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Aprilia vs. Ducati: Was im Duell um den Mugello-Sieg den Ausschlag gab

"Pecco" Bagnaia, der mit P3 im Italien-Grand-Prix die Ducati-Ehre rettete, schildert, wo Aprilia Vorteile hatte - Marco Bezzecchi blieb cool bis zwei Runden vor Schluss

Aprilia vs. Ducati: Was im Duell um den Mugello-Sieg den Ausschlag gab

Marco Bezzecchi und Francesco Bagnaia teilten sich die Führungsarbeit in Mugello

Foto: AFP

Im Duell der italienischen Fabrikate um den Sieg im Italien-Grand-Prix der MotoGP-Saison 2026 in Mugello hat sich Aprilia gegen Ducati durchgesetzt. Marco Bezzecchi errang sowohl für Aprilia als auch für sich selber den ersten Heimsieg. Jorge Martin auf der zweiten Werks-Aprilia wurde Zweiter und Ai Ogura auf einer der Aprilias des Trackhouse-Teams hat das Podium denkbar knapp verpasst.

Die Ducati-Ehre rettete Francesco Bagnaia, der sich im Fotofinish um den dritten Platz gegen Ogura um 0,034 Sekunden durchsetzte. Marc Marquez auf der zweiten Werks-Ducati kam bei seinem Comeback nach zwei verpassten Grands Prix auf dem siebten Platz ins Ziel. Damit lag er hinter Fabio Di Giannantonio, der auf einer der Ducatis des VR46-Teams den fünften Platz belegte.

Von den 23 möglichen Führungsrunden am Sonntag gingen 12 an Bezzecchi, die übrigen 11 an Bagnaia. Abgesehen von der Startphase war es in der ersten Rennhälfte der Ducati-Pilot, der das Tempo vorgab. In der zweiten Rennhälfte aber konnte er die Pace von Aprilia nicht mehr mitgehen. Um ein Haar hätte Bagnaia auf den letzten Metern noch die dritte Position verloren, was einen Dreifacherfolg für Aprilia bedeutet hätte.

Warum Bagnaia nach 11 Führungsrunden abfiel

Wo hatte Aprilia am Sonntag in Mugello die entscheidenden Vorteile gegenüber Ducati? Als "Pecco" Bagnaia genau das nach seinem dritten Platz in der Pressekonferenz gefragt wird, antwortet er: "Grip am Hinterrad. Ich glaube, uns fehlt es an Grip am Hinterrad. Wenn ich mir die Aprilias anschaue, dann sieht es so aus, dass sie schneller in die Kurven hineinfahren können und ein besseres Kurvenverhalten haben."

"Ich denke, es ist der Grip am Hinterrad. Daran arbeiten wir", sagt Bagnaia und blickt schon mal auf das Rennen am kommenden Wochenende auf dem Balaton Park Circuit in Ungarn voraus: "Das Gripniveau am Balaton ist hoch. Vielleicht haben wir dort weniger Schwierigkeiten. Und dann geht es direkt auf zwei weitere Strecken mit gutem Grip, nämlich Brünn und Assen. Ich denke, dort können wir konkurrenzfähig sein."

Francesco Bagnaia

Für die kommenden Rennen rechnet sich Bagnaia mehr aus als "nur" Platz drei

Foto: Getty Images Europe

In Mugello reichte die Konkurrenzfähigkeit der Ducati Desmosedici GP26 von Bagnaia zwar für die Führung von der dritten bis zur 13. Runde. Die übrigen Runden aber führte Marco Bezzecchi an. Und der Italiener auf der Aprilia RS-GP26 lässt anklingen, dass er durchaus noch mehr Runden hätte anführen können, wenn es denn notwendig gewesen wäre.

Bezzecchi geriet hinter Bagnaia nicht in Panik

"Anfangs hatte ich ein schönes Duell mit Jorge", denkt Bezzecchi an die erste Runde zurück, in der er sich mit Teamkollege Jorge Martin an der Spitze des Feldes abwechselte. "Ich wollte eigentlich vorne bleiben, denn ich wusste, dass mein Vorderreifen länger halten würde, wenn ich niemanden vor mir habe. Dann aber kam 'Pecco' wie eine Rakete an mir vorbei."

