Bagnaia trotzt Angstgegner: Podium in Ungarn mit Glück am Start
Francesco Bagnaia kämpft in Ungarn das gesamte Wochenende mit den Tücken des Balaton Park Circuit - Dank einer Portion Glück rettet er am Ende Platz drei ins Ziel
Francesco Bagnaia fuhr am Sonntag in Ungarn unverhofft aufs Podest
Foto: Getty Getty
Francesco Bagnaia hat in Ungarn Schadensbegrenzung betrieben. Der Ducati-Werksfahrer kämpfte sich auf dem Balaton Park Circuit von Startplatz fünf auf Rang drei und feierte damit sein drittes Grand-Prix-Podium in Folge.
Das Ergebnis liest sich auf den ersten Blick stark, doch der Italiener macht nach dem MotoGP-Wochenende keinen Hehl daraus, dass ihm die Strecke weiterhin große Schwierigkeiten bereitet. Zudem profitierte er am Sonntag von einem Startunfall, der gleich mehrere Konkurrenten aus dem Rennen riss.
Bereits am Freitag hatte Bagnaia die Ursache seiner Probleme klar benannt. Vor allem in den Linkskurven fehlte ihm das Vertrauen in das Heck seiner Ducati.
"In jeder Linkskurve habe ich das Heck verloren. Es ist schwierig zu verstehen, warum. Rechts kann ich das Motorrad stoppen und gut einlenken, aber links verliere ich jedes Mal das Heck - sogar ohne Gas", schilderte der zweifache MotoGP-Weltmeister seine Schwierigkeiten auf dem Kurs in Ungarn.
Bagnaia: Fahrstil passt nicht zur Strecke
Dass dieser ihm nicht liegt, zeigte sich auch am Samstag. Zwar schaffte Bagnaia über Q1 den Einzug in die zweite Qualifying-Session und stellte seine Ducati schließlich auf Startplatz fünf, im Sprint reichte es jedoch nur zu Rang neun.
Mit dem Resultat war er entsprechend unzufrieden, die eigene Leistung bewertete er dagegen deutlich positiver. "Ich gebe hier 200 Prozent, um schnell zu sein, aber mein Fahrstil passt einfach nicht zu dieser Strecke", erklärte der Italiener.
Vor allem in den engen Passagen des Kurses habe er große Probleme. Dabei blickte er auch auf seinen Teamkollegen Marc Marquez, der später sowohl Sprint als auch Grand Prix gewinnen sollte. "Marc ist in solchen Kurven der Beste, er ist der Meister der engen Kurven. Ich versuche, mich dort zu verbessern."
Trotz aller Schwierigkeiten erkannte Bagnaia aber auch Fortschritte. Er habe sich im Verlauf des Wochenendes gesteigert, auch wenn ihm vor allem beim Herausbeschleunigen weiterhin viel Zeit fehle. Dass er überhaupt auf Startplatz fünf stand, wertete der Ducati-Werkspilot jedoch als positives Signal.
"Das ist sehr, sehr wichtig. Mit Platz neun im Sprint bin ich nicht zufrieden, aber mit meiner Performance hier schon. Auch 2023 oder 2024 hätte ich auf dieser Strecke ähnliche Probleme gehabt", erinnerte er. Für den Grand Prix zeigte er sich dennoch optimistisch und kündigte einen Kampf um die Top 5 an.
Bagnaia am Start mit einer Portion Glück
Tatsächlich wurde es am Sonntag sogar ein Podestplatz, allerdings unter turbulenten Umständen. Direkt nach dem Start kam es in der ersten Kurve zu einer folgenschweren Kollision. Jorge Martin verlor die Kontrolle, mehrere Fahrer wurden mitgerissen.
Bagnaia entging dem Chaos nur knapp: "Wenn ich einen guten Start erwischt hätte, wäre ich sicher mit ihnen am Boden gelegen", glaubt der zweifache MotoGP-Weltmeister. Ausgerechnet ein kleiner Fehler beim Anfahren rettete ihn: "Zum Glück hatte ich beim Einkuppeln etwas Schlupf und war dadurch ein Stück weiter hinten. Als Martin ankam, hatte ich gerade noch die Möglichkeit auszuweichen."
Nach dem Chaos fand sich Bagnaia früh auf Rang drei wieder und versuchte zunächst, dem Führungsduo aus Marc Marquez und Pedro Acosta zu folgen. Doch nach wenigen Runden musste er einsehen, dass deren Tempo außer Reichweite lag.
"Ich habe in den ersten fünf oder sechs Runden versucht, Marc und Pedro zu folgen. Dann habe ich verstanden, dass es nicht mein Rennen und nicht mein Kampf war", bestätigt er. Als Marquez das Tempo weiter erhöhte, konzentrierte sich Bagnaia darauf, den Vorsprung auf die Verfolger hinter ihm zu kontrollieren.
Den Grund, warum er nicht ganz vorne mit kämpfen konnte, sieht Bagnaia bei sich selbst. Schon vor dem Wochenende habe er gewusst, dass die vielen engen Kurven eine Herausforderung werden würden: "Das ist mein Schwachpunkt. Ich muss von Marc oder von den Fahrern lernen, die in diesen Kurven besonders stark sind."
Zudem habe ihm konstant Grip an Vorder- und Hinterrad gefehlt. Ducati testete zahlreiche Abstimmungen, doch die erhoffte Lösung blieb aus. "Ich habe alles versucht, viele Set-ups getestet. Aber inzwischen denke ich, dass es mehr an meinem Fahrstil liegt."
Ein Blick in die Daten bestätigte diesen Eindruck. Laut Bagnaia hatten die anderen Ducati-Piloten auf dem Balaton Park Circuit ein besseres Gefühl für das Motorrad. Deshalb zieht er ein selbstkritisches Fazit: "Ich muss mich einfach verbessern."
Hinzu kamen am Sonntag weitere Probleme. Während er im Vergleich zum Vorjahr beim Gefühl für die Front Fortschritte spürte, hatte er mit der rechten Seite des Motorrads zu kämpfen. "Ich hatte viel Blockieren am Vorderrad. Es war sehr schwierig, das Motorrad zu stoppen, und beim Bremsen hat es stark geschüttelt."
Dennoch brachte Bagnaia Rang drei souverän ins Ziel. Nachdem Marquez seinen 100. Grand-Prix-Sieg gefeiert und Ducati den 100. MotoGP-Erfolg des Werksteams beschert hatte, blieb für den Italiener die Erkenntnis, auf einer seiner schwierigsten Strecken für sich das Maximum herausgeholt zu haben.
Mit Blick auf den kommenden Grand Prix in Brünn erwartet Bagnaia nun andere Voraussetzungen. Die Frage, ob Ducati nach dem starken Ungarn-Wochenende ein Zeichen gegen die zuletzt viel gelobte Aprilia gesetzt habe, beantwortet der Italiener zurückhaltend: "Ich denke, hier hat die Strecke stärker den Unterschied gemacht als die Motorräder. In Brünn wird es eine andere Geschichte sein."
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