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Crutchlow: "MotoGP heute großartig, vor allem aber auch sehr schwierig"

Cal Crutchlow, der nach Jahren wieder MotoGP-Rennen fährt, beschreibt, wie sich die Rennserie verändert hat - Das neue Reglement für 2027 begrüßt er

Crutchlow: "MotoGP heute großartig, vor allem aber auch sehr schwierig"

Cal Crutchlow lobt die MotoGP-Entwicklung als Ganzes, hat aber auch Kritikpunkte

Foto: Getty Getty

Als Cal Crutchlow vor zwei Wochen beim Grand Prix von Italien in Mugello erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder aktiv an einem MotoGP-Wochenende teilgenommen hat, sind ihm sofort Unterschiede aufgefallen. Die betreffen sowohl das eigentliche Fahren als auch das gesamte Drumherum im MotoGP-Paddock.

"Die Motorräder sind heutzutage sehr schwer, weil sie mit ihren Flügeln und all diesen Dingen sehr viel Abtrieb produzieren. Ich kann natürlich nur über die Honda sprechen, weil ich ich eine Honda fahre. Ich glaube aber, dass sich die meisten Bikes so anfühlen", sagt Crutchlow, der bei LCR-Honda derzeit als Ersatz für den verletzten Stammfahrer Johann Zarco einspringt.

Mugello vor zwei Wochen war für Crutchlow das erste MotoGP-Rennen seit dem Japan-Grand-Prix 2023 in Motegi, damals als Testfahrer für Yamaha. Am vergangenen Wochenende fuhr er für LCR-Honda auch beim Ungarn-Grand-Prix im Balaton Park. In dieser Woche hat das Team bestätigt, dass der 40-jährige Brite auch bei den kommenden zwei Grands Prix (Tschechien in Brünn und Niederlande in Assen) wieder für Zarco einspringen wird.

MotoGP-Bikes heute "viel schwerer zu fahren" als 2020

Crutchlows letzte volle MotoGP-Saison liegt noch deutlich länger zurück als sein letzter Wildcard-Einsatz für Yamaha. Seine letzte volle Saison fuhr er 2020, damals bei LCR-Honda, wo er jetzt wieder an Bord ist.

"Verglichen mit 2019 oder 2020 sind die Motorräder heute viel schwerer zu fahren", sagt er und stellt heraus: "Damals hatten wir nur ein paar Frontflügel. Jetzt haben wir Flügel vorne, an den Seiten, am Sitz und so weiter, um Abtrieb zu generieren."

Cal Crutchlow

Crutchlow ist kein Fan der zahlreichen Flügel an den modernen MotoGP-Bikes

Foto: Getty Images Europe

Bei seinem Comeback sind Crutchlow aber nicht nur Veränderungen in Bezug auf die Motorräder und das reine Fahren aufgefallen. Auch was das Drumherum betrifft, hat sich einiges getan, seit er nicht mehr auf Vollzeitbasis in der MotoGP-WM aktiv ist.

PR-Termine und mehr: Fahrern wird "sehr viel abverlangt"

"MotoGP als Ganzes entwickelt sich stetig weiter, geht mit der Zeit. Man könnte sagen mit der Zeit der Medien, der Zeit von Social Media und all diesen Dingen. Ich bin 40 und komme aus einer anderen Zeit. Ich glaube, für die heutigen Fahrer ist es großartig, vor allem aber auch sehr schwierig", sagt Crutchlow.

Schwierig inwiefern? "Sie haben so viel Aufmerksamkeit, Pressetermine und andere Verpflichtungen, eben alles das, was über das Fahren hinausgeht. 50 Prozent von ihnen sind hier, weil sie einfach nur Rennen fahren wollen. Und die anderen 50 Prozent machen gerne auch all die anderen Dinge, weil sie gerne im Rampenlicht stehen."

Cal Crutchlow

Medienrunden, Sponsorentermine und mehr: Crutchlow würde sie reduzieren

Foto: Getty Images Europe

"Grundsätzlich finde ich die MotoGP-Entwicklung richtig gut", sagt Crutchlow und erklärt: "Mehr und mehr Leute verfolgen die Rennen, mehr und mehr Leute verstehen sie. Ich kenne selber Leute, die bis vor ein paar Jahren nichts von MotoGP wussten. Wenn ich heute bei ihnen bin und mir die Rennen im Fernsehen anschaue, können sie mitreden."

