Asymmetrische Reifen im Fokus: Morbidelli erklärt das Prinzip dahinter
Asymmetrische Reifen gehören in der MotoGP zum Alltag, doch wie stark merkt ein Fahrer den Unterschied überhaupt? Franco Morbidelli gibt spannende Einblicke
Laut Morbidelli spürt man den Unterschied bei asymmetrischen Reifen gar nicht
Foto: Getty Getty
Asymmetrische Reifen gehören in der MotoGP längst zum festen Repertoire, wenn Streckenlayouts ein klares Ungleichgewicht in der Kurvenverteilung aufweisen. Besonders Kurse mit vielen Kurven in eine Richtung - also überwiegend Rechts- oder Linkskurven - stellen die Reifen vor einseitige Belastungen.
Um dem entgegenzuwirken, setzt der Ausrüster auf unterschiedliche Gummimischungen innerhalb eines Reifens: eine härtere Seite für die stärker beanspruchte Flanke und eine weichere für die weniger belastete. Ziel ist es, Verschleiß auszugleichen, konstante Performance über die Distanz zu gewährleisten und dem Fahrer trotz der asymmetrischen Anforderungen ein möglichst neutrales Fahrgefühl zu bieten.
Für Franco Morbidelli sind solche Reifen längst mehr als nur ein technisches Detail. Sie sind ein zentraler Faktor für Konstanz und Vertrauen auf höchstem Wettkampfniveau. Dabei macht der Italiener deutlich, wie subtil oder eben gerade nicht spürbar sich die Unterschiede zwischen den Reifenseiten auswirken.
"Sehr ähnliche Performance auf beiden Seiten"
Im Kern gehe es bei asymmetrischen Reifen darum, die Belastung der Strecke optimal abzubilden. "Man hat unterschiedliche Mischungen, weil es eine starke und eine schwache Seite des Reifens gibt", beschreibt der VR46-Ducati-Pilot.
Die "schwache" Seite sei aber nicht etwa minderwertig, sondern schlicht weniger beansprucht, da hier weniger Kurven gefahren werden. Entsprechend kommt dort eine weichere Mischung zum Einsatz, während die stärker belastete Seite mit einer härteren Mischung ausgestattet ist, "um die Haltbarkeit besser zu managen".
Genau diesen Unterschied soll der Fahrer idealerweise gar nicht wahrnehmen. "Man spürt es nicht, und dass man den Unterschied zwischen den Seiten nicht spürt, ist etwas Gutes", betont Morbidelli. Denn das bedeute, "dass man eine sehr ähnliche Performance auf beiden Seiten hat, und genau so sollte es sein". Für die Ingenieure ist das ein klares Ziel: maximale Ausgewogenheit trotz unterschiedlicher Anforderungen.
Morbidelli lobt besonders die Medium-Option
Beim Thema Temperaturverhalten beschreibt Morbidelli die aktuellen Reifen als besonders gutmütig. Zwar gebe es ein optimales Arbeitsfenster, in dem der Reifen die beste Performance liefert, doch dieses sei keineswegs eng begrenzt. "Ja, es gibt ein Fenster", sagt er, stellt aber klar: "Es ist eigentlich ziemlich breit."
Das bedeutet in der Praxis: Der Reifen funktioniert über einen großen Temperaturbereich hinweg zuverlässig, ohne dass die Performance plötzlich stark einbricht. Ein abrupter Gripverlust, wie man ihn früher teilweise kannte, sei damit kaum ein Thema.
Ein entscheidender Faktor dafür ist laut Morbidelli die aktuelle Reifenmischung. Besonders hebt er die Medium-Option hervor. "Wir haben einen wirklich guten Reifen, der eine sehr große Bandbreite hat", erklärt der Italiener. Dieser Reifen funktioniere auf völlig unterschiedlichen Strecken gleichermaßen überzeugend.
"Er kann von Phillip Island bis Sepang eingesetzt werden, und das Gefühl ist auf beiden Strecken sehr gut", obwohl diese Kurse kaum unterschiedlicher sein könnten.
Auch die asymmetrische Variante dieses Reifens habe sich bereits bewährt. Morbidelli verweist auf Einsätze in Brasilien sowie am Sachsenring: "Der ist ebenfalls wirklich gut, und das Gefühl damit ist sehr positiv." Die Konstanz über verschiedene Layouts hinweg unterstreicht die Fortschritte in der Reifenentwicklung - ein Aspekt, der in einem eng umkämpften Feld wie dem der MotoGP oft den Unterschied macht.
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