saß und von Sportwarten umgeben war.
Keine Nacht im Krankenhaus notwendig
Nach einer Erstuntersuchung durch unter anderem Doktor Angel Charte, den leitenden MotoGP-Arzt, im Medical-Center der Strecke in Assen wurde Bezzecchi zu genaueren Untersuchungen in ein nahegelegenes Krankenhaus in Groningen gebracht. Dort wurde eine Reihe von Scans durchgeführt, um sicherzugehen, dass der Sturz bei hohem Tempo keine Folgeschäden hat, die gegebenenfalls an der Strecke übersehen wurden.
Am frühen Abend hat Aprilia das positive Update zu Bezzecchi herausgegeben: "Marco Bezzecchi hat sich CT-Scans und weiteren radiologischen Untersuchungen unterzogen. Dabei wurden keine Verletzungen festgestellt. Er ist gesund genug, um entlassen zu werden. Er wird heute Abend nach Hause zurückreisen."
Als Aprilia-CEO Massimo Rivola in seiner Medienrunde nach dem Rennen zu Bezzecchis Unfall, insbesondere der Ursache, befragt wird, antwortet er: "Er war einfach zu schnell. Ehrlich gesagt hatte ich nicht den Eindruck, dass die Aprilia in Kurve 15 sehr stark war. Normalerweise zeigt die Aprilia in den schnellen Abschnitten, dass sie ein besonderes Motorrad ist. Das aber müssen wir auch umsetzen, und war mit allen vier Motorrädern, nicht nur mit dreien."
Bezzecchis Aprilia-Kollegen äußern sich zum Unfallhergang
Während Bezzecchi mit dem Sturz zwangsläufig eine (weitere) Nullnummer geschrieben hat, sind seine drei Markenkollegen allesamt auf das Podium gefahren. Trackhouse-Pilot Ai Ogura hat seinen ersten MotoGP-Sieg eingefahren, Teamkollege Raul Fernandez sorgte als Zweiter für einen Doppelerfolg des werksunterstützten Aprilia-Satellitenteams aus den USA. Und Werkspilot Jorge Martin hat mit P3 die Führung in der MotoGP-Fahrerwertung 2026 von Teamkollege Bezzecchi übernommen.
Auch Martin wurde nach dem Rennen zu Bezzecchis Sturz befragt. Das war bereits kurz vor der Pressekonferenz und dann auch noch einmal in der Pressekonferenz. Beide Termine lagen zeitlich deutlich vor dem positiven Update, das von Aprilia kurz vor 18 Uhr zu Bezzecchi herausgegeben wurde.
"Mein erster Gedanke gilt natürlich Marco", sagte Martin unmittelbar nach seinem dritten Platz. "Ich habe seinen Unfall gesehen und weiß, wie es ist, wenn man in so einer Situation ist. Es ist niemals schön, wenn dein Teamkollege so einen Unfall hat. Ich hoffe, dass es Marco im Krankenhaus gutgeht und er sich schnell wieder erholen wird."
Und auch zum Unfallhergang äußerte sich Martin. An ein Aprilia-spezifisches Problem glaubt der neue WM-Spitzenreiter nicht. "Wir müssen uns natürlich die Daten erst noch ansehen. Ich glaube aber, dass du immer dann, wenn du mit diesen Motorrädern dicht hinter einem anderen herfährst, etwas Abtrieb verlierst."
"Das Hinterherfahren ist heutzutage schwieriger als früher, keine Frage. Und [Bezzecchi] fuhr dicht hinter Marc. Vielleicht hatte es damit zu tun. Ich weiß es aber nicht. Der Unfall passierte sehr früh im Rennen. Ich hoffe nur, dass er in Ordnung ist", so Martin.
Der auf P2 ins Ziel gekommene Raul Fernandez, der im Trackhouse-Team eine Aprilia RS-GP26 fährt, wie sie von Martin und Bezzecchi auch im Werksteam gefahren wird, merkt an: "Ich muss zugeben, dass ich mich im Windschatten ein bisschen unwohl fühle."
"Es stimmt", so Fernandez, "dass unser Motorrad grundsätzlich ein bisschen stärker ist als die anderen. Im Windschatten aber bekommen wir, aus welchem Grund auch immer, Probleme mit dem Vorderreifen. Vielleicht war das der Grund, weshalb Marco gestürzt ist".
Marc Marquez erneuert Kritik an Kiesbetten in Assen
Ducati-Pilot Marc Marquez, der zum Zeitpunkt des Sturzes von Bezzecchi direkt vor diesem fuhr, kann sich über die Fahreigenschaften der Aprilia natürlich nicht äußern. Er findet aber durchaus kritische Worte für die Strecke in Assen, insbesondere die Kiesbetten.
