Aprilia-Werksduo mit Titelpotenzial: "Wir machen uns besser"
Aprilia bewegt sich in der MotoGP auf einen internen WM-Kampf auf höchstem Niveau zu - Bezzecchi und Martin sehen sich dabei gegenseitig als Antrieb
Marco Bezzecchi und Jorge Martin steuern auf teaminternes Titelduell zu
Foto: Getty Getty
Nach dem Grand Prix von Frankreich verdichten sich die Anzeichen, dass sich in der MotoGP-Saison 2026 ein internes Duell der Aprilia-Werkspiloten um den Titel entwickelt. Nach dem Doppelsieg von Jorge Martin in Le Mans trennt ihn nur noch ein Punkt von WM-Leader Marco Bezzecchi.
Die Diskussion um eine mögliche Vorentscheidung im Titelkampf wurde zusätzlich durch den schweren Sturz des amtierenden Weltmeisters Marc Marquez angeheizt, der zumindest ein Rennen, möglicherweise auch mehr, ausfallen dürfte.
Martin reagiert zunächst mit klaren Worten der Anteilnahme: "Ich möchte Marc meine volle Unterstützung senden. Man will nie einen anderen Fahrer verletzt sehen. Es war ein heftiger Sturz, aber wir wissen alle, dass Marc immer stärker zurückkommt."
"Wir machen uns gegenseitig besser"
Angesprochen auf die Dynamik innerhalb von Aprilia und die Tatsache, dass sein Teamkollege sein ärgster Titelrivale ist, sieht Martin darin sogar eine Stärke. Denn Bezzecchi sei für ihn ohnehin zum Referenzpunkt geworden: "Marco ist meine Motivation. Wenn er stark ist, bringt er auch das Beste aus mir heraus."
Der Weltmeister von 2024 betont dabei auch die technische Nähe innerhalb des Teams, die den gegenseitigen Lernprozess beschleunigt. "Wir fahren das gleiche Motorrad. Wenn er etwas ausprobiert und es gut ist, ist es auch gut für mich. Deshalb machen wir uns gegenseitig immer besser und besser", so Martin.
Martin zieht daraus eine klare sportliche Logik: Die interne Rivalität sei kein Risiko, sondern ein Wettbewerbsvorteil. "Wenn das so bleibt, sind wir einen Schritt vor allen anderen."
Bezzecchi warnt vor frühen Prognosen
Auch Bezzecchi ordnet die Situation ähnlich ein, bleibt jedoch vorsichtig in Bezug auf konkrete Titelprognosen: "Es ist noch zu früh, um über die Meisterschaft zu sprechen. Aber Jorge hebt das Niveau und zwingt mich ständig, mich zu steigern."
Gleichzeitig sieht der Italiener genau darin den Schlüssel für die eigene Entwicklung. "Ich möchte ihn als Motivation nutzen, um jeden Tag stärker zu werden. Und sicher macht er das Gleiche mit mir", betont der aktuelle WM-Leader und ergänzt: "Es ist gut, in dieser Position zu sein, aber es ist noch ein langer Weg."
Die teaminterne Rivalität nimmt er gelassen, wenn auch mit Respekt: "Es ist schwierig, weil er sehr stark ist, aber es ist positiv, weil ich jeden Tag von ihm lernen kann."
Bagnaia sieht in Martin Titelpotenzial
Einer, der genau weiß, wie es ist, gegen Martin um den Titel zu kämpfen, ist Francesco Bagnaia. Konnte er sich 2023 noch durchsetzen, verlor er die WM-Krone im Jahr darauf an seinen damaligen Ducati-Markenkollegen. Mit Blick auf die aktuelle Saison findet er findet deutliche Worte über Martin und dessen Erfolgsrezept.
"Er ist klar ein Titelkandidat. Er nutzt dieselbe Strategie wie 2024, als er mich geschlagen hat: immer ins Ziel kommen, immer Punkte sammeln", analysiert Bagnaia Martins Stärke."Wenn er nicht gewinnen kann, nimmt er das beste Ergebnis mit. Genau diese Eigenschaft hat mich die Meisterschaft 2024 gekostet."
Trotz ihrer Kämpfe auf der Strecke pflegen die beiden ein gutes Verhältnis. Deshalb freut sich Bagnaia auch für Martin: "Er hat es verdient. Letztes Jahr hatte er eine sehr schwere Saison. Wieder auf dieses Niveau zurückzukehren, ist bewundernswert."
Rivola: "Solange Respekt herrscht ..."
Bei Aprilia selbst sieht man die interne Konstellation als Herausforderung, aber nicht als Risiko. Rennleiter Massimo Rivola betont die klare Struktur innerhalb der Mannschaft: "Es ist eine schöne Herausforderung. Ich bin bisher nicht besorgt."
Die interne Regel sei eindeutig und einfach. "Sie wissen, dass die einfache Regel lautet: Respekt vor den Menschen in der Garage, in Noale und zwischen den Fahrern", erklärt Rivola und bringt die Situation pragmatisch auf den Punkt: "Natürlich kann nur einer gewinnen. Wenn es eine Aprilia ist, bin ich zufrieden."
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