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Aprilia: Rivola sieht Kampf gegen Marc Marquez als Ehre und Ansporn

Aprilia musste sich in Aragon Marc Marquez geschlagen geben, doch Massimo Rivola sieht sein Team auf dem richtigen Weg - Was es dabei von Marquez lernen kann

Aprilia: Rivola sieht Kampf gegen Marc Marquez als Ehre und Ansporn

In Aragon musste sich Aprilia Lokalmatador Marc Marquez geschlagen geben

Foto: AFP

Aprilia hat beim Grand Prix von Aragon keinen Sieg eingefahren. Dennoch fällt die Bilanz von Massimo Rivola nach dem Wochenende positiv aus.

Marco Bezzecchi eroberte die Poleposition mit einem neuen Streckenrekord. Jorge Martin qualifizierte sich als Fünfter. Im Rennen musste sich Bezzecchi schließlich Marc Marquez und Pedro Acosta geschlagen geben, während Martin Fünfter wurde.

Marquez gewann am Ende mit 1,754 Sekunden Vorsprung auf Acosta, Bezzecchi lag an dritter Stelle 3,629 Sekunden zurück. Für Rivola war das Ergebnis vor allem eine Bestätigung dafür, dass Aprilia auch auf einer Strecke konkurrenzfähig sein kann, auf der man sich im Vorfeld eher in der Defensive gesehen hatte.

Aprilia-Chef zollt Marquez Respekt

"Natürlich muss man alles proportional betrachten", erklärt der Aprilia-Verantwortliche bei Sky Italia und will keinesfalls von einem idealen Wochenende sprechen. "Ideal ist Mugello, wenn du Erster und Zweiter wirst und alle Aprilias vorne stehen."

Aragon sei dagegen eine Strecke gewesen, auf der Aprilia mit weniger Vorteilen gerechnet habe. "Hier wussten wir, dass wir ein bisschen in der Defensive sein würden, wir mussten ein bisschen 'Catenaccio' spielen", zieht Rivola den Fußball-Vergleich.

Umso größer sei die Genugtuung über Bezzecchis Poleposition gewesen, ausgerechnet auf der Heimstrecke von Marc Marquez. Bezzecchi hatte sich am Samstag mit 1:44.962 Minuten den ersten Startplatz gesichert und dabei als erster MotoGP-Pilot überhaupt eine Runde in Aragon unter 1:45 Minuten gefahren.

Da hatte sich Marquez noch mit Platz zwei begnügen müssen. In den Rennen zeigte sich allerdings, weshalb Rivola von einem defensiveren Ansatz sprach. Im Sprint zog Marquez direkt vorbei. Am Sonntag führte Bezzecchi zunächst, ehe Marquez in der sechsten Runde übernahm und das Rennen anschließend kontrollierte.

"Hier bist du bei ihm zu Hause", sagt Rivola mit Blick auf Marquez. Als der Ducati-Pilot das Tempo erhöhte, habe er seine Klasse demonstriert: "Als er beschlossen hat, einen Gang zuzulegen, hat er drei beeindruckende Runden gefahren."

Rivola verteilt Lob an Pedro Acosta

Neben Marquez hebt Rivola ausdrücklich auch Acosta hervor. Der KTM-Pilot wurde Zweiter und hielt den Druck auf Marquez zumindest zeitweise aufrecht. Für Rivola war insbesondere ein Überholmanöver des Spaniers ein Höhepunkt des Rennens.

"Ich glaube, dass Pedro das Überholmanöver des Jahres gemacht hat", sagt er und bezieht sich auf den Moment, als nicht nur Marquez, sondern auch Acosta an Bezzechi vorbeizog. "Das Manöver von Pedro ist für mich eines der schönsten, die ich gesehen habe. Mit dem Mut, bei 350 km/h die Maschine dort hineinzustellen."

Zwar profitierte Acosta vom doppelten Windschatten. "Es gab bestimmte Bedingungen, die er zu seinem Vorteil nutzen konnte", weiß Rivola, "aber ein großes Lob an ihn."

Der Kampf gegen Marquez als Ansporn

Dass Aprilia in Aragon gegen Marquez unterlag, wertet Rivola nicht als Rückschritt. Vielmehr sieht er den Kampf gegen den Ducati-Star als besondere Motivation für sein Team.

"Es stimmt, dass wir einige richtige Schritte gemacht haben, nicht zuletzt auch mit Blick auf die Zukunft", sagt Rivola. Gleichzeitig sei das noch lange nicht genug: "Aber das reicht nicht. Wir müssen es bis zum letzten Rennen auskämpfen."

