Crutchlow beim MotoGP-Comeback: Stetige Steigerung bis zum Aufgeben
Cal Crutchlow fährt als Mugello-Ersatz für Johann Zarco "ein Rennen in zwei Hälften" und springt auch am Balaton ein - Neuer Ungarn-Ersatz für Alex Marquez
Cal Crutchlow wurde als Ersatz für Johann Zarco nominiert - nicht nur für Mugello
Foto: Getty Getty
Das zurückliegende MotoGP-Rennwochenende zum Grand Prix von Italien in Mugello sah im 22-köpfigen Starterfeld zwei Ersatzpiloten. Bei Gresini-Ducati sprang Michele Pirro für den seit Barcelona verletzten Alex Marquez ein, bei LCR-Honda sprang Cal Crutchlow für den seinerseits seit Barcelona verletzten Johann Zarco ein.
Im Sprint am Samstag kam Pirro auf P18 als Vorletzter ins Ziel, Crutchlow auf P19 als Letzter in Wertung. Im Grand Prix am Sonntag war Pirro auf P19 der Letzte in Wertung, Crutchlow gab das Rennen nach 13 von 23 Runden auf, weil er nach zweieinhalb Jahren MotoGP-Pause körperlich am Ende war.
Trotzdem hat das LCR-Team am Montag bestätigt, dass der 40-jährige Brite auch am kommenden Wochenende beim Grand Prix von Ungarn im Balaton Park wieder für Zarco fahren wird. Bei Gresini hingegen kommt am Ungarn-Wochenende überraschend ein anderer Ersatzpilot für Alex Marquez zum Zug.
Crutchlow als Zarco-Ersatz in Mugello: Rückstand sukzessive reduziert
Doch zunächst zu Crutchlow und dessen Mugello-Wochenende. Sein zuvor letztes MotoGP-Rennen war der Grand Prix von Japan 2023 in Motegi, wo er als damaliger Yamaha-Testfahrer eine zusätzliche Werks-Yamaha (Wildcard-Einsatz) fuhr. Am vergangenen Wochenende in Mugello nun trat Crutchlow erstmals seit dem MotoGP-Saisonfinale 2020 (Portimao) wieder für LCR-Honda an.
Die Basis für den Einsatz bildete ein Test, den Crutchlow am Mittwoch vor dem Mugello-Wochenende in Misano absolviert hatte. In Mugello steigerte sich der Brite dann von Session zu Session. Im ersten Freien Training am Freitagvormittag hatte Crutchlow 3,6 Sekunden Rückstand auf die Spitze und 1,8 Sekunden Rückstand auf den Vorletzten. Im Training am Freitagnachmittag fehlten ihm 3,2 Sekunden auf die Spitze und 1,2 Sekunden auf den Vorletzten.

Mugello 2026 war Crutchlows erstes MotoGP-Wochenende seit Motegi 2023
Foto: Getty Images Europe
Angesprochen auf seinen Rückstand, antwortete Crutchlow am Freitag: "Vor dem Wochenende wäre ich damit zufrieden gewesen, jetzt bin ich stinksauer. Ich hatte wirklich ein gutes Gefühl auf dem Motorrad und wir wurde sofort klar, dass das Motorrad besser ist als ich. Das ist im Moment die Realität."
Zwar sprach der Rückkehrer am Freitag davon, dass "die Ergonomie auf diesem Motorrad nicht perfekt für mich ist", aber daran ließe sich zum jetzigen Zeitpunkt nichts ändern. "Beim Fahren fühle ich mich wohl, aber körperlich war ich gegen Ende der Session wirklich am Ende. Wenn ich mit einer bestimmten Pace herumfahre, ist alles gut. Wenn ich aber pushe, fehlt mir die Kraft."
Was Crutchlow beim Comeback am meisten zu schaffen machte
Als besonders herausfordernd nach zweieinhalb Jahren MotoGP-Pause stellt Crutchlow die Richtungswechsel heraus: "Hier in Mugello sind die Richtungswechsel besonders schwierig, weil sie mit aufgedrehtem Gas gefahren werden. Dort verliere ich all meine Zeit. Wenn es langsame Richtungswechsel sind, komme ich zurecht. Ich bin einfach körperlich nicht in der Verfassung, in der ich früher war. Das wird aber wieder kommen, je länger ich fahre."
Am Samstag begann Crutchlow mit 2,9 Sekunden Rückstand auf die Spitze und 0,9 Sekunden Rückstand auf den Vorletzten im zweiten Freien Training. Im Qualifying lag er 2,5 Sekunden hinter dem Schnellsten in Q1 und 1,1 Sekunden Sekunden hinter dem Vorletzten. So ging es in das erste von zwei Rennen des Wochenendes, den Sprint am Samstagnachmittag.

