Dani Pedrosa: Warum er Maverick Vinales bei KTM nicht ersetzt
Warum setzt KTM in Le Mans nicht auf Dani Pedrosa, sondern holt Jonas Folger nach über 1000 Tagen zurück in die MotoGP? Die Erklärung ist einfach wie auch komplex
Testfahrten ja, Ersatz oder Wildcard nein: Dani Pedrosa fährt eine klare Linie
Foto: Rob Rob
Beim Frankreich-Grand-Prix in Le Mans fehlt Maverick Vinales weiterhin verletzungsbedingt und erneut sorgt die Ersatzfrage bei KTM für Diskussionen. Denn obwohl mit Dani Pedrosa ein hochkarätiger Testfahrer in Topform zur Verfügung steht, bekommt stattdessen Jonas Folger den Zuschlag.
Bereits am vergangenen Sonntag deuteten Fotos in den sozialen Netzwerken von Vinales darauf hin, dass eine Rückkehr in Le Mans schwierig werden würde.
Der Spanier aus dem Tech3-KTM-Team hatte sich Anfang April einer Operation unterzogen, bei der eine Schraube aus seiner linken Schulter entfernt wurde - eine Folge einer Verletzung, die er sich bereits im Juli des Vorjahres zugezogen hatte.
Ursprünglich peilte Vinales sein Comeback beim Spanien-Grand-Prix am 26. April an. Nachdem dieses Ziel verpasst wurde, richtete sich der Fokus auf das Heimrennen des Teams in Le Mans. Doch nach einem Besuch im Red Bull Athlete Performance Center wurde ihm geraten, den Heilungsprozess nicht zu überstürzen.
Aktuell gilt ein Comeback beim Grand Prix von Katalonien in Barcelona als wahrscheinlich. Dieser findet vom 15. bis 17. Mai statt. Am darauffolgenden Montag ist ein Test angesetzt.
Ersatzproblematik bei Tech3
Das MotoGP-Reglement schreibt vor, dass jedes Team zwei Fahrer pro Grand Prix stellen muss, sofern zwischen zwei Rennwochenenden nicht mehr als zehn Tage liegen. Deshalb war Tech3 bereits in Jerez gezwungen, einen Ersatz zu nominieren.
Dort fiel die Wahl ursprünglich auf Pol Espargaro, doch auch dieser verletzte sich kurzfristig bei einem Dirt-Track-Training, sodass Vinales' Bike in der Garage blieb.
Schon damals stellte sich die Frage, warum KTM nicht auf Pedrosa zurückgriff, der ohnehin für den offiziellen Montagstest in Jerez vor Ort war. Die kurzfristige Verletzung Espargaros ließ jedoch kaum Zeit für eine alternative Planung.
Zwei Wochen später ist die Situation nahezu identisch: Weder Vinales noch Espargaro sind einsatzbereit. Dennoch gelingt es KTM erneut nicht, Pedrosa für einen Renneinsatz zu gewinnen. Stattdessen wird mit Folger nach langer Abstinenz reaktiviert.
Folger-Rückkehr nach langer Pause
Die Verpflichtung von Folger unterstreicht die außergewöhnliche Situation. Der Deutsche, der im August 33 Jahre alt wird, blickt auf eine lange, aber von Unterbrechungen gekennzeichnete Karriere zurück. Seit seinem Debüt 2008 durchlief er die Klassen 125er, Moto3 und Moto2, bevor er 2017 in die MotoGP aufstieg.
Sein größter Erfolg gelang ihm in Deutschland 2017, als er sensationell Zweiter wurde hinter Marc Marquez und vor Pedrosa. Kurz darauf wurde bei ihm jedoch Pfeiffersches Drüsenfieber diagnostiziert, was ihn zu einer längeren Pause zwang.
Eine dauerhafte Rückkehr in die Königsklasse gelang ihm danach nicht mehr. 2023 kam er bereits einmal als Ersatzfahrer bei Tech3 zum Einsatz, nachdem sich Espargaro schwer verletzt hatte. In sechs Rennen sammelte Folger neun Punkte, mit Platz zwölf in Austin als bestem Ergebnis seit seiner Rückkehr.
Allerdings wurde er in allen weiteren Rennen Letzter mit teils großem Rückstand, etwa 78,9 Sekunden hinter Sieger Francesco Bagnaia beim Grand Prix in Mugello. Sein letzter MotoGP-Einsatz datiert auf den 25. Juni 2023 in Assen (Platz 14). Bis zu seinem Comeback in Le Mans werden 1.050 Tage vergangen sein.
Pedrosa ohne Rennambitionen
Sportlich betrachtet wäre Pedrosa durchaus eine naheliegende Alternative. Der dreifache Weltmeister präsentierte sich zuletzt beim offiziellen Test in Jerez in starker Verfassung. Mit 30 absolvierten Runden und einer Bestzeit von 1:37,483 lag er lediglich rund 1,5 Sekunden hinter dem Schnellsten Ai Ogura.
Zudem absolvierte KTM im Anschluss weitere private Tests auf derselben Strecke. Auch bei seinem letzten Renneinsatz 2024 in Jerez zeigte Pedrosa seine Klasse: Im Sprint profitierte er von einer Strafe gegen Fabio Quartararo und rückte auf das Podium vor.
Dennoch ist ein weiteres Comeback ausgeschlossen, und das aufgrund seiner eigenen Entscheidung. So stellte Pedrosa kürzlich unmissverständlich klar: "Meine Zeit ist vorbei."
"Grundsätzlich werde ich nicht mehr Rennen fahren. Ich bin zufrieden und glücklich mit meiner Rolle als Testfahrer. Ich habe meine Wildcards gemacht, und jetzt hat Pol Priorität, weil er auch große Lust dazu hat. Ich denke, meine Zeit ist vorbei. Jetzt sind die Jüngeren an der Reihe", erklärte Pedrosa die Gründe.
Auch finanzielle Faktoren im Spiel
Neben den sportlichen Überlegungen gibt es offenbar auch wirtschaftliche Aspekte. Seit Pedrosas Einstieg als KTM-Testfahrer 2018 wurden seine Vertragslaufzeiten kürzer und die Konditionen reduziert. Im Zuge der finanziellen Probleme des Herstellers entfielen zuletzt sogar Bonuszahlungen für Wildcard-Einsätze.
Auch wenn dies mit Sicherheit nicht als Hauptgrund gilt, dürfte es die Entscheidung, endgültig auf weitere Renneinsätze zu verzichten, zumindest mit beeinflusst haben.
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