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Bei 300 km/h fast kollidiert: Für Bezzecchi und Marquez "beängstigend"

Bei weit über 300 km/h kamen sich die Motorräder von Marquez und Bezzecchi auf der Geraden gefährlich nahe - So beschreiben beide die brenzlige Szene in Aragon

Bei 300 km/h fast kollidiert: Für Bezzecchi und Marquez "beängstigend"

Zwischen Marco Bezzecchi und Marc Marquez wurde es einmal sehr eng

Foto: JOSE JOSE

Es war die Szene des MotoGP-Rennens im MotorLand Aragon. In der sechsten Runde griff Marc Marquez (Ducati) in der Schikane Kurve 14/15 Marco Bezzecchi (Aprilia) an und sie schossen nebeneinander bei weit über 300 km/h die fast einen Kilometer lange Gerade Richtung Zielkurve entlang.

Beinahe hätten sich die beiden Motorräder seitlich berührt. "Ja, es war ein unglaublicher Moment", sagt Marquez zu dieser Szene. "Ich meine, ein beängstigender Moment. Es war selbst auf dem Motorrad ein sehr seltsamer Moment."

"Mit dieser ganzen Aerodynamik gab es einen Moment bei 300 Kilometern pro Stunde, bei dem sich unsere Motorräder gegenseitig angesogen haben." Beide wurden zudem auf die linke Seite der Geraden getragen.

Bezzecchi war so weit links, dass er den weißen Strich berührte. Marquez wurde praktisch mit nach links gezogen. "Ich habe versucht, auf die rechte Seite zu ziehen", sagt der Spanier weiter, "aber mein Motorrad wurde zu ihm hingesaugt."

"Und ich glaube, sein Motorrad wurde ebenfalls zu meinem Motorrad hingesaugt. Wenn man sich das in der Wiederholung ansieht, gab es sogar einen kleinen Wheelie im sechsten Gang. Es war unmöglich, mich von seinem Motorrad zu lösen."

"An einem bestimmten Punkt hat Marco ein wenig aufgegeben, weil er auf der schmutzigen Seite war. Es war also ein beängstigender Moment", findet Marc Marquez, "aber eine gute Show für die Fans."

Bezzecchi bestätigt, dass es sich auch für ihn so angefühlt hat, dass sich die beiden Motorräder angesaugt haben: "Ja, insgesamt stimme ich Marc zu. Ich meine, es war hart. Ich habe versucht, die Linie in Kurve 15 zu kreuzen, als er mich überholt hat."

"Ich wollte versuchen, die Linie zu kreuzen, weil ich wusste, dass Marc versuchen würde, an der Schikane einen Angriff zu starten. Ich habe sein Motorrad gehört, also wusste ich, dass er da etwas versuchen würde."

"Sein Motorrad hat wirklich gut beschleunigt, mein Motorrad ebenso, also waren wir nahe beieinander. Es war ein seltsames Gefühl, denn durch die Luft", spricht auch Bezzecchi die Aerodynamik an, "bin ich nahe an ihn herangekommen."

"Ich wollte auf Abstand gehen, aber mehrmals kam ich näher, und dann ging das so hin und her. Dabei war ich ein bisschen zu weit links, sodass ich etwas früher bremsen musste."

Dadurch übernahm Marquez die Führung von Bezzecchi. Der Italiener verlor in der Bremsphase für Kurve 16 auch noch den zweiten Platz an Pedro Acosta. Der KTM-Fahrer nutzte den Windschatten und überholte die Aprilia außen auf der Bremse.

"Sie waren auf der linken Seite, und ich habe einfach versucht", schildert Acosta die Situation aus seiner Sicht. "Ich meine, ich war ein wenig im Windschatten, und dann habe ich einfach nach rechts gezogen."

"Letztendlich war ich in der richtigen Position. Auch wenn ich den Randstein [außen] etwas nutzen musste, war es, würde ich sagen, ein einfaches Manöver." Damit war Acosta im Kampf um den Sieg dabei.

Marquez "cruist" anschließend zum Sieg

Marquez übernahm erstmals im Rennen die Führung und konnte anschließend den Druck von Acosta brechen. Dem KTM-Fahrer war aber rasch klar, dass er Marquez wohl nicht besiegen würde können.

"Ich wusste, dass Marc am Ende des Rennens noch etwas draufhaben würde, denn von hinten sah er wirklich entspannt aus. Aber ich habe einfach versucht, dem Rhythmus zu folgen und zu sehen, wo ich lande."

In der 13., 14., 15. und 16. Runde fuhr Marquez hohe 1:46er-Zeiten und baute sich damit einen Vorsprung von 1,7 Sekunden gegenüber Acosta auf. Das war die Entscheidung um den Grand-Prix-Sieg.

"Ich habe versucht, vor allem das Risiko, die Energie und den Reifen in den Rechtskurven unter Kontrolle zu halten", sagt Marquez über seine Taktik. "Und ja, ich bin einfach dahingecruist."

"Als noch zehn Runden übrig waren, wusste ich, dass die Rundenzeiten für den Reifen und für mich selbst in Ordnung waren, um anzugreifen. Und das habe ich getan: ein wenig in den Rechtskurven attackiert und die 1:46 gefahren."

Dass Acosta letztlich sein größter Gegner sein würde, war Marquez schon vor dem Rennen klar: "Besonders meine Manöver in Kurve 2 und 3 [nach dem Start] halfen ihm, andere Fahrer zu überholen, denn er ist super clever und aggressiv."

"Schon gestern war er in den letzten Runden des Sprintrennens der Schnellste. Und heute im Warm-up war er mit dem gebrauchten Hinterreifen Zweiter. Also wusste ich, dass Pedro einer der Kandidaten war."

Platz drei für Bezzecchi das Maximum

Bezzecchi, der von der Poleposition gestartet war, konnte das restliche Rennen nur noch hinter den beiden Spaniern herfahren. War Platz drei das bestmögliche Ergebnis? "Ja, ich denke schon", antwortet der Aprilia-Fahrer.

"Es war ein hartes Rennen, ein langes Rennen, super heiß. Von Anfang an, selbst als ich in Führung lag, habe ich gesehen, dass meine Pace nicht so gut war, wie ich erwartet hatte. Ich habe mein Bestes versucht, um eine Lücke zu öffnen."

"Mir war aber auch klar, dass Marc zurückkommen würde. Ehrlich gesagt wollte ich es ihm und auch Pedro ein bisschen schwerer machen, aber ich habe beide Plätze innerhalb von ein paar Sekunden verloren."

"Es war ein wunderbares Wochenende. Im vergangenen Jahr habe ich das Rennen vom letzten Platz aus gestartet. Dieses Jahr habe ich die Poleposition geholt und zwei Podestplätze geschafft, also bin ich sehr zufrieden."

In der WM-Wertung überholte Marquez Bezzecchi und ist nun Zweiter, 19 Punkte hinter Jorge Martin. Bezzecchi hat 24 Punkte Rückstand auf seinen Aprilia-Teamkollegen.

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