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Boykott beim Dinner: Hersteller stellen MotoGP-Promoter in Jerez bloß

Beim MotoGP-Dinner in Jerez blieben mehrere Hersteller demonstrativ fern: Ein deutliches Signal im Streit um den neuen kommerziellen Vertrag

Boykott beim Dinner: Hersteller stellen MotoGP-Promoter in Jerez bloß

Motorsport-Prominenz in der Startaufstellung von Jerez

Foto: Europa Press News

Wie es an den Freitagen des Spanien-Grand-Prix Tradition ist, organisiert die Dorna, der Promoter der MotoGP-Weltmeisterschaft, der inzwischen in MotoGP Sports Entertainment Group umbenannt wurde, in Jerez eine Veranstaltung unter dem Titel "Casual Dinner. An evening with the MotoGP family".

Eingeladen waren unter anderem die Hersteller, Teams, Sponsoren, kommerziellen Partner und alle Bereiche, die zur Meisterschaft beitragen. Die Eigentümerstruktur wurde in diesem Jahr erstmals durch Derek Chang, Präsident und CEO von Liberty Media, vertreten. An seiner Seite waren wie zu erwarten der CEO der Meisterschaft, Carmelo Ezpeleta, sowie sein Sohn Carlos, der Sportdirektor der Serie.

Begleitet wurden sie von leitenden Führungskräften der Serie sowie einigen prominenten Gästen, darunter Christian Horner, ehemaliger Teamchef des Red-Bull-Formel-1-Teams.

Die Einladungen waren Wochen im Voraus verschickt worden, und nachdem die Teilnahme bestätigt worden war, wurde der Saal für das Dinner vorbereitet, wobei sich die Sitzordnung an den einzelnen Parteien und ihren Beziehungen orientierte.

Wie üblich erhielt jeder Hersteller einen eigenen Tisch mit acht bis zehn Plätzen für seine Führungskräfte und Gäste, inklusive entsprechender Namensschilder.

Mehrere Hersteller schwänzen Dinner in Jerez

Die Überraschung für die Veranstalter und insbesondere für die Führungsebene des Promoters war jedoch, dass drei der fünf Hersteller - Yamaha, Aprilia und KTM - sie "versetzten" und ohne vorherige Ankündigung nicht zum Empfang erschienen.

Bei Ducati nahmen weder CEO Claudio Domenicali noch Gigi Dall'Igna (General Manager) oder Mauro Grasilli (Sportdirektor) teil. Die Vertretung des Unternehmens aus Borgo Panigale bestand lediglich aus Davide Tardozzi, Teammanager des Werksteams, und Kommunikationsdirektor Artur Vilalta. Auch Honda entsandte lediglich Teammanager Alberto Puig sowie zwei Mitglieder der Presseabteilung.

Die leeren Tische waren die Antwort der Hersteller auf den jüngsten Gegenvorschlag der MotoGP zum Entwurf des kommerziellen Abkommens, über das der Promoter einerseits und die Hersteller sowie Teams andererseits seit mehr als einem Jahr verhandeln.

Diese Reaktion, eine weitere Eskalation, die den Druck in den Gesprächen deutlich erhöht, kam bei den neuen Eigentümern schlecht an. Unter ihnen befand sich auch Sean Braches, eines der wichtigsten Mitglieder der US-Führungsebene, der nach Jerez gereist war, um den Abschluss der Vereinbarung zu beschleunigen.

MotoGP-Promoter wechselt seine Strategie

Der neue "Concorde-Deal" soll den kommerziellen Rahmen zwischen 2027 und 2031 regeln. Die Hersteller traten bei den Verhandlungen bisher relativ geschlossen auf, um ihre Verhandlungsposition zu stärken und bestimmte Forderungen durchzusetzen.

Das aktuelle Angebot des MotoGP-Promoters beschränkt sich auf eine lineare Erhöhung der finanziellen Beiträge an die elf Teams im Starterfeld, verlangt im Gegenzug allerdings auch eine stärkere Beteiligung der Teams in den Bereichen Hospitality, Marketing, Image, Kommunikation und soziale Medien.

Die Hersteller sind in der MSMA organisiert. Sie hat vor etwas mehr als einem Jahr ihren Präsidenten gewechselt und Massimo Rivola (CEO von Aprilia) gewählt sowie mit Lin Jarvis, dem ehemaligen Yamaha-Teamchef, einen neuen Verhandlungsführer gegenüber der Dorna bestimmt. Sie fordern eine Systemänderung: weg von der festen jährlichen Vergütung hin zu einer Beteiligung am Gesamtgeschäft.

Ihrer Ansicht nach soll sich die MotoGP an großen Sportwettbewerben wie der Champions League, professionellen Fußballligen, der NBA oder NFL orientieren sollte.

Dort erhalten Teams variable Einnahmen abhängig von Ergebnissen, Umsatzanteilen und TV-Rechten erhalten und sind vor allem in die Governance eingebunden sind. Ein einfaches Beispiel, das zu einem Streitpunkt geworden ist: Die MSMA möchte bei der Gestaltung des Rennkalenders (Termine und Strecken) mitreden dürfen.

Nach Dinner-Ärger in Jerez sind die Beziehungen zwischen beiden Seiten derart angespannt, dass der Promoter innerhalb weniger Stunden seine Strategie änderte und begann, getrennte, individuelle Verhandlungen mit jedem Hersteller und Team zu führen.

Die erste Reaktion fiel überraschend positiv aus: Honda, der finanziell stärkste Hersteller in der Meisterschaft, hat seine Zustimmung bereits zugesichert. Auch Ducati zeigt sich kompromissbereit, ebenso die Satellitenteams VR46 und Gresini (Ducati) sowie LCR (Honda) und Tech3 (KTM). Yamaha bleibt derzeit der entschiedenste Gegner des vorgeschlagenen Abkommens, zusammen mit Aprilia und KTM.

Für den Grand Prix von Frankreich (8. bis 10. Mai) wurde nun eine neue Frist gesetzt, um eine gemeinsame Einigung zu erzielen. Sollte dies nicht gelingen, will der MotoGP-Promoter individuell mit allen Beteiligten separate Verträge abschließen.

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