Der von Bezzecchi angesprochene "Pecco" Bagnaia glaubte für ein paar Runden, dass es für ihn mit einem vierten Mugello-Sieg klappen könnte. "Das Gefühl war da, ja. Aber dann ließ der Grip am Hinterrad nach und es war mehr oder weniger so wie in Thailand. Plötzlich hatte ich auf den Geraden ein durchdrehendes Hinterrad", berichtet der Ducati-Pilot.

Bezzecchi jedenfalls machte sich keine großen Sorgen - auch nicht, als er vorübergehend hinter Bagnaia lag. "Nachdem er an mir vorbei war, war er extrem schnell. Ich geriet aber nicht in Panik. Ich habe einfach versucht, an ihm dranzubleiben, aber nicht zu dicht, denn ich wollte keine Überhitzung riskieren", sagt der Aprilia-Pilot.

Marco Bezzecchi

Sieger Marco Bezzecchi mit seinem Zanardi-Helmdesign auf dem Podium

Foto: AFP

Den Abstand auf Teamkollege Martin hatte Bezzecchi im Griff, solange er hinter Bagnaia herfuhr. "Als ich sah, dass Jorge zurückfiel, gab mir das das Vertrauen, zu warten. Als ich dann aber sah, dass Jorge wieder herankommt, sagte ich mir: 'Okay, jetzt ist der Moment, um die Führung zu übernehmen.' Und nachdem ich an 'Pecco' vorbei war, konnte ich meinen Rhythmus fahren. Das Motorrad war fantastisch."

Als es für Bezzecchi doch noch schwierig wurde

Mit dem Grand-Prix-Sieg auf heimischem Boden hat Bezzecchi am Sonntag das erlebt, was Bagnaia in den Jahren 2022, 2023, 2024 erlebt hat. Für Bezzecchi war es aber nicht nur deshalb ein besonderer Triumph, weil es sein erster Heimsieg war. Herausgefahren hat er diesen mit dem Helmdesign von Italiens Nationalheld Alex Zanardi. Zudem gab es am Sonntag eine Reihe von Gästen in der Boxengasse, die Bezzecchi die Daumen drückten.

Marco Bezzecchi

Seinen ersten Heimseig ordnet Bezzecchi ob der Emotionen ganz hoch ein

Foto: Getty Images Europe

Formel-1-WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli, mit dem Bezzecchi gut befreundet ist, war zusammen mit seinem Vater vor Ort. Aber auch die Familie Bezzecchi erschien in größerem Aufgebot als üblich. Denn Laura und Silvia, die beiden Schwestern des MotoGP-WM-Spitzenreiters, kamen nach Mugello und erlebten den Triumph ihres Bruders live vor Ort. Hinzu kamen die zahlreichen Fans, die in Mugello naturgemäß die Italiener anfeuern.

Das alles ging nicht spurlos an Bezzecchi vorbei: "Um ganz ehrlich zu sein, die letzten zwei Runden waren wirklich schwierig. Plötzlich sah ich all die Leute auf den Tribünen und auf den Wiesen, wie sie mir zuwinkten. Da war es nicht einfach, die Konzentration zu behalten. Aber als ich die Ziellinie dann überquert hatte, war das Gefühl einfach unglaublich."

"Was die Emotionen betrifft, war es heute ähnlich wie bei einem ersten MotoGP-Sieg", denkt Bezzecchi an den Grand Prix von Argentinien 2023 in Termas de Rio Hondo zurück. Damals war es sowohl für ihn selbst als auch für das VR46-Team von Valentino Rossi der erste Sieg in der Königsklasse. Am Sonntag nun hat er dort gewonnen, wo Rossi allein in der Königsklasse siebenmal triumphiert hat.

"Heute ist ein Traum wahr geworden", bekennt Bezzecchi und ordnet ein: "Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass der Sieg heute der schönste war. Der zweitschönste, aber mit denselben Emotionen, war mein erster. Und der drittschönste war vielleicht der in Brasilien in diesem Jahr."

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