Körperlich ist Crutchlow nach zweieinhalb Jahren Pause noch nicht wieder in Topform
Foto: Getty Images Europe
Den Sprint fuhr Crutchlow zu Ende. Nach der Distanz von 11 Runden betrug sein Rückstand 39,6 Sekunden auf die Spitze und 12,6 Sekunden auf den Vorletzten. Umgerechnet auf den Rückstand pro Runde entspricht das 3,6 Sekunden auf die Spitze und 1,1 Sekunden auf den Vorletzten.
Nach dem 11-Runden-Rennen war Crutchlow "zweifellos noch ausgelaugter" als nach den Freitagstrainings. In diesem Zusammenhang verriet er am Samstag, dass "meine Schulter und mein Arm mich im Moment am meisten einschränken". Dass er im Sprint, wie schon in allen Sessions zuvor, Letzter geworden ist, dass war für ihn keine Überraschung: "Das hatte ich erwartet und das hatte auch das Team erwartet. Ich war aber konstant unterwegs. Ich muss einfach noch mehr fahren."
Aufgabe am Sonntag auf ärztlichen Rat, aber erneuter Einsatz in Ungarn
So hätte es ins zweite Rennen des Wochenendes, den Grand Prix am Sonntag, gehen sollen. Bevor es soweit war, gab es für Crutchlow aber eine weitere Erkenntnis. "Leider ist im Warm-up am Vormittag etwas mit meiner Schulter passiert. Es gab einen Check im Medical-Center und wir konnten eine Verletzung sehen. Also habe ich getan, was mir geraten wurde."

Muskelschmerzen und Schulter-Diagnose sorgten für vorzeitige Aufgabe am Sonntag
Foto: Getty Images Europe
Ergebnis: Den Grand Prix über eine Distanz von 23 Runden, den gab Crutchlow nach 13 Runden mit Muskelschmerzen auf. "Das Thema wusste um die Situation. Natürlich wollte ich das Rennen durchfahren, aber das war nicht möglich. Happy bin ich nicht, denn ich fühlte mich wirklich gut. Ich fühlte mich so gut wie am ganzen Wochenende nicht. Meine Rundenzeiten waren deutlich besser als im Sprint."
"Eigentlich", verrät Crutchlow nach dem Grand Prix, "war mein Plan, schon nach drei Runden an die Box zu kommen. Dann bin ich doch fünf Runden gefahren, dann acht und am Ende waren es mehr als zehn. Im Grunde bin ich am Samstag ein halbes Rennen gefahren und am Sonntag ein halbes. Ich habe also ein Rennen durchgefahren, aber in zwei Hälften".
Nachdem sich Crutchlow am Montag nochmals hat medizinisch durchchecken lassen, kam vom LCR-Honda die offizielle Bestätigung, dass er auch beim Grand Prix von Ungarn am kommenden Wochenende im Balaton Park wieder für den verletzten Johann Zarco einspringen wird.
Gresini-Ducati in Ungarn: Iker Lecuona ersetzt Alex Marquez
Bei Gresini-Ducati hingegen kommt in Ungarn als Ersatz für den verletzen Alex Marquez nicht nochmals Ducati-Testfahrer Michele Pirro zum Einsatz. Stattdessen hat man sich laut Mitteilung des Teams vom Dienstag für Iker Lecuona entschieden. Der Spanier fährt in diesem Jahr für das Ducati-Werksteam in der Superbike-WM und ist dort aktueller WM-Zweiter hinter Teamkollege und Saisondominator Nicolo Bulega.

Iker Lecuona springt am Ungarn-Wochenende für Alex Marquez ein
Foto: Gold Goose & Photography / Getty Images
Am bevorstehenden Wochenende im Balaton Park wird es für Lecuona das MotoGP-Comeback. Sein Debüt in der Königsklasse der Motorrad-WM gab er beim Saisonfinale 2019 in Valencia für Tech3-KTM. Anschließend fuhr er zwei volle Saisons (2020 und 2021) für das französische Team.
2022 ging Lecuona erstmals in der Superbike-WM an den Start, kehrte 2023 als Ersatzpilot aber für sieben MotoGP-Rennen zurück. Als Honda-Fahrer sprang er damals für die zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Saison verletzten Marc Marquez, Joan Mir und Alex Rins (LCR-Honda) ein. Im Gresini-Team sitzt Lecuona am kommenden Wochenende erstmals auf einer MotoGP-Ducati, und zwar auf der aktuellen GP26.
Diese Story teilen oder speichern
Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!
Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.