Dabei weiß Rivola genau, mit welchem Gegner es Aprilia zu tun hat. Marquez sammelte mit seinem Doppelsieg in Aragon die maximal möglichen 37 Punkte und verkürzte seinen Rückstand in der WM auf 19 Punkte. Rivola sieht den Kampf gegen den neunfachen Weltmeister aber nicht als Belastung, sondern als Privileg.

"Wir wissen, dass wir einen Gegner wie Marquez haben, der einer der stärksten Fahrer der Geschichte ist. Die Ehre zu haben, zu versuchen, ihn zu schlagen, ist wunderschön. Das ist ein enormer Ansporn, und wir werden bis zum Schluss nicht aufgeben."

Was Aprilia von Marquez lernen kann

Dabei nimmt man sich auch ein Beispiel an Marquez. Denn der Ducati-Fahrer beweise immer wieder selbst, wie wichtig es sein kann, nicht jedes Mal maximal ins Risiko zu gehen.

"Ich glaube, dass man auch von Marquez das lernen muss", erklärt Rivola. "Sieh dir Mugello an, sieh dir Silverstone an: Er bringt etwas nach Hause, obwohl es so aussieht, als wäre Marquez in einer Krise. Und in Wirklichkeit bringt er es nach Hause, ohne Risiken einzugehen, weil er weiß, dass Konstanz das Wichtigste ist."

Wenn die Situation dagegen einen Sieg erlaube, spiele Marquez seine Stärke konsequent aus, analysiert Rivola weiter: "Wenn er weiß, dass er der Stärkste ist, dann macht er es."

Massimo Rivola

Massimo Rivola sieht sein Team in der Lage, bis zum Schluss zu kämpfen

Foto: Getty Images Europe

Für Aprilia steckt darin eine wichtige Lektion. "Wir müssen viel von ihm lernen, von dieser cleveren Einstellung und dieser Fähigkeit. Das hat man entweder oder man hat es nicht. Er ist der Stärkste, und es ist immer besser, von ihm zu lernen."

Podien sind nicht selbstverständlich

Gleichzeitig versucht Rivola, die Erwartungshaltung innerhalb des eigenen Teams zu kontrollieren. Der Aufstieg Aprilias hat die Ansprüche deutlich erhöht. Podestplätze sind mittlerweile keine Sensation mehr. Doch genau darin sieht Rivola auch eine Gefahr: "Man darf die Dinge nicht als selbstverständlich betrachten."

"Ich sage das oft meinen Leuten: Wir dürfen nicht mit hängenden Köpfen dastehen, wenn wir einen vierten, fünften oder sogar dritten Platz nach Hause bringen", betont er.

Man gewöhne sich sehr schnell an gute Ergebnisse, doch Rivola warnt davor, die Ausgangslage zu unterschätzen: "Wir dürfen nicht vergessen, dass wir gegen Giganten kämpfen und gegen Leute, die viel mehr als wir daran gewöhnt sind zu gewinnen."

Soll heißen: Aprilia kämpfe weiterhin gegen Hersteller mit erheblich größerer Erfahrung und gegen Fahrer, die wesentlich häufiger um Siege und Weltmeisterschaften gefahren sind. Deshalb schraubt das Team seine eigene Ambitionen aber nicht zurück.

Rivola macht klar, dass er selbst schon früh an die Titelchancen seiner Fahrer geglaubt habe: "Wenn es jemanden gibt, der schon im vergangenen Jahr geglaubt hat, dass Bezzecchi und Martin Weltmeister werden können, dann bin ich das." Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang Rivolas Blick auf Martin.

Martin bestätigt Rivolas Vertrauen

Aprilia hatte im vergangenen Jahr darum gekämpft, den Spanier trotz schwieriger Umstände im Team zu halten, obwohl er selbst aus seinem Vertrag wollte. Der Start in die Saison 2026 habe Rivola anschließend in seiner Einschätzung bestätigt.

"Wenn du mich nach dem ersten Test in Thailand in diesem Jahr fragst ... Als ich diesen Test gesehen habe, habe ich gesagt: Das ist einer, der dieses Jahr um die Weltmeisterschaft kämpfen wird", verrät er. Die Entwicklung des Spaniers sei eine Bestätigung dafür, dass sich die damaligen Bemühungen gelohnt haben.

"Das ist ein bisschen der Beweis dafür, dass wir im vergangenen Jahr richtig daran getan haben, um ihn zu kämpfen und ihn zu halten", blickt der Aprilia-Verantwortliche zurück.

Besonders wichtig ist für Rivola jedoch nicht allein die Position in der WM-Tabelle. Er betont auch die Entwicklung der Mannschaft um Martin und Bezzecchi: "Es ist die Genugtuung, ihn glücklich zu sehen, und die Genugtuung zu sehen, dass ein Bezzecchi eine Mannschaft aufgebaut hat, die zu einem echten Team geworden ist."

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