"Assen ist eine sehr schöne Strecke, aber ich habe es schon im vergangenen Jahr gesagt und ich werde es weiterhin sagen: In diesen Auslaufzonen müssen sie etwas machen. Jeder Fahrer, der in diesen Kiesbetten stürzt, legt eine Flugeinlage hin", gibt Marquez zu bedenken.
"Wir haben es am Freitag bei Fermin gesehen", spricht Marc Marquez auf den Sturz von Gresini-Pilot Fermin Aldeguer im Training an. Der junge Spanier, Teamkollege von Alex Marquez, war in Kurve 11 gestürzt, ist durch das Kiesbett gepurzelt und hat sich dabei Verletzungen zugezogen, die seinem Rennwochenende ein vorzeitiges Ende gesetzt haben.

Marc Marquez ist am Freitag selber gestürzt - und kritisiert die Auslaufzonen
Foto: Vincent Jannink / ANP via Getty Images
"Ich weiß nicht, was getan werden muss, aber Fermin wurde am Freitag bei einem gewöhnlichen Sturz im Kiesbett verletzt. Und heute ist Bezzecchi gestürzt und umhergepurzelt, sobald er das Kiesbett erreicht hatte. Sie müssen hier wirklich herausfinden, was sie tun müssen", nimmt Marc Marquez die Streckenbetreiber in Assen und nicht zuletzt auch den Motorrad-Weltverband FIM in die Pflicht.
Auch Fermin Aldeguers Gresini-Teamkollege Alex Marquez hatte am Freitag einen Sturz in Kurve 11. Marc Marquez kam wenige Sekunden später an dieser Stelle vorbei und machte sich sichtlich Sorgen um seinen Bruder, der erst vor sechs Wochen den Horrorunfall in Barcelona relativ glimpflich überstanden hatte und an diesem Wochenende erstmals wieder in der Startaufstellung stand. Mehr noch: Am Sonntag ist Alex Marquez tatsächlich direkt hinter drei Aprilia-Piloten als starker Vierter ins Ziel gekommen.
Marini und Di Giannantonio pflichten Marquez bei
Abgesehen von Jorge Martin und Marc Marquez jagte der Sturz von Marco Bezzecchi in der zweiten Runde des Grand Prix der Niederlande auch anderen MotoGP-Piloten einen Schrecken ein. "Er hatte wirklich extrem viel Glück", sagt etwa Luca Marini, nachdem er die TV-Bilder gesehen hat.
Wie Martin, so äußert auch der Honda-Werkspilot aus Italien zuerst "die Hoffnung, dass es Marco gutgeht und er sich rasch erholen wird", bevor er direkt anschließend den Worten von Marc Marquez zustimmt: "Wir müssen uns diese Auslaufzonen wirklich anschauen. Da gibt es ganz eindeutig Verbesserungsbedarf."

Bezzecchis Sturz passierte in der schnellen Linkskurve vor dem Ziel, Kurve 15
Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images
"Die Kurvengeschwindigkeiten sind mittlerweile so hoch. Wenn du dann stürzt, wird es eng. Das Problem ist, dass man im Kiesbett Salti schlägt", sagt Marini und regt an: "Vielleicht wäre ein bisschen Gras, wie zum Beispiel in Kurve 12, wo Martin [am Freitag] gestürzt ist, eine Möglichkeit. Er hat dort nämlich keine Rollen geschlagen wie es Aldeguer bei seinem vergleichsweise langsamen Sturz passiert ist."
"Wir werden das in der Sicherheitskommission besprechen müssen und versuchen, eine Verbesserung zu bewirken", so Marini. Dem Honda-Piloten geben in diesem Zusammenhang aber nicht nur die Kiesbetten zu denken, sondern auch die Tatsache, wie die Streckenbegrenzung unter anderem in Kurve 15 platziert: "Die Leitplanke steht dort an keiner guten Position. Das gilt für Kurve 7 ebenso."
Fabio Di Giannantonio hat für Kurve 15, wo Bezzecchi gestürzt ist, einen konkreten Vorschlag parat. "Wir haben es schon oft gesehen. Meiner Meinung nach sollte die Auslaufzone mindestens so flach sein wie der Asphalt, oder sogar ein bisschen erhöht. Das würde helfen, uns schneller zu verzögern. Aber an manchen Stellen ist das eben nicht so. Meiner Meinung nach war [der Sturz von Bezzecchi] nicht anders als der von Fermin. Sobald man ins Kiesbett rutscht, fliegt man."
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