Das macht Aprilia besser als Ducati: Die Fahrer nennen die Schwachstelle
Seit Oktober kein Sieg: Ducati steckt in der Krise - Aprilia hat technisch einen großen Schritt gemacht - Die Ducati-Fahrer haben das Problem identifiziert
Jorge Martin überholte Bagnaia im Austin-Sprint in der letzten Runde
Foto: Getty Getty
Ducati hat seit Malaysia Ende Oktober 2025 keinen Grand Prix mehr gewonnen. In der neuen Saison holte Aprilia-Fahrer Marco Bezzecchi drei Start-Ziel-Siege. Beim Saisonauftakt in Thailand stand kein einziger Ducati-Fahrer auf dem Podium.
In Brasilien wurde Fabio Di Giannantonio vom VR46-Team Dritter und zuletzt in den USA stand erneut kein Ducati-Fahrer auf dem Podium. Den einzigen Sieg erzielte Marc Marquez im Sprint von Brasilien. Zudem feierte Aprilia nun zwei Doppelsiege hintereinander.
"Aprilia hat sich enorm gesteigert", räumt Ducati-Teammanager Davide Tardozzi bei Sky Italien ein. "Ich habe mir die Daten vom letzten Jahr angesehen und sie mit denen aus diesem Jahr verglichen. Es ist offensichtlich, dass Aprilia einen deutlichen Sprung gemacht hat."
Der Italiener vergleicht das Austin-Rennen mit den Zeiten des Vorjahres: "Bezzecchi hatte eine um etwa sieben Zehntel bessere Rennpace, Ogura um acht Zehntel. Wir haben uns um ein bis zwei Zehntel verbessert. Es ist also klar, dass Aprilia eine beeindruckende Steigerung hingelegt hat."
"Sie haben starke Fahrer, genau wie wir, aber im Moment laufen wir etwas hinterher. Es ist klar, dass wir etwas von unseren Ingenieuren erwarten. Ich glaube, Gigi ist der Erste, der mit dieser Situation unzufrieden ist, daher bin ich sicher, dass wir daran arbeiten werden."
In Austin wurde der direkte Vergleich zwischen Aprilia und Ducati bei der Aufholjagd von Ai Ogura deutlich. Der Trackhouse-Fahrer überholte Fermin Aldeguer, Alex Marquez, Francesco Bagnaia und Di Giannantonio.
Bis zum technisch bedingten Ausfall hatte sich der Japaner auf den vierten Platz gearbeitet. "Ehrlich gesagt hat er mich überholt", sagt Alex Marquez. "Ich bin drei Kurven lang hinter ihm her am Limit gefahren, beziehungsweise habe selbst gepusht."
"Und als ich dann im Kopf wieder richtig da war, habe ich mich gefragt: Wo ist er? In dem Moment habe ich nicht gedacht, dass er sofort eine Lücke herausfahren würde. Also das war schon ziemlich beeindruckend."
Wo die Aprilia der Ducati überlegen ist
Der Vizeweltmeister hat dabei die RS-GP genau beobachtet: "Das Motorrad war wirklich sehr stabil, es lenkt stark ein und hat sehr viel Grip. Es war wirklich beeindruckend, ihn in dieser Situation zu sehen. Nur drei Kurven lang, aber in diesen drei Kurven war es wirklich beeindruckend."
"Sie haben sehr viel Stabilität, sehr viel Grip. Genau darum geht es: Sie sind besser als wir, und wir müssen weiterarbeiten. Bei uns gibt es viele Bewegungen, und es ist schwer zu verstehen, bis zu welchem Punkt man pushen kann. Bis zu welchem Punkt man noch guten Grip hat."

