Aprilia zieht nach: 2027er-Prototyp feiert sein Streckendebüt
Aprilia bringt als letzter MotoGP-Hersteller den 850-ccm-Prototypen für 2027 erstmals auf die Strecke - In Jerez sammelt das Werk wichtige Daten für die Zukunft
Aprilia brachte seinen 2027er-Prototyp am Mittwoch erstmals auf die Strecke
Foto: Germán Garcia Casanova
Aprilia hat als letzter Hersteller der MotoGP den nächsten großen Entwicklungsschritt eingeläutet: In Jerez brachte das italienische Werk an diesem Mittwoch erstmals seinen 850-ccm-Prototypen für die Saison 2027 auf die Strecke. Pilot des privaten Shakedown war Testfahrer Lorenzo Savadori.
Damit schließt sich Aprilia den Konkurrenten KTM, Honda und Yamaha an, die bereits Ende vergangenen Jahres erste Ausfahrten absolviert hatten, sowie Ducati, das am 13. April einen Shakedown durchführte. Hintergrund ist die umfassende Regelreform ab 2027, in deren Zuge die Königsklasse auf 850 ccm umstellt.
Ursprünglich war der Test für Donnerstag vorgesehen. Regenbedingte Änderungen im Zeitplan der Moto3- und Moto2-Sessions, die am Dienstag und Mittwoch offizielle Testtage in Jerez absolvierten, eröffneten jedoch kurzfristig ein Zeitfenster.
Dieses nutzte Aprilia, um früher mit der Arbeit zu beginnen und erste Daten für die Weiterentwicklung des Bikes zu sammeln, wenn auch unter schwierigen Bedingungen.
Aprilia am Montagstest erneut stark
Jerez hatte erst am Wochenende zuvor den Spanien-Grand-Prix ausgetragen. Dort gewann Alex Marquez vor Marco Bezzecchi auf Aprilia, der damit weiterhin die Gesamtwertung anführt. Beim anschließenden offiziellen In-Season-Test am Montag setzte Ai Ogura auf einer Trackhouse-Aprilia die Tagesbestzeit.
Beides ist ein deutliches Signal für die aktuell starke Form des Herstellers aus Noale, sowohl sportlich als auch in der technischen Entwicklung, insbesondere im Bereich Aerodynamik, unter der Leitung von Technikchef Fabiano Sterlacchini.
"Unser Ziel - mal sehen, ob wir es erreichen - ist es, so gut wie möglich auf das vorbereitet zu sein, was uns mehr oder weniger erwartet. Für uns haben wir den Tests hinter verschlossenen Türen Priorität eingeräumt, um zu versuchen, an die Strecke zu kommen und regelmäßig ohne Probleme zu fahren", erklärt er.
Mit Blick auf die noch offenen Details des neuen Reglements ab der Saison 2027 ergänzt Sterlacchini: "Ihr wisst, dass die Aerodynamik-Regeln für die MotoGP 2027 noch nicht so klar definiert sind, deshalb werden wir einen Prototyp rund um den 850-ccm-Motor haben und dann mit der Entwicklung beginnen."
"Wir werden an der aerodynamischen Konfiguration arbeiten, aber bedenkt, dass es auch eine Änderung der Einheitssoftware geben wird, die das Schaltmanagement und andere Eigenschaften betreffen wird", blickt der technische Leiter voraus.
Testwoche in Jerez noch nicht zu Ende
Parallel zur Entwicklung des 2027er-Prototyps arbeitet Aprilia weiterhin intensiv am Motorrad für 2026, mit dem der erste MotoGP-Titel angepeilt wird. Gleichzeitig treiben Ingenieure, Techniker und Testteam um Savadori das Zukunftsprojekt voran.
Erste Videoaufnahmen des Teams deuten darauf hin, dass das neue Bike bereits in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium ist, obwohl es erst sein Streckendebüt gab.
Die Regeländerungen für 2027 bringen tiefgreifende Einschnitte mit sich: Neben der Reduktion des Hubraums von 1000 auf 850 ccm werden die Aerodynamik eingeschränkt, Ride-Height-Systeme komplett verboten und elektronische Hilfen reduziert.
Zudem wird vollständig nachhaltiger Kraftstoff vorgeschrieben. Eine weitere zentrale Neuerung betrifft die Reifen: Pirelli wird Michelin als Einheitslieferant ablösen.
In Jerez stehen für Donnerstag und Freitag zwei weitere private Testtage an. Neben Aprilia werden auch Yamaha und Ducati vor Ort sein. Aprilia plant, sowohl am 2026er-Bike zu arbeiten als auch die Entwicklung des 2027er-Bikes voranzutreiben. Ein weiterer Testtermin ist für kommenden Dienstag in Mugello angesetzt.
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