Carlos Ezpeleta sieht große Zukunft: "MotoGP muss nicht repariert werden"
Carlos Ezpeleta skizziert die Zukunft der MotoGP - Neue Strecken und Märkte stehen im Fokus - Gleichzeitig betont er die Stärke und Stabilität der bestehenden Serie
2027 wird für die MotoGP ein Start in eine neue Ära
Foto: Stephen Blackberry / NurPhoto via Getty Images
Der MotoGP-Kalender wird 2027 etwas anders aussehen, denn es werden zwei neue Austragungsstätten besucht. Einerseits wird die Motorrad-Weltmeisterschaft nach einjähriger Pause nach Argentinien zurückkehren.
Allerdings wird nicht mehr Termas de Rio Hondo besucht, sondern die Hauptstadt Buenos Aires. Das Autodromo Oscar y Juan Galvez wird seit Monaten modernisiert. Zuletzt fuhr die Motorrad-WM 1999 auf dieser Strecke.
Andererseits wechselt der Grand Prix von Australien von Phillip Island nach Adelaide. Außerdem bestätigte kürzlich die MotoGP Sports Entertainment Group (MotoGP SEG), dass das MotorLand Aragon auch 2027 im Kalender stehen wird.
Ungarn wird im nächsten Jahr voraussichtlich nicht mehr besucht werden, da noch viel Arbeit für den Umzug vom Balaton Park zum Hungaroring notwendig ist. Ein Fragezeichen steht hinter Portimao, da der Vertrag Ende 2026 ausläuft.
Laut MotoGP-Sportdirektor Carlos Ezpeleta bedeuten zwei neue Events pro Jahr genug organisatorische Arbeit. Mittelfristig könnte sich der Kalender deutlicher ändern. Die Idee von mehr Stadtrennen besteht, aber historische Rennen bleiben.
"Wir führen viele Gespräche mit verschiedenen Ländern, aber wir müssen diese auch schrittweise in den Kalender integrieren, um eine gewisse Ruhe zu bewahren", sagt Ezpeleta und skizziert die grundsätzliche Stoßrichtung.
"Wir haben definitiv die Priorität, in neue Märkte zu gehen und auch näher an Städte heranzurücken. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns unserer Traditionsstrecken nicht voll bewusst sind, auf denen unser Erfolg aufgebaut wurde."
"Das sind etwa Le Mans sowie der Sachsenring, Mugello oder Jerez. Das verstehen wir vollkommen. Und es gibt, sagen wir, eine gewisse Unruhe rund um Stadtkurse und das, was wir in Adelaide angekündigt haben."
"Darauf sind wir wirklich sehr, sehr gespannt und sehr glücklich. Es ist aber eine sehr spezifische, individuelle Lösung, die in Adelaide umgesetzt werden kann." Die Strecke soll sich in einer Parkanlage mit ausreichenden Sturzräumen befinden.

Im nächsten Jahr besucht die MotoGP erstmals Adelaide
Foto: Dorna Sports
"Wir sehen aber nicht, dass in naher Zukunft oder vielleicht überhaupt die Hälfte des MotoGP-Kalenders aus neuen Stadtkursen in Zentren bestehen wird, weil das eine sehr spezifische Lösung für einzelne Städte ist", betont Ezpeleta.
"Wie gesagt, wir freuen uns sehr darauf, aber wir sehen das nicht als allgemeines Ziel." Ob es mit dem neuen Eigentümer Liberty Media in Zukunft auch mehr als ein Rennen in den USA geben wird, bleibt abzuwarten.
Neben der permanenten Rennstrecke in Austin etablierte Liberty Media für die Formel 1 die beiden Stadtrennen in Miami und Las Vegas. Für die MotoGP gibt es neben Austin kaum geeignete Strecken.
Ezpeleta: "Die MotoGP muss nicht repariert werden
Laguna Seca müsste umfassend modernisiert werden, vor allem im Bereich der Boxen und der kompletten Infrastruktur. Ezpeleta hält dennoch fest, dass die MotoGP die Formel 1 nicht kopieren muss.
"Wir sind sehr stolz auf das, was die MotoGP gemeinsam mit den Teams und den Fahrern aufgebaut hat. Wir gehen in diese neue Ära mit dem Wissen, dass unser größtes Kapital darin besteht, dass dieser Sport nicht repariert werden muss."
"Der Sport ist aktuell in einer großartigen Verfassung. Es ist einfach der spannendste Motorsport, den es gibt. Man weiß wirklich nie, was an einem Wochenende passieren wird. Die Rennen selbst sind großartig und werden nur noch besser."
"Das Reglement, das wir für das nächste Jahr eingeführt haben, zielt darauf ab, den Rennsport noch weiter zu verbessern. Natürlich werden wir auch mehr in die Meisterschaft investieren und neue Märkte erschließen."
"Die USA sind ein großer Fokus für uns, aber wir sehen darin keine Gefahr für den Rennsport, den Sport selbst oder die Authentizität der MotoGP. Wir sehen es als Chance für alle Beteiligten."
"Wir sind überzeugt, dass die Zukunft sehr, sehr vielversprechend aussieht. Wir glauben also nicht, dass wir uns zwischen der MotoGP von früher und der MotoGP der Zukunft entscheiden müssen - für uns ist es ein und dieselbe MotoGP."
MotoGP, Moto2, Moto3 bleiben der Star des Wochenendes
Als 2023 die Sprints eingeführt wurden, haben sich die Aktivitäten abseits der Action auf der Strecke verändert. So gibt es zum Beispiel die Fahrerparade, aber auch die jeweiligen Streckenpromoter arbeiten an einem umfassenden Rahmenprogramm.
Dazu zählen verschiedene Aktivitäten für die Besucher, von Konzerten bis Stuntshows. Die MotoGP selbst veranstaltete vor dem Saisonstart eine Präsentation mit allen Fahrern und Teams.
Auch vor dem Rennwochenende in Barcelona gab es in der Stadt eine Veranstaltung, um den Sport für die Fans greifbar zu machen. "Wir treiben das voran und arbeiten mit unseren Promotern zusammen, um immer mehr anzubieten", sagt Ezpeleta.

Viele Rennen sind ausverkauft, wie hier ein Hügel mit Fans in Mugello
Foto: Getty Images Europe
"Ich würde sagen, dass die Fans je nach Strecke, Promoter und Standort unterschiedliche Teile des Gesamterlebnisses stärker nutzen. Und letztlich liegt es an jedem Promoter, wie er das Gesamtpaket gestalten möchte."
"Von unserer Seite aus wollen wir definitiv mehr Impulse setzen, um zusätzliche Angebote neben dem Rennsport zu schaffen. MotoGP, Moto2 und Moto3 sind für uns ein Gesamtpaket, das wir zusammenhalten wollen."
"Und dieses Paket war immer und wird auch weiterhin der Star des Wochenendes sein, insbesondere am Sonntag. Wenn man zusätzliche Angebote drumherum schafft, ist das immer gut, weil man unterschiedliche Zielgruppen anspricht."
"Es gibt auch Familien mit Kindern, und diese Gruppe möchte abends wahrscheinlich andere Dinge unternehmen. Wir müssen den Promoter dabei unterstützen, etwa indem wir unsere Möglichkeiten nutzen, Fahrer in die Fan-Zone zu bringen oder Teams außerhalb der Strecke aktiv werden lassen. Ich denke, es gibt hier noch viel Potenzial nach oben."
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