Ai Ogura überholte bis zum Ausfall mehrere Ducati-Fahrer
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"Genau das ist im Moment unser Problem", beschreibt Alex Marquez die aktuelle Schwäche der Ducati. "Das Limit zu finden oder das Limit zu kontrollieren ist für uns sehr schwierig." Mit dieser Meinung ist er nicht alleine, denn das bestätigen auch die anderen Ducati-Fahrer.
"Ich denke, wir müssen unser Vorderrad verbessern", sagt Di Giannantonio. "Wir müssen in der Lage sein, härter zu bremsen und mehr Geschwindigkeit über das Vorderrad in die Kurve mitzunehmen. Genau da liegt im Moment unser Problem."
"Bei uns läuft alles über das Hinterrad, und sobald der Hinterreifen abbaut, können wir unsere Geschwindigkeit nicht mehr wirklich zeigen. Sobald du das Motorrad dazu bringen musst, genau das zu machen, was es machen soll, wird es kritischer, und da haben sie einen Vorteil."
"Sie können etwas später bremsen, sie können noch mit gezogener Bremse in die Kurve gehen, und sie können das Vorderrad nutzen, um das Motorrad einlenken zu lassen. Im Moment können wir das nicht. Deshalb nutzen wir den Hinterreifen sehr stark."

Fabio Di Giannantonio konnte zumindest zwei Polepositions erobern
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"Wenn du einen neuen Reifen hast, ist das Motorrad wirklich gut, dann können wir machen, was wir wollen. Aber sobald der Hinterreifen ein wenig abbaut, hast du nicht das Vorderrad, das diesen Abbau des Hinterreifens kompensieren kann, und dadurch wird es für uns deutlich schwieriger."
"Es ist so, dass wir das Hinterrad für alles zu stark beanspruchen", nennt Di Giannantonio den entscheidenden Aspekt. "Ich glaube, wir sind in den letzten Jahren unglaubliche Rennen gefahren, weil wir der Konkurrenz bei der Kontrolle des Hinterreifens voraus waren."
"Aber jetzt, wo die anderen beim Vorderrad sehr große Fortschritte gemacht haben, reicht diese Kontrolle über den Hinterreifen nicht mehr aus. Wir müssen uns beim Bremsen und beim Kurveneingang deutlich verbessern."
Tardozzi gratuliert Aprilia
Die Eindrücke von Alex Marquez und Di Giannantonio bestätigt auch Bagnaia. In Austin führte der zweimalige MotoGP-Weltmeister den Sprint bis zur letzten Runde an, aber sein Reifenverschleiß war am Ende zu hoch, und er wurde eine leichte Beute für Jorge Martin.
Auch im langen Rennen hatte Bagnaia Probleme mit dem Reifenverschleiß und fiel zusehends bis auf Platz zehn zurück. "Im Moment glaube ich, dass unser Motorrad über das Hinterrad einlenken muss, weil das Vorderrad nach außen drückt", so der Ex-Weltmeister.
"Wir können nicht verzögern, während das Motorrad gleichzeitig so stark nach vorne drückt. Ich muss also über den Hinterreifen einlenken, und damit zerstöre ich ihn." Die Ducati-Fahrer haben also die Probleme identifiziert.

Davide Tardozzi gratuliert Aprilia zur guten Arbeit
Foto: Getty Images South America
Nun müssen die Ingenieure Lösungen finden. Bis zum Rennen in Jerez Ende April bleibt ihnen dafür eine längere Pause. "Chapeau an Aprilia", gratuliert Tardozzi nach den drei Überseerennen der Konkurrenz, "denn sie haben einen erheblichen technischen Sprung gefunden."
"Ich glaube, wir haben die Möglichkeit, in den WM-Kampf zurückzufinden. Wir sind erst beim dritten Rennen, es gab unglückliche Momente, aber abgesehen davon müssen wir etwas sorgfältiger mit unserem Management umgehen - wirklich verstehen, was die Fahrer brauchen."
"Ich denke, es gab Situationen, in denen wir mit unseren Fahrern nicht das Beste herausgeholt haben. Also liegt es an uns, uns zu verbessern. Und sicherlich sind die Fahrer, Aldeguer wie auch Marc, momentan absolut nicht in [körperlicher] Form."
In der Herstellerwertung hat Ducati nach drei Rennwochenenden 32 WM-Punkte Rückstand auf Aprilia.
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