"Bin Massimo dankbar": Martin blickt auf Vertragsstreit mit Aprilia zurück
Vor einem Jahr wollte Jorge Martin Aprilia verlassen, jetzt feiert er in Le Mans einen emotionalen Sieg - Wie er und Massimo Rivola den Konflikt heute bewerten
Massimo Rivola ließ Jorge Martin nicht gehen: Der Erfolg gibt ihm recht
Foto: Aprilia Aprilia
Als Jorge Martin im Mai 2025 nach Le Mans reiste, stand seine Zukunft bei Aprilia auf der Kippe. Verletzungen, Zweifel an der Konkurrenzfähigkeit des Motorrads und eine Ausstiegsklausel hatten den Weltmeister von 2024 damals dazu gebracht, seinen vorzeitigen Abschied aus Noale anzustoßen.
Nun, zwölf Monate später, feiert Martin ausgerechnet in Le Mans seinen ersten Sieg der Saison 2026 und offen darüber, wie sehr ihn die damalige Phase geprägt hat.
"Es war nicht nur körperlich. Die mentale Seite war letztes Jahr wirklich zermürbend für mich", blickt Martin auf seine damalige Verfassung zurück. Der Spanier erinnert sich daran, wie er Teamchef Massimo Rivola am Rande des Grands Prix von Frankreich 2025 mitteilte, seinen Vertrag vorzeitig auflösen zu wollen.
"Ich sagte ihm, dass ich gehen will, weil ich zu diesem Zeitpunkt dachte, das sei die beste Option." Damals herrschte rund um Aprilia und Martin wochenlang Unruhe.
Martin wollte weg, Aprilia sagte nein
Medienberichte enthüllten, dass Martins Vertrag eine Klausel enthielt, die ihm einen Ausstieg ermöglicht hätte, falls er nach den ersten Rennen nicht im Titelkampf liegen sollte. Durch wiederholte Verletzungen, die er sich in der Vorsaison und beim Katar-Grand-Prix zugezogen hatte, war Martin 2025 kaum gefahren.
Somit stand der Spanier auch nach fünf Saisonstationen noch bei null Punkten. Aprilia wiederum beharrte darauf, dass die Vertraugklausel unter diesen Umständen nicht greife und pochte öffentlich auf die Gültigkeit des Vertrags bis Ende 2026.
Dass die Geschichte nun eine völlig andere Wendung genommen hat, schreibt Martin auch Rivola zu. "Jetzt bin ich Massimo dankbar, dass er mich gehalten hat", sagt der Le-Mans-Sieger und ergänzt: "Und ich bin dankbar für meine Entscheidung, den Kampf schließlich zu beenden und bei Aprilia zu bleiben."
Inzwischen sehe er viele der damaligen Rückschläge als wichtigen Teil seiner Entwicklung: "Für alles, was mir passiert ist, bin ich dankbar. Denn es macht mich zu dem Mann, der ich heute bin. Es ist eben ein Teil des Lebensweges", betont Martin.
Rivola erkannte Martins Potential sofort
Auch Rivola selbst blickt ohne Bitterkeit auf die turbulenten Monate und Martins damaligen Wechselwunsch zurück: "Ich bin super glücklich darüber, überhaupt nicht traurig."
Der Sieg in Le Mans wirkt nun wie die sportliche Bestätigung dafür, warum Aprilia an Martin festgehalten hatte. Rivola verrät, dass ihn die Leistungsfähigkeit seines Fahrers schon früh beeindruckt habe, und das trotz der langen Verletzungspause.
"Als ich seinen ersten Test gesehen habe", sei ihm klar gewesen, dass Martin auf der Aprilia früher oder später gewinnen würde, sagt Rivola. "Das Beeindruckendste bei Jorge war der erste Test in Thailand. Das war wirklich beeindruckend, erneut der Beweis für sein natürliches Talent und seine Geschwindigkeit."
Deshalb habe ihn Martins Triumph in Frankreich auch "nicht wirklich überrascht". Gleichzeitig hebt Rivola hervor, wie wichtig ein starkes Fahrerduo für die Entwicklung des Projekts sei. "Zwei Fahrer zu haben, die gewinnen können, wird sie gegenseitig pushen", erklärt er mit Blick auf die teaminterne Konkurrenz.
Dass Martin nun ausgerechnet in Le Mans seinen ersten Aprilia-Sieg an einem Sonntag feierte, verleiht der Geschichte zusätzliche Symbolik. Vor einem Jahr war der Frankreich-Grand-Prix der Tiefpunkt einer Beziehung. Nun wurde er zum großen Triumph.
Und auch wenn sich bereits andeutet, dass die gemeinsame Zeit mit dieser Saison enden wird (Martin soll bei Yamaha unterschrieben haben), betont Rivola: "Wenn wir Jorge am Ende der Saison verlieren würden, dann würden wir ihn dieses Jahr so sehr genießen, wie wir können - und ich bin sicher, er umgekehrt auch."
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