Dashboard-Check mit Miller: Quartararos Pole-Zweifel in Le Mans

Fabio Quartararo erzählt, wie er sich doppelt unsicher war, ob es für ihn zur Le-Mans-Pole gereicht hat - Für ein Regenrennen sieht er sich nicht perfekt aufgestellt

Dashboard-Check mit Miller: Quartararos Pole-Zweifel in Le Mans

Die wechselhaften Witterungsbedingungen am Bugatti-Circuit in Le Mans haben dem Yamaha-Werksteam im packenden Qualifying zum Grand Prix von Frankreich in Le Mans erstmals seit vier Jahren ein 1-2-Ergebnis in der Startaufstellung für ein MotoGP-Rennen beschert.

Lokalmatador Fabio Quartararo fuhr in seiner letzten fliegenden Runde mit Slicks auf teilweise feuchter Piste mit 1:32.600 Minuten auf die Pole. Teamkollege Maverick Vinales war im finalen Schlagabtausch in Q2 lediglich 0,081 Sekunden langsamer. Das bis dahin letzte Mal, dass beide M1 des Yamaha-Werksteams von P1 und P2 in ein Rennen gingen? Mugello 2017, damals mit Vinales auf Pole und Valentino Rossi neben ihm.

Für Quartararo, der in Le Mans das Yamaha-Doppel beim Start anführt, ist es nach 2020 die zweite Pole bei seinem Heimrennen. In der laufenden Saison 2021 ist es für ihn nach Portimao und Jerez nun schon die dritte Pole hintereinander. Dies war ihm aber nicht sofort klar. Er fürchtete, dass unter anderem der ihm direkt gefolgte Ducati-Pilot Jack Miller schneller gewesen sein könnte.

 

Die Bestätigung, dass er schneller als Miller war, gab es für Quartararo noch auf der Auslaufrunde. Denn beim Übungsstart standen die beiden direkt nebeneinander und blickten auf das Dashboard des jeweils anderen, um dessen Rundenzeit zu sehen.

"Da habe ich gesehen, dass ich einen Tick schneller war. Das war ganz witzig", bekennt Quartararo, als er auf die Situation angesprochen wird. Und Miller sagt: "Er hatte meine Rundenzeit schon gesehen. Als ich seine checken wollte, war die aber schon vom Display der Yamaha verschwunden. Zum Glück war er so nett, einen Knopf zu drücken, sodass ich die Zeit dann doch noch sehen konnte."

Und trotzdem war sich Quartararo nicht sicher, ob es für ihn zur Pole gereicht hat: "Als ich in den Parc Ferme kam, standen dort schon drei Bikes. Im letzten Moment habe ich dann aber meine Mechaniker gesehen. Das war cool". Mit drei Bikes meint der Polesetter die Yamaha seines Teamkollegen Vinales (P2), die Ducati von Miller (P3) und die Petronas-Yamaha von Franco Morbidelli, der als schnellster Fahrer eines Satellitenteams ebenfalls im Parc Ferme parken durfte.

Fabio Quartararo, Maverick Vinales

Erstmals seit Mugello 2017 beide Werks-Yamaha auf P1 und P2 im Qualifying

Foto: Motorsport Images

Vinales, der vom zweiten Startplatz losfahren wird, gibt zu: "Die letzte fliegende Runde war schwierig. An einzelnen Stellen war die Strecke noch feucht. Somit war es nicht einfach. Unser Ziel war die erste Reihe und das haben wir erreicht. Unsere Pace sollte auch ganz gut sein. Denn im FT2 sind mir im Trockenen mit einem gebrauchten Reifen ganz ordentliche Rundenzeiten gelungen. Im Regen hatte ich gestern auch ein gutes Gefühl. Heute war es nicht perfekt, aber ich glaube wir wissen, woran das liegt."

Die Wettervorhersage für Sonntag geht für den Start des MotoGP-Rennens um 14:00 Uhr von einer rund 70-prozentigen Regenwahrscheinlichkeit aus. Der Freitag und der Samstag aber haben gezeigt, dass es auch immer mal wieder abtrocknen kann. Die Piloten müssen somit auf drei Szenarien gefasst sein: ein Rennen komplett mit Trockenreifen, eines komplett mit Regenreifen oder aber ein sogenanntes Flag-To-Flag-Rennen mit Motorradwechsel während des Rennens.

Fabio Quartararo

Für ein Rennen mit Regenreifen sieht sich Quartararo nicht perfekt aufgestellt

Foto: Motorsport Images

"Wenn wir mit Slicks fahren können, sollte es okay sein", glaubt Polesetter Quartararo. "Wenn wir aber mit Regenreifen fahren müssen, dann ist unser Bike beim Beschleunigen nicht so stark wie andere. Das habe ich festgestellt, als ich hinter anderen hergefahren bin."

"Sollte es ein Regenrennen geben, dann muss ich mir darüber im Klaren sein, dass ich leider nicht lange an der Spitze liegen werde", schlussfolgert Quartararo und hat in einem solchen Fall den von P3 startenden Ducati-Piloten Miller als Favoriten im Auge: "Jack ist bei solchen Bedingungen einer der Besten. Wenn er mich überholt, will ich herausfinden, was er anders macht. Ich habe hier bislang nur ein Regenrennen bestritten und das war schwierig. Ich tue mich bei Regen einfach schwerer und muss da noch viel lernen."

Ungeachtet der Bedingungen am Sonntag steht für Quartararo eines schon jetzt fest. Die als Holeshot-Device bekannte Startvorrichtung will er auf jeden Fall einsetzen: "Für mich ist klar, dass ich sie nutzen werde. Ja, es ist hier ein bisschen knifflig. Es ist aber nicht so, dass wir im sechsten Gang in der ersten Kurve ankommen würden. Wir brauchen diesen Vorteil am Start einfach. Deshalb werde ich davon Gebrauch machen."

Während Quartararo am Sonntag von der Pole startet, geht WM-Spitzenreiter Francesco Bagnaia mit seiner Ducati nach misslungenem Reifenpoker im ersten Qualifying-Segment nur vom 16. Startplatz ins Rennen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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