Aprilia: Raul Fernandez nennt den Grund für die MotoGP-Dominanz
Raul Fernandez kennt die Aprilia RS-GP aus mehreren Entwicklungsstufen und glaubt, den entscheidenden Grund für den Aufstieg der Marke zu kennen
Raul Fernandez setzte sich in Silverstone gegen seine Markenkollegen durch
Foto: AFP
Aprilia ist in der MotoGP 2026 an der Spitze angekommen. Die RS-GP gilt nicht mehr nur als Geheimtipp für einzelne Strecken, sondern als Motorrad, mit dem gleich mehrere Fahrer regelmäßig um Siege und Podestplätze kämpfen.
Besonders eindrucksvoll zeigte sich das zuletzt in Silverstone: Raul Fernandez gewann den Grand Prix, Jorge Martin wurde Zweiter und Marco Bezzecchi komplettierte das Aprilia-Triple. Für Fernandez ist diese Entwicklung kein Zufall, sondern das Ergebnis vieler kleiner Veränderungen innerhalb der Marke.
Der Spanier weiß, wovon er spricht. Seit seinem Wechsel zum Herstellerprojekt hat er verschiedene Entwicklungsstufen der RS-GP erlebt und damit auch die Schwächen früherer Generationen kennengelernt. Gerade deshalb fällt sein Urteil über den aktuellen Charakter des Motorrads bemerkenswert deutlich aus.
"Ich glaube, seit Fabiano zu Aprilia gekommen ist, ist die Situation bei Aprilia etwas anders", sagt Fernandez. Gemeint ist Technikdirektor Fabiano Sterlacchini, der nach der Saison 2024 von KTM zu Aprilia wechselte und dort Romano Albesiano ablöste. Damit begann bei Aprilia eine neue Phase der technischen Entwicklung.
Fernandez: Unterschied steckt in den Details
Aus der Sicht von Fernandez liegt der entscheidende Fortschritt allerdings nicht in einer einzelnen spektakulären technischen Neuerung. Vielmehr habe Sterlacchini genau jene Bereiche angefasst, die zuvor immer wieder Probleme bereitet hatten.
"Er hat angefangen, an den kleinen Details zu arbeiten", erklärt der Trackhouse-Pilot. "Für die kleinen Probleme, die wir hatten, als ich zu Aprilia kam, hat er angefangen, Lösungen zu finden. Vielleicht war das der entscheidende Punkt."
Diese Einschätzung passt zum Entwicklungsansatz, den Aprilia in den vergangenen beiden Jahren eingeschlagen hat. Die RS-GP26 wurde in praktisch allen Bereichen weiterentwickelt: von der Aerodynamik und das Chassis bis hin zur Elektronik und zum V4-Motor. Sterlacchinis technische Abteilung setzte dabei ausdrücklich auf eine Evolution des gesamten Motorrads statt auf eine einzelne große Lösung.
Auch Fernandez beschreibt die Entwicklung als schrittweisen Prozess. Dabei hebt er neben Sterlacchini ausdrücklich seinen Markenkollegen Marco Bezzecchi hervor.
Der Italiener habe einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung geleistet. "Ich glaube auch, dass Marco in der vergangenen Saison einen sehr guten Job gemacht hat, weil er ebenfalls kleine Dinge am Motorrad verändert hat", verrät Fernandez.
Bezzecchi war 2025, als Jorge Martin lange verletzt war, einer der wichtigsten Bezugspunkte für die Weiterentwicklung der Aprilia. Sterlacchini bestätigte später, dass sich sowohl Bezzecchi als auch Fernandez an bestimmte Charakterzüge der Aprilia anpassen mussten, und dass beide dabei Fortschritte machten.
Motorrad erst schwierig, jetzt leicht zu managen
Besonders interessant ist Fernandez' Beschreibung des Fahrgefühls. Denn die aktuelle Stärke der Aprilia scheint nicht allein in maximalem Grip oder einer besonders schnellen Runde zu liegen. Entscheidend ist vielmehr, wie gut sich die Performance über eine gesamte Renndistanz nutzen lässt. "Jetzt ist es meiner Meinung nach ein Motorrad, das sich sehr leicht managen lässt", sagt der Spanier.
Genau darin sieht Fernandez einen der größten Fortschritte gegenüber früheren Versionen. Er erinnert sich an eine Phase, in der die Aprilia RS-GP zwar schnell sein konnte, der Umgang mit den Reifen sich aber deutlich schwieriger gestaltete.
"Ich erinnere mich daran, dass es vor zwei Jahren ziemlich schwierig war, den Reifen zu managen", erklärt der Spanier. Heute ist die Situation aus seiner Sicht grundlegend anders. Das Motorrad lasse sich kontrollierter fahren und die vorhandene Performance damit wesentlich besser in Rennergebnisse umsetzen.
Das Reifenmanagement ist in der modernen MotoGP von zentraler Bedeutung. Die enorme Aerodynamik, die Elektronik und die komplexen Abstimmungsmöglichkeiten machen die Motorräder extrem leistungsfähig, zugleich aber auch anspruchsvoll.
Aprilia nicht mehr nur schnell, auch vielseitig
Dass die aktuelle Aprilia-Generation diesen schwierigen Spagat offenbar besser beherrscht, zeigt auch die Breite der Ergebnisse. Fernandez gewann 2026 bereits den Sprint in Mugello und setzte sich dabei gegen Werksfahrer Jorge Martin durch.
In Silverstone feierte er schließlich seinen ersten Grand-Prix-Sieg der Saison. Noch aussagekräftiger war die Vorstellung in Assen: Dort gewann Fernandez den Sprint vor seinem Trackhouse-Teamkollegen Ai Ogura, während Aprilia insgesamt alle vier Fahrer in den Kampf um die Spitzenplätze brachte.
Und genau diese Vielseitigkeit macht Fernandez' Einschätzung so interessant. Denn wenn unterschiedliche Fahrertypen mit derselben Basis konkurrenzfähig sind, spricht das eher für ein gut ausbalanciertes und beherrschbares Motorrad als für eine Maschine, die nur unter ganz bestimmten Bedingungen funktioniert.
Der aktuelle Trend bestätigt das. In Silverstone gelang Aprilia ein Dreifachsieg im Grand Prix - Fernandez vor Martin und Bezzecchi. Damit wurde aus dem einstigen Herausforderer endgültig ein Hersteller, der das Tempo an der Spitze bestimmen kann.
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