Das Fahrer-Dilemma von Petronas-Yamaha für die MotoGP-Saison 2022

Petronas-Yamaha steht vor einigen Hindernissen, um Valentino Rossi und Franco Morbidelli für 2022 zu ersetzen - Die Wunschkandidaten sind anderweitig gebunden

Das Fahrer-Dilemma von Petronas-Yamaha für die MotoGP-Saison 2022

Als der Einstieg von Petronas-Yamaha in die MotoGP für 2019 vorgestellt wurde, konnte niemand ahnen, dass das Team, das zum Maßstab unter den Satellitenteams werden wollte, drei Jahre später Schwierigkeiten haben würde, neue Fahrer zu finden, die sich ihm anschließen.

Die Sommerpause liegt bereits hinter uns und das malaysische Team sucht immer noch nach einem neuen Duo, das seine Farben im Jahr 2022 repräsentieren soll. Das ist bemerkenswert, vor allem weil SRT über jenen Prototypen verfügt, der 2021 mit Fabio Quartararo die WM-Tabelle anführt und die meisten Siege einfuhr.

Die Frage, die sich stellt, liegt auf der Hand: Wie ist es zu diesem Punkt gekommen? Und die Antwort ist ebenso klar: weil SRT nicht im Alleingang entscheiden kann.

Das Team ist an Yamaha gebunden ist, das es bisher eher konditioniert, als unterstützt hat. Abgesehen davon, dass der Hersteller für seine Prototypen viel mehr verlangt, als beispielsweise Ducati von seinen Kunden erhält, hat er seine Position der Macht durchgesetzt, ohne auf die Wünsche seines Partners zu hören.

Yamaha bedient sich beim Satellitenteam

Nach zwei Saisons, in denen Quartararo zu dem Star wurde, nahm Yamaha ihn in sein Werksteam auf und zwang Petronas, Platz für Valentino Rossi zu machen, der zwar unbestreitbar immer noch der größte Star dieses Sports ist, der aber überhaupt nicht in die SRT-Philosophie der Förderung junger Fahrer passte.

Nachdem Maverick Vinales seinen Yamaha-Vertrag für das zweite Jahr (2022) gekündigt hat, wird der Hersteller aus Iwata Franco Morbidelli befördern, der sich wieder eine Garage mit Quartararo teilen wird - so wie bei Petronas in den Jahren 2019/20.

Man könnte meinen, dass Yamaha Petronas bei der Suche nach einem Ersatz für Morbidelli behilflich sein würde. Schließlich hat man sich in zwei aufeinanderfolgenden Saisons beim "Nachbarn" bedient. Doch das Gegenteil ist der Fall. Yamaha ist weit davon entfernt, in dieselbe Richtung zu rudern wie SRT.

Und dem Satellitenteam sind die Hände gebunden, wenn es um die Verpflichtung von Fahrern geht. Angesichts der getätigten Investitionen und der erfahrenen Behandlung ist es nicht verwunderlich, dass das Team versucht hat, sich mit Suzuki als neuem Partner zu verbünden. Doch die japanische Marke hat ihre Pläne, ein eigenes Satellitenteam ins Leben zu rufen, bis auf Weiteres erneut auf Eis gelegt.

Razlan Razali, Johan Stigefelt

Razlan Razali und Johan Stigefelt sind für 2022 noch immer ohne neue Fahrer

Foto: Motorsport Images

An einem Ersatz für Rossi arbeitet Petronas bereits seit Monaten, auch wenn der Italiener seinen Rückritt zum Saisonende erst jüngst offiziell machte. Die erste Wahl, um ihn zu ersetzen, war immer Raul Fernandez. Unter anderem, weil der Spanier glaubt, dass die M1 das Motorrad ist, auf dem er seine Stärken am besten ausspielen kann.

Nach mehreren Anläufen stieß Razlan Razali, der Chef von SRT, jedoch nicht nur auf die Ablehnung von KTM, die nicht gewillt sind, ein weiteres ihrer Nachwuchstalente zu verlieren, wie es bereits mit Jorge Martin geschehen ist, der zu Ducati ging.

Diskussion um Aufstieg von Raul Fernandez

Am vergangenen Samstag, mitten im Training, gab KTM offiziell bekannt, dass Fernandez 2022 bei Tech 3 unter Vertrag steht. Damit wollte er klarstellen, dass der Spanier nirgendwo anders hingehen würde. Weder Iker Lecuona und Danilo Petrucci noch Tech-3-Chef von Herve Poncharal waren über die Ankündigung informiert worden.

Doch auch Fernandez ist nicht glücklich. Weit davon entfernt, seinen Wechsel in die MotoGP als die Chance seines Lebens zu sehen, glaubt der Spanier, dass die Umstände, unter denen er in der Königsklasse ankommen wird, mit einem Motorrad und einem Team (Tech 3), die nicht zu ihm passen, seine Karriere gefährden könnten.

"Werden Sie 2022 dort sein, wo Sie sein wollen?", fragte Izaskun Ruiz, MotoGP-Reporter bei DAZN, Fernandez am vergangenen Samstag auf dem Red Bull Ring nach Bekanntgabe seines Aufstiegs. "Nein", antwortete er unverblümt.

Yamaha hat eine Reihe von Vereinbarungen mit KTM, einige davon über die Grenzen der MotoGP hinaus. Ein Abwerben von Fernandez durch SRT könnte leicht als Akt der Illoyalität des japanischen Herstellers gegenüber KTM ausgelegt werden.

Darüber hinaus stellt das österreichische Unternehmen sicher, dass es bei den meisten Verträgen, die es abschließt, die Oberhand behält. Die Strategie ähnelt der von Red Bull in der Formel 1 und nimmt wenig Rücksicht auf die Vorlieben der Fahrer.

Um Fernandez aus seinem Vertrag herauszukaufen, wären 500.000 Euro nötig. Und KTM hat weitere Privilegien über ihn - unter anderem das Vorkaufsrecht auf jedes Angebot, das er erhält, sowie juristische Dienstleistungen, die jeden Fall, der vor Gericht geschlichtet werden muss, teurer und langwieriger machen könnten.

Raul Fernandez

Raul Fernandez wurde für 2022 bei Tech-3-KTM bestätigt, aber ist nicht happy

Foto: Motorsport Images

All das hat dazu geführt, dass der Spanier und Petronas erkannt haben, dass sie nicht in der Lage sein werden, ihre Wünsche kurzfristig zu erfüllen. Es sei denn, KTM kommt zu dem Schluss, dass es keinen Sinn macht, eine RC16 an einen Fahrer zu geben, der sie nicht will, was allerdings unwahrscheinlich ist.

Marco Bezzecchi: Wandert er zu Petronas ab?

Mit Morbidelli bei Monster Yamaha und Fernandez bei Tech 3, konzentrierte sich SRT darauf, Bezzecchi ein Angebot zu machen. Der Vorschlag ist auf sportlicher Ebene viel attraktiver als auf wirtschaftlicher: Wenn er zustande kommt, würde Bezzecchi die M1 bekommen, die Morbidelli ursprünglich zugestanden hätte (das Modell 2022), aber mit einem Gehalt von etwa 200.000 Euro pro Jahr.

Das liegt weit unter dem, was Morbidelli erhalten hätte. Vor einer Woche war Razali noch sicher, dass das Geschäft klappen würde. Aber in Spielberg stand alles auf "Standby".

"Das Problem ist, dass die Angebote von Petronas weit unter dem Niveau der Fahrer liegen, die sie suchen", sagte der Agent eines der vielen Fahrer auf der sehr langen Liste, auf der Namen wie Bezzecchi, Lecuona, Xavi Vierge, Augusto Fernandez und sogar Darryn Binder stehen, der direkt aus der Moto3 aufsteigen könnte.

Sollte es nicht gelingen, Bezzecchi zu verpflichten, wäre es nicht verwunderlich, wenn SRT sich für eine weniger ehrgeizige Aufstellung entscheiden würde, mit zwei jungen Fahrern, denen es zwei M1 in der B-Spezifikation anbieten würde, die weniger entwickelt und weniger teuer ist als die A-Spezifikation (die der offiziellen Fahrer).

Das würde den Führungskräften Zeit geben, ein attraktives Angebot zu formulieren, um 2023 einen Topfahrer anzulocken. Das Hauptargument von SRT sind die Erfolge von Quartararo (2019) und Morbidelli (2020). Aber das reicht vielleicht nicht aus, um einen Youngster wie Bezzecchi zu überzeugen, der Teil der VR46-Familie ist.

Marco Bezzecchi

Marco Bezzecchi hat zwei Optionen: Wechsel ins VR46-Team oder zu Petronas

Foto: Motorsport Images

Ein Wechsel ins neue VR46-MotoGP-Team wäre ein logischer Schritt. Dagegen spricht die Tatsache, dass Bezzecchi mit einer Ducati aus dem Jahr 2021 antreten würde, die auf dem Papier eine Stufe schlechter wäre als die des Teamkollegen.

"Wir würden Luca (Marini; Anm. d. R.) und Marco gerne zusammen sehen. Es ist ein logischer Schritt, wenn man bedenkt, dass die Philosophie der Akademie darin besteht, dass unsere Teams nur von unseren Fahrern ernährt werden", betont Rossi.

Und Bezzecchi, der in dieser für seine Zukunft wichtigen Phase zuletzt seinen ersten Saisonsieg feiern konnte, verrät: "Ich habe beide Angebote auf dem Tisch: VR46 und Petronas. Ich habe mich noch nicht auf die Analyse der Details konzentriert. Die Entscheidung wird nach dem zweiten Rennen in Österreich fallen."

"Ich weiß, dass ich nächstes Jahr in die MotoGP aufsteigen möchte, aber ich habe es nicht eilig, mich zu entscheiden mit wem." Bezzecchi scheint sich also keine allzu großen Sorgen über den möglichen Konflikt zu machen, den seine Ankunft in der Königsklasse auslösen könnte, falls seine persönlichen Interessen nicht mit denen der Firma übereinstimmen, die ihn rechtlich vertritt (VR46).

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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