Das Fazit des MotoGP-Routiniers aus Großbritannien lautet: "Ich glaube, es geht für die MotoGP-WM als Ganzes in die richtige Richtung. Ob das für die Fahrer auch gilt, weiß ich nicht. Ich finde, ihnen wird sehr viel abverlangt, um all das zu erledigen, was zum reinen Fahren noch hinzugekommen ist. Das ist nur meine Meinung, aber ich bin mir sicher, dass die meisten ähnlich denken."

Crutchlow begrüßt den Wechsel zu 850cc-Motorrädern

Die laufende MotoGP-Saison 2026 ist bekanntlich die letzte, in der das aktuelle technische Reglement Gültigkeit besitzt. Zur Saison 2027 verändert sich eine ganze Menge, allen voran in Bezug auf die Motoren, die Aerodynamik, die Fahrhilfen (Devices) und die Reifen MotoGP-Regeln 2027: Die wichtigsten Änderungen auf einen Blick.

Was die Motoren betrifft, so werden die aktuellen Triebwerke mit 1.000 Kubikzentimeter abgelöst durch neue, die nur noch 850 Kubikzentimeter Hubraum haben. Erste Testfahrten mit ihrem jeweiligen 850er-Prototypen haben die Werksteams bereits absolviert.

Für den 22. Juni, den Montag nach dem Grand Prix von Tschechien, steht in Brünn ein offizieller Testtag auf dem Programm, an dem die Werksteams gleichzeitig ihr 850er-Bike testen werden MotoGP-Testkalender 2026: Alle Termine und Strecken im Überblick.

Aber die Motoren sind längst nicht die einzige Neuerung im MotoGP-Reglement für 2027. Die Aerodynamik der Motorräder wird deutlich beschnitten. Der Großteil der aktuellen Zusatzflügel und Winglets fällt dann weg.

Cal Crutchlow

2027 beginnt mit 850er-Motorrädern und weniger Aero eine neue MotoGP-Ära

Foto: Getty Images Europe

Auch die technischen Hilfen, wie beispielsweise das Holeshot-Device für den Start oder das Ride-Height-Device zum Absenken des Hecks auf den Geraden, werden verboten. Und was die Reifen betrifft, wird Michelin als Alleinausrüster aller Teams von Pirelli abgelöst.

Was hält Crutchlow von den Änderungen? "Ich finde es gut, dass man auf 850er-Motoren abrüstet und die Winglets und diese ganze Zeug minimiert. Das ist eine gute Sache. Vielleicht werden die Rennen dadurch noch umkämpfter, vielleicht wird das Racing besser", sinniert der MotoGP-Routinier.

MotoGP 2027: Mehr Überholmanöver, aber ähnlicher Speed?

Was Crutchlow am aktuellen Racing in der Königsklasse stört, das macht er an einem Vergleich fest: "Zunächst muss ich sagen, das Racing ist unglaublich. Aber ein paar der Rennen sind alles andere als unglaublich. Ich erinnere mich, wie wir damals in Assen, ich glaube es war 2018, eine Zahl von 137 Überholmanövern hatten. Das ist es doch, was ich sehen will. Wenn ich zu Hause vor dem Fernseher sitze, dann will ich so etwas sehen."

Fabio Quartararo, Cal Crutchlow

Wird das Überholen mit den 2027er-Regeln einfacher als heutzutage?

Foto: Gold & Goose Photography / Getty Images

"Heutzutage sind die Motorräder aber so vergleichbar und die Fahrer sind so eng beisammen, dass das Überholen sehr schwierig ist. Die Leute fragen immer, warum nicht überholt wird. Ganz einfach, weil es so schwierig ist. Vielleicht wird es in dieser Hinsicht mit den 850ern besser. Aber was den Speed betrifft, wird sich nicht viel ändern. Ich glaube nicht, dass die neuen Motorräder sehr viel langsamer sein werden."

Crutchlow hat ein MotoGP-Bike mit 850 Kubikzentimeter Hubraum zwar selber noch nicht getestet. Er hat sie aber schon fahren gesehen, als er in der Woche vor dem Italien-Grand-Prix beim Misano-Test anwesend war, um sich auf sein MotoGP-Comeback vorzubereiten. Während er selber eine aktuelle Honda mit 1.000er-Motor fuhr, waren die Testteams mit ihren 850er-Prototypen auf der Strecke.

"Ich habe sie auf der Strecke gesehen und muss sagen, sie gefallen mir besser", urteilt Crutchlow über die 850er-Bikes. "Ich mag all diese Dinge wie die Devices nicht. Deshalb sind die 850er meiner Ansicht nach eine gute Sache. Und in ein paar Monaten werden wir sie dann alle sehen, nicht wahr?"

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