Crewchief Nöhles beeindruckt: "Moreira wäre reif fürs Werksteam"
Crewchief Klaus Nöhles beschreibt, wie sich Diogo Moreira Schritt für Schritt an die MotoGP herangetastet hat - Ruhe und Konstanz stehen dabei im Mittelpunkt
Diogo Moreira ist als Moto2-Weltmeister in die MotoGP gekommen
Foto: Getty Getty
MotoGP-Rookie Diogo Moreira hat sich an den ersten zehn Rennwochenenden als konstanter Punktesammler etabliert. Nur in Le Mans schied er sturzbedingt aus. Zweimal sammelte der 21-Jährige in Sprints WM-Punkte. Dreimal fuhr er in Grands Prix in die Top 10. Moreiras bestes Ergebnis war Platz sechs im Balaton Park.
Honda hat dem Brasilianer einen Zweijahresvertrag mit Option auf ein drittes Jahr gegeben. Die Verantwortlichen geben ihm also Zeit, sich in der MotoGP zu entwickeln.
Im LCR-Team betreut Klaus Nöhles als Crewchief die Mannschaft rund um die Startnummer 11. "Diogo ist ein junger Fahrer, der aber für sein Alter schon extrem gut vorbereitet ist", sagt der Deutsche im Gespräch mit Motorsport-Total.com.
"Er ist ein kompletter Rennfahrer, der einfach weiß, worauf es ankommt, der sehr gut vorbereitet ist, mental wie physisch. Er ist einer, dem man nichts mehr erklären muss, was zu tun ist, vor den Rennen, zwischen den Rennen."
"Ich will damit sagen, dass er in der Vergangenheit schon gut vorbereitet worden ist", glaubt Nöhles. Moreira trainiert zum Beispiel auch mit den Marquez-Brüdern Motocross. Auch im Flattrack hat er bereits etablierte Stars beeindruckt.
Im November 2025 eroberte Moreira auf Valentino Rossis Ranch die Poleposition und verwies dabei niemand Geringeren als Rossi selbst auf Platz zwei. Im 100-Kilometer-Rennen belegte das Duo Moreira/Federico Fuligni den zweiten Platz.
Moreiras Talent und Speed war in der Motorradszene bekannt. Dennoch ist die MotoGP eine ganz andere Hausnummer. "Ja, also das war schon am Anfang für ihn auch ganz klar eine Umstellung", sagt Nöhles.
"Und man hat auch gesehen, dass es einfach ein bisschen Zeit brauchte, um ihn an alles ranzuführen. Einfach andere Abläufe. Hier sind viel mehr Leute, die für einen arbeiten, viel mehr Informationen, die der Fahrer verarbeiten muss."
Nöhles: Moreira versucht nichts übers Knie zu brechen
Aber der Crewchief betont, dass Moreira immer ruhig geblieben ist: "Also wir sind auch von unserer Seite aus das Ganze einfach Schritt für Schritt angegangen, um ihn nicht zu überladen mit allen Möglichkeiten, die die MotoGP bietet."
"Was ich sehr positiv fand, war, dass ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hatte, dass er sich selber zu sehr unter Druck setzt. Er ist schon ein Fahrer, der sehr viel Druck auf sich selbst ausübt, aber auch auf alle anderen um sich herum."
"Das ist gut, weil nur so kommt man am Ende ans ganz große Ziel. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass er versucht, die Sachen übers Knie zu brechen. Er weiß, dass er Potenzial hat. Gewisse Sachen brauchen eine gewisse Zeit, brauchen Kilometer."

Diogo Moreira mit seinem Crewchief Klaus Nöhles
Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images
Moreira betont regelmäßig an den Rennwochenenden, dass er "weiter lernen muss". Nöhles sieht in der ersten Saisonhälfte klare Fortschritte: "Was er sich jetzt erlernt hat, das hat er sich erlernt und das ist unter Kontrolle."
"Und wir können sehen, da ist Potenzial für noch mehr. Wie gesagt, auch da müssen wir einfach ruhig bleiben und gucken, dass wir die Schritte einfach zum richtigen Zeitpunkt machen, dass der Fahrer weiß, was er tut."
"Und wenn das alles irgendwann, ich sage mal, perfektioniert ist, dann hat er alle Mittel, um da ganz vorne mitzufahren." Moreira hatte bisher auch relativ wenige Stürze, denn es waren an zehn Rennwochenenden nur sechs.
Befördert ihn Honda schon im nächsten Jahr ins Werksteam?
Mit 14 Stürzen ist Joan Mir der Honda-Fahrer mit den bisher meisten Stürzen. Die Sturzstatistik führt Jorge Martin mit 16 an, aber der Aprilia-Fahrer führt auch die WM-Wertung an.
Das Qualifying ist einer der Punkte, an denen Moreira arbeitet. In Mugello gelang ihm im Freitagstraining erstmals die direkte Q2-Qualifikation. Das konnte er anschließend im Balaton Park mit Platz acht im Freitagstraining bestätigen.
Immer öfter klopfte er zuletzt an die Top 10 an. Mit 43 WM-Punkten aus zehn Rennwochenenden ist Moreira der zweitbeste Honda-Fahrer. Luca Marini hat mit seiner Konstanz 71 Zähler gesammelt.

Diogo Moreira und Marc Marquez nach ihrem Duell in Mugello
Foto: Qian Jun/MB Media/Getty Images
Für das nächste Jahr ist Moreira im LCR-Team von Lucio Cecchinello gesetzt. Aber jüngst tauchten Spekulationen auf, dass ihn Honda im nächsten Jahr ins Werksteam befördern könnte und dafür David Alonso als Rookie bei LCR platzieren könnte.
Wäre Moreira für seine zweite MotoGP-Saison bereit für ein Werksteam? "Also aus persönlicher Hinsicht", sagt Nöhles, "würde ich gerne den Diogo ein zweites Jahr im selben Team, mit derselben Mannschaft haben und lernen."
"Das wäre für die Zukunft sicherlich hilfreich für ihn, um eine gewisse Konstanz zu haben. Aber andererseits hat er bewiesen, was er jetzt in ganz kurzer Zeit schon gelernt hat und wie er sich verbessert hat."
"Ich glaube schon, dass er reif dafür wäre. Auch weil, wie am Anfang besprochen, er ein sehr kompletter Rennfahrer ist. Er ist sich seiner Sache sicher. Und ich glaube nicht, dass er sich da sehr beeinflussen wird, wenn es dann in ein Werksteam geht. Ich habe das Gefühl, er wird seinen Weg gehen, auf seine Art und